Agrarpolitik

Mehr Hilfen beim Stallumbau

Alexandra Königer
Alexandra Königer
am Donnerstag, 14.10.2021 - 10:19

Bayerisches Agrarministerium dämpft Erwartung nach Klöckner-Ankündigung. Kaniber startet Beratungsoffensive.

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Der Agrarausschuss im Bayerischen Landtag will die Fördersätze erhöhen, damit mehr Anbindehalter auf Laufstallhaltung umsteigen. Zwei Förderprogramme gibt es für den Umstieg: das Agrarinvestitionsprogramm (AFP) und das Sonderprogramm Landwirtschaft (BaySL). Beim AFP bekommen Landwirte, die erstmalig auf Laufstallhaltung umstellen, 40 % Förderung.

Das BaySL, das sich eher an kleinere Betriebe richtet, bietet nur 30 %. Auf Antrag von CSU und Freien Wählern soll das Ministerium nun prüfen, ob der Fördersatz im BaySL nicht auch auf 40 % angehoben werden kann.

Alle Fraktionen waren bei dem Beschluss im Boot, auch wenn es manchen Oppositionspolitikern nicht schnell genug geht. Wie ein Ministeriumsvertreter erklärte, könnte es im Lauf des kommenden Jahres zur Umsetzung kommen.

80 % Förderung für Tierwohlinvestitionen?

Wenn man allerdings der Ankündigung von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) glauben will, sind das alles Peanuts. Im Wahlkampfsommer erklärte sie, dass mit der neuen GAP-Förderperiode ab 2023 die Förderung von Investitionen zum Tierwohl auf sagenhafte 80 % erhöht wird. „Bislang waren nur vierzig Prozent möglich, das haben wir verdoppelt“, erklärte sie im August.

Allerdings dämpft das bayerische Agrarministerium die Erwartungen und identifiziert einige Unwägbarkeiten.

So müssten zunächst die fertigen EU-Dokumente abgewartet werden, bevor verlässliche Aussagen getätigt werden könnten. Aktuell gehen die Fachleute davon aus, dass der erhöhte Fördersatz nur für ganz spezifisch definierte „Tierwohlbestandteile“ eines Stallbauvorhabens gewährt werden kann.

Das ernüchternde Fazit: Über ein gesamtes Bauvorhaben hinweg würde sich im Mittel trotzdem ein Fördersatz zwischen lediglich 40 und 50 % ergeben.

Milchviehhaltung am Scheideweg

Ob die Beratungsoffensive in Bayern nun fruchtet, wird sich zeigen. Aus Sicht des Genossenschaftsverbandes steht die Milchviehhaltung an einem Scheideweg: Von den 10 000 ganzjährigen Anbindehaltern in Bayern könnten nach Schätzung des Verbandes nur 1500 auf Kombihaltung umsteigen.

„Mehr werden es nicht sein“, erklärte kürzlich der Milchexperte Ludwig Huber. Er befürchtet „einen Bruch, wie wir ihn noch nie erlebt haben.“

Beratungsoffensive für Anbindehalter

Sechs Monate nach ihrer Ankündigung des Ausstiegs aus der ganzjährigen Anbindehaltung startet Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) eine Beratungsoffensive. Ziel ist, auf die Betriebe mit ganzjähriger Anbindehaltung zuzugehen und individuelle Wege für zukunftsfähige Lösungen zu erarbeiten, wie das Ministerium erklärte. Gemeinsam mit der Betriebsleiterfamilie werde die jeweilige betriebliche Situation analysiert und dann entschieden, ob die Rinderhaltung weiterentwickelt werden kann oder ob es Alternativen für den Betrieb gibt.

Dabei könne auch die Kombihaltung, zum Beispiel mit Weidegang, einen Beitrag zu mehr Tierwohl leisten, vor allem wenn sich aufgrund betrieblicher Rahmenbedingungen schnelle Lösungen hin zu einem Laufstall nicht realisieren lassen. Auch seien für kleinere Betriebe bereits gute bauliche Lösungen für Laufställe vorhanden und über Merkblätter beziehungsweise die Homepage der Landesanstalt für Landwirtschaft einsehbar.

Die zuständigen Ämter und die Verbundpartner unterstützen die Betriebe anschließend bei der Umsetzung der geplanten Maßnahmen. Ergänzend zum Beratungsangebot für den einzelnen Betrieb sind auf die Region zugeschnittene Informationsveranstaltungen im jeweiligen Zuständigkeitsbereich der Ämter geplant. Zudem unterstützt der Freistaat die Betriebe mit einer Investitionsförderung.

„Ich gebe den Betrieben mein Wort: Wer weitermachen will, der bekommt von uns die volle Unterstützung und Beratung. Denn hinter jedem Betrieb stehen Menschen, Familien und Existenzen, das muss uns allen bewusst sein“, betonte Kaniber diese Woche. Ein Laufstall sei für die Betriebe eine langfristige Investition und eine große Kraftanstrengung.

 

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