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Coronakrise

Milchbauern fordern EU-weites Verringern der Milchmengen

Josef koch
Josef Koch
am Donnerstag, 09.04.2020 - 12:00

Um einen Zusammenbruch der Milchpreise zu verhindern, fordern "Landwirtschaft verbindet" und AbL die EU zum schnellen Handeln auf.

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Aufgrund der sich abzeichnenden Krise am Milchmarkt reicht es nach Auffassung der Organisation "Landwirtschaft verbindet", Team Bayern, nicht aus, wenn Molkereiunternehmen und Erzeugergemeinschaften wie die Bayern MEG Milcherzeuger auffordern, freiwillig ihre Anlieferungsmengen zu verringern. reduzieren.

Freiwillige Maßnahmen werden laut LsV auf dem europäischen Milchmarkt nicht zielführend sein. Denn wenn einzelne Milcherzeuger oder auch ganze Molkereien ihre Milchmenge um 20% senken, andere wiederum gleichbleibend oder im schlimmsten Fall sogar mehr produzieren, wird die stabilisierende Wirkung am Markt verpuffen.

Ohne ein Eingreifen der Politik wird der Strukturwandel in der Milchviehhaltung deutlich beschleunigt. Viele bäuerliche Familienbetriebe werden eine erneute Krise am Milchmarkt nicht mehr durchhalten.

LsV: Weniger Milch belastet öffentliche Haushalte nicht

Die Organisation fordert die politischen Entscheidungsträger in Bayern, Deutschland und Europa auf, schnell zu handeln, bevor die ganze Milchwirtschaft gegen die Wand gefahren sei.

Als Lösung sieht LsV die Last gleichmäßig auf alle Akteure am Milchmarkt zu verteilen. Sie verlangt auf EU-Ebene eine verpflichtende Reduktion der Milchmenge bei allen Betrieben europaweit.

Nach LsV-Meinung stabilisiert eine um wenige Prozent gesenkte Menge den Markt schnell. Der einzelne Betrieb könne dies einfach umsetzen, ohne in wirtschaftliche Schwierigkeiten zu kommen. Bei einer Wiederbelebung der Nachfrage nach Milchprodukten könne die Mengenreduktion wieder aufgehoben werden, meint LsV-Vertreter und Milcherzeuger Dominik Herrmann.

Für das EU-weite Reduzierungsprogramm sei kein Steuergeld nötig, da man keinen finanziellen Ausgleich verlange. Im Gegensatz seien für die derzeit diskutierten Beihilfen zur privaten Lagerhaltung Steuergelder nötig.

AbL auch für EU-weite Lösung

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) schlägt in die gleiche Kerbe. Jetzt werden Stimmen laut, mit staatlichen Hilfen die private Lagerhaltung der Molkereien zu fördern und dadurch Milchüberschüsse vorläufig vom Markt zu nehmen. Das koste öffentliche Gelder, aber die Überproduktion bleibe und die Lagerbestände verlängerten die Krise noch, warnt Elisabeth Waizenegger, Milchbäuerin im Allgäu und Mitglied im Bundesvorstand der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL).

Nach ihrer Auffassung wäre es wesentlich zielführender, wenn die überschüssige Milch gar nicht erst entstehen würde. Die Aufrufe einzelner Molkereien begrüßt die AbL grundsätzlich. Aber es sei weiterhin notwendig, dass für die Molkereien auf EU-Ebene koordinierte Anreize gesetzt werden, um die Milchmenge zu senken.