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Klimaschutz

Methan: Kühe stehen zu Unrecht im Fokus

Josef koch
Josef Koch
am Donnerstag, 08.09.2022 - 15:33

Weltklimabericht hält Methanemissionen für bis zu vierfach zu hoch bewertet. Anpassungen in Klimaberichten sind nötig.

Milchkühe-Futtertisch-Stallarbeit

Der aktuelle Weltklimabericht hat die Methanemissionen neu bewertet. Nach Auffassung der Wissenschaftler wurden sie bisher überwertet wurden. Der Einfluss im Vergleich zu Kohlendioxid auf die Klimaerwärmung ist dem Klimabericht zufolge weit geringer als angenommen. Die Wissenschaft unterscheidet mit neuem Maßstab den durchschnittlichen Verbleib der Treibhausgase in der Atmosphäre.

Methan bisher viel zu hoch angesetzt

Bisher ist das globale Erwärmungspotential (GWP) erhoben worden. Bei dieser Berechnungsmethode würden klimaschädliche Gase in CO2 umgerechnet, ohne auf deren Lebenszyklus abzustellen. Methan als kurzlebiges Gas ist daher um das 3- bis 4-fache höher bewertet worden, als es sich durch die Betrachtung des tatsächlichen globalen Temperaturänderungspotentials (GTP) darstellt. Methan verbleibt im Schnitt 12 Jahre in der Atmosphäre, Kohlendioxid mehr als 1.000 Jahre. Bisher lag der Wert für Methan nach dem alten GWP-Maßstab bei 34, nach dem neuen GTP-Maßstab beträgt er nur noch 11.

Die Neubewertung von Methan erfordert so grundsätzlich eine Anpassung der Emissionen, wie sie zum Beispiel in Klimaschutzgesetzen und Klimaberichten für die Landwirtschaft berechnet sind. So dürften Landwirte politisch festgelegte Klimaziele wesentlich schneller erreichen als bisher vorgesehen.

Auch die EU-Kommission müsste ihr Novelle der Industrie-Emissionsrichtlinie neu überdenken. So will sie Rinderhalter neu einbeziehen und die GVE-Grenzen absenken.

Stabile Viehbestände reichern Treibhausgase nicht an

Hinzu kommt folgender Aspekt: Ein Rinderhalter, der seinen Viehbestand konstant hält, erzeugt somit keine zusätzlichen Treibhausgasemissionen. Das ausgestoßene Methan seiner Rinder befindet sich im Kreislauf und wird wieder abgebaut. Er steigert damit nicht die Emissionen, der Ausstoß ist konstant. Bei einem aktiven Kohlekraftwerk ist es dagegen anders. Dessen Betrieb führt zu einer Anreicherung der CO2-Emissionen, da CO2 bekanntermaßen über 1.000 Jahr in der Atmosphäre verbleibt. Darauf haben britische Wissenschaftler schon seit 2019 hingewiesen, berichtete agrarheute.com.

Schmuckenschlager: Tierhalter sind keine Klimasünder

Johannes Schmuckenschlager, Präsident der Landwirtschaftskammer Niederösterreich, zieht aus diesen Erkenntnissen den klaren Schluss: „Österreichische Tierhalter sind keine Klimasünder“. Nach seiner Meinung liegt es nahe, in Zukunft auf das GTP abzustellen.

Die österreichische Fleisch- und Milchproduktion hält er zudem für besonders klimaschonend. Sie verursacht EU-weit die niedrigsten Treibhausgasemissionen. „Nun zeigt sich, dass die Emissionen noch weit geringer sein dürften“, so Schmuckenschlager.

Durch die Wiederinbetriebnahme des Kohlekraftwerks Mellach erweist sich nach Meinung des Kammerpräsidenten die Diskussion über mehr Kühe, Schafe oder Ziegen in Österreich, wie kürzlich in der Prognose 2021 des Klimaberichts des Klimaministeriums angemerkt, als Scheindebatte.