Agrarhandel

Mercosur: Bündnis demonstriert gegen Handelsabkommen

Josef Koch
Josef Koch
am Dienstag, 16.03.2021 - 08:24

Zusammen mit der AbL warnt ein Aktionsbündnis vor der brasilianischen Botschaft in Berlin vor den Folgen des Mercosurabkommens.

Mercosurabkommen-Demo-Berlin

Ein breites Bündnis von Nichtregierungsorganisationen und Initiativen hat gestern (15.3.) vor der brasilianischen Botschaft in Berlin gegen das geplante Mercosur-Abkommen der EU mit Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay protestiert. Vier Tage vor dem Globalen Klimastreik am kommenden Freitag machten die Organisationen damit auf die fatalen Auswirkungen aufmerksam, die das Abkommen auf das globale Klima sowie auf Umwelt und Menschenrechte hätte. Bauernvertreter*innen fuhren zudem mit einem Trecker und Sojaschrotsäcken vor, um die Folgen der Futtermittelimporte in den Anbauländern und in Europa für Menschen und Umwelt zu verdeutlichen.

Nach Auffassung von Georg Janßen, Bundesgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, setzt das Abkommen Bäuerinnen und Bauern in der EU und im Mercosur einem steigenden Preisdruck aus. Es läuft den gesellschaftlichen und bäuerlichen Interessen diametral entgegen. Die Bundesregierung müsse deshalb bei den anstehenden Entscheidungen um die EU-Agrarreform einen ehrlichen Systemwechsel vornehmen, fordert der AbL-Geschäftsführer. Sie müsse sich von der Billigexportstrategie verabschieden. "Wir fordern einen nachhaltigen Agrarhandel mit strengen sozialen und ökologischen Standards. Dies muss sowohl für den Import von Agrargütern in die EU, aber genauso für den Export gelten", meint Janßen.

Paradebeispiel für Klimazerstörung

Mercosurabkommen-Demo-Berlin

Das EU-Mercosur-Abkommen sei ein Paradebeispiel für Klimazerstörung, so Ludwig Essig vom Umweltinstitut München. "Wer Autos für Rindfleisch tauscht, verdrängt Artensterben, Klimakrise und Menschenrechtsverletzungen.“

Sven Hilbig, Handelsexperte von Brot für die Welt, beklagt, dass besonders Indigene und Kleinbauern betroffen wären, die durch die Regierung Bolsonaro vertrieben werden, um Platz für Sojaanbau und Rohstoffausbeutung zu schaffen. Nach Einschätzung der Vereinten Nationen werden die Menschenrechte in Brasilien bereits jetzt systematisch durch die Regierung Bolsonaro verletzt.

Ein zentrales Ziel des EU-Mercosur-Abkommens ist es, die Importe von Fleisch, Soja und Ethanol in die EU zu erhöhen. All diese Produkte sind laut dem Aktionsbündnis schon heute Ursachen für die Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes. Ihre Erzeugung auszuweiten, treibe Brände und Abholzungen unmittelbar und unvermeidlich an. Im Gegenzug soll das Abkommen die Exportbedingungen für die deutsche Automobilindustrie verbessern.