Landtag

Wie mehr Tierwohl in Bayern geht

Josef Koch
Josef Koch
am Donnerstag, 11.02.2021 - 18:17

Landtagsfraktionen hören Sachverständige an, was in Bayern an Tierwohl möglich ist

Schöffel-Martin-CSU

Geht es nach Eric Beißwenger, dem umwelt- und verbraucherschutzpolitischen Sprecher der CSU-Landtagsfraktion, müssen die Forderungen nach mehr Tierwohl unbedingt ernst genommen werden, da man die gesellschaftliche Akzeptanz von Milchbauern, Schweinemästern und anderen Nutztierhaltern weiter erhalten will. Die CSU-Fraktion will die Nutztierhaltung in Bayern noch tierfreundlicher gestalten. Dazu hatten alle Landtagsfraktionen Sachverständige zur Anhörung im Umwelt- und Agrarausschuss eingeladen.

„Eventuelle Missstände müssen konsequent abgestellt werden. Wer Tiere hält, ist auch für sie verantwortlich. Die Betriebe müssen dieser Verantwortung auch gerecht werden!“, erwartet Beißwenger. Die Freien Wähler (FW) sehen Missstände aber nur als Einzelfälle. „Bei all der berechtigten Wut auf tierwohlgefährdende Haltungspraktiken dürfen wir nicht vergessen, dass der weit überwiegende Anteil der Landwirte sehr viel Wert auf das Wohl seiner Tiere legt“, so Agrarsprecher Leopold Herz (FW). Bei den Tierrechtsverstößen handele es sich „Gottseidank um Einzelfälle“, die zwar tragisch, bei der großen Anzahl tierhaltender Betriebe in Bayern jedoch kaum zu verhindern seine. Einen Generalverdacht gegenüber der Landwirtschaft lehnen die Freien Wähler entschieden ab.

FW auf Linie der CSU bei höheren Preisen

Leopold Herz

Bei der erwerbsmäßigen Haltung von Tieren steht für die Freien Wähler Landtagsfraktion das Tierwohl an erster Stelle. Herz stellte klar, dass Tierwohl nicht zum Nulltarif zu haben sei. Wenn eine Gesellschaft Veränderungen zum Wohle der Nutztiere wünsche, müsse sie höhere Preise für Tierprodukte akzeptieren.

Damit fand sich die FW-Fraktion ganz auf der CSU-Linie. Ihrer Meinung nach müssen die Auswirkungen auf die heimische Landwirtschaft durchdacht und finanziell honoriert werden – von der Politik, von der Gesellschaft und nicht zuletzt vom Einzelhandel und Verbraucher. Schließlich wolle auch der Großteil der Landwirte in Bayern mehr Tierwohl und Umweltschutz. Dafür brauchen sie aber faire Erzeugerpreise und verlässliche Rahmenbedingungen, ist sich Beißwenger bewusst.

Für Martin Schöffel, CSU-Agrarsprecher im Landtag, ist Bayern ist bereits bei der Stallbauförderung Vorreiter für zukunftsfähige Tierwohlställe. Mit den Beschlüssen des Bundestags und der Länder-Agrarminister zur Umsetzung der Vorschläge der Borchert-Kommission habe sich nun ganz Deutschland auf den Weg zu einer besonders tiergerechten Haltung gemacht.

Der SPD stehen noch zu viele Kühe in Anbindehaltung

Müller Ruth-Fehlner Martina

Laut SPD- SPD-Agrarsprecherin Ruth Müller hat Tierwohl-Anhörung klar gezeigt, dass auch Expertinnen und Experten mehr Einsatz für den Tierschutz in der Landwirtschaft befürworten. Ein verpflichtendes Tierwohllabel etwa sei überfällig, meinte sie.

Martina Fehlner, die für die SPD im Landwirtschaftsausschuss sitzt, findet, dass in Bayern immer noch „zu viele Milchkühe in ganzjähriger Anbindehaltung“ sind. „Wir wollen, dass nicht nur Laufställe, sondern auch Weidehaltung und Austrieb viel stärker gefördert und unterstützt werden“, so die Abgeordnete.

Sie betont, dass die notwendigen Tierwohlmaßnahmen gerade die kleinen und mittleren Betriebe nicht überfordern und so zu einem Strukturbruch in der mittelständischen Landwirtschaft führen. Daher müsse auch über einen staatlich organisierten Tierwohlfonds nachgedacht werden, der eine gerechte Verteilung der Mittel garantiere. Fragt sich nur, ob und unter welchen Bedingungen kleine Betriebe mit Anbindehaltung auch Geld aus einem Tierwohlfonds bekommen können.