Bauernproteste

Milchpreis: Molkereien lehnen Bauernforderungen ab

Josef Koch
Josef Koch
am Mittwoch, 18.11.2020 - 10:16

Die Molkereien sehen derzeit keine Möglichkeit die Milchpreise deutlich zu erhöhen. Das haben Bauern vergangene Woche gefordert. Die Stellungnahme des Milchindustrieverbands.

Forderungspapier

Die Molkereien halten die Forderungen von Landwirten nach höheren Milchpreisen wenig realistisch. Bauerndemonstrationen lösten das Problem nicht. Mindestens plus 15 Cent/kg höhere Milchpreise forderten vergangene Woche einige landwirtschaftliche Organisationen, die sich unter dem Namen milchdialog zusammengeschlossen haben.

Nicht nur für die Landwirte, auch für die Molkereien ist laut Milchindustrieverband (MIV) die aktuelle wirtschaftliche Lage sehr herausfordernd: Denn beide Seiten kämpfen mit Kostensteigerungen, die am Markt nicht honoriert werden. Hinzu kommt, dass die Pandemie die Rentabilität der Molkereien deutlich geschmälert hat: „Die Organisationsaufwendungen sind durch Corona enorm gestiegen und Pandemiepläne kostenintensiv“, erklärt Peter Stahl, Vorsitzender des Milchindustrie-Verbandes.

Handelskriege vermeiden

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Demonstrationen – wie die in der vergangenen Woche – tragen nicht dazu bei, das Problem zu lösen, so der MIV. Vielmehr müssen die Molkereien und die Landwirte gemeinsam darauf hinarbeiten, die Vermarktung und damit einhergehend auch die Kommunikation für die Milch zu stärken. Hinzu kommt, dass jeder seinen Einfluss auf die Agrarpolitiker geltend machen kann. Wenn Änderungen gewünscht werden, muss man seine Mehrheiten finden. Die Endverhandlungen zur Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) 2023 laufen gerade. Der MIV setzt sich weiterhin für einen marktwirtschaftlichen Ansatz ohne staatliche Mengensteuerung ein.

Aus Sicht des MIV ist ein Baustein, um die Situation zu entspannen, Exporte weiter zu fördern, um Märkte zu sichern und damit auch langfristig einen guten Milchpreis sicherzustellen. Gerade die andauernden Handelskriege mit den USA oder Russland schaden der Milchvermarktung.

Erschwerend hinzu kommt der drohende Brexit. Mengenbeschränkende Maßnahmen sind nur zielführend, wenn von Anfang an klargestellt wird, welche Länder ihre Produktion drosseln sollen. Leider zeigen die aktuellen Entwicklungen eine andere Tendenz: Alle großen Milchländer dehnen derzeit die Produktion aus. „Die Politik kann der Milchbranche auch substanziell helfen, indem sie dafür sorgt, dass die Molkereien nicht von Kostensteigerungen erdrückt werden, wie durch Änderungen im Verpackungsrecht oder Kennzeichnungsrecht“, sagt Stahl. „Das alles kostet Geld.“

Geforderte Preiserhöhungen sind nicht realistisch

Die Molkereien kennen die wirtschaftlichen Verhältnisse auf den Höfen sehr gut. Eine plakative Forderung von "mindestens 15 Cent mehr pro Liter Milch" (plus 40 Prozent) hilft nach Meinung des MIV-Vorsitzenden jedoch nicht. Denn die Marktpreise der Rohmilch richten sich nach Angebot und Nachfrage. Hinzu kommt, dass die Märkte untereinander verbunden sind: Ca. 15 Prozent der europäischen Milch werden am Weltmarkt zu Weltmarktpreisen abgesetzt. Auch diese schwanken und dies bei volatilen Devisenkursen. 50 Prozent der deutschen Milcherzeugnisse werden im Ausland verkauft, das meiste im EU-Binnenmarkt.

Darüber hinaus ist Deutschland ein großer Importeur von Milcherzeugnissen. Die geforderte Preiserhöhung ist aus Molkereisicht nicht einfach so zu realisieren. Außerdem ist der Protest für eine nationale Preiserhöhung in den Augen des MIV der falsche Ansatz.

Stahl: Bauern teilweise selbst schuld an höheren Kosten

Der MIV erwartet kurzfristig keine drastischen Preissteigerungen, die eine Preiserhöhung wie die geforderten 40 Prozent folgen lassen könnten. Der deutsche Milchpreis liegt meistens im Durchschnitt der europäischen Nachbarn und voraussichtlich wird sich das auch nicht ändern.

Der Molkereiverband gibt zu Bedenken, dass einige Kostenpositionen auf den Höfen dem Berufsstand selbst zuzuschreiben sind: Höhere Pacht/ Landpreise werden zwischen den Landwirten direkt verhandelt.

Preisabsprachen kartellrechtlich verboten

Die protestierenden Organisationen fordern außerdem, dass alle Molkereien gleichzeitig ihre Preise gegenüber den Abnehmern anheben sollen, um die Forderungen erfüllen zu können. Preisabsprachen seien aber nach deutschem und europäischem Kartellrecht streng verboten, so der MIV.

Molkereien und Landwirte müssen sich in einem schwierigen Marktumfeld behaupten, so Stahl. Dies gelinge nur, wenn beide Seiten in einen gemeinsamen Dialog treten. "Dazu tragen Forderungsschreiben, die in den Betriebsstätten unser Mitgliedsunternehmen abgegeben werden, leider nicht bei", ist sich der Vorsitzende sicher.

Bayernweite Proteste für höhere Preise

LsV-Aktion-Zapfendorf_LF
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