Ernährung

Mehr Bio und Tierwohlfleisch in Bundeskantinen

Josef Koch
Josef Koch
am Donnerstag, 26.08.2021 - 08:33

Bis 2025 soll in Bundeskantinen jedes fünfte Lebensmittel aus dem ökologischen Landbau stammen. Für die Ökoverbände ist das kein großer Wurf.

Kantine-Essensausgabe

Der Bund will in seinen Kantinen mehr Bioware und mehr Fleisch aus besonders tierschutzgerechter Erzeugung. Dazu hat das Bundekabinett gestern (25.8.) die Weiterentwicklung des Maßnahmenprogramms Nachhaltigkeit – „Nachhaltigkeit konkret im Verwaltungshandeln umsetzen“ beschlossen. Das Programm gilt für alle Behörden und Einrichtungen der Bundesverwaltung und gibt konkrete Maßnahmen vor, um in verschiedenen Bereichen mehr Nachhaltigkeit umzusetzen.

Für den Bereich Kantinen und Gemeinschaftsverpflegung gelten dabei folgende Vorgaben:

  • Der Anteil von Bio-Lebensmitteln soll bis 2025 auf 20 Prozent erhöht werden.
  • Kaffee, Tee, Kakao, Kakaoprodukte und Bananen sind spätestens Ende 2025 ausschließlich aus nachhaltigem Anbau und fairem Handel zu beziehen. Kaffee ist in den Kantinen des Bundeslandwirtschaftsministeriums bereits zu 100 Prozent aus fairem Handel.
  • Fleisch soll möglichst aus besonders tierschutzgerechter Nutztierhaltung stammen und Fisch aus nachhaltiger und bestandserhaltener Fischerei oder nachhaltig betriebener Aquakultur.
  • Bis Ende 2022 werden zudem konkrete Nachhaltigkeitsanforderungen für Kantinen entwickelt.

 

Österreich hat ehrgeizigere Vorgaben

Der Bund sieht sich damit als auch Vorbild für die Wirtschaft. „Als Bund setzen wir auf mehr Bio, mehr Tierwohl und fairen Handel. Gleichzeitig wollen wir zeigen, wie mehr Nachhaltigkeit und Bio-Lebensmittel bezahlbar für alle angeboten werden kann,“ so Bundesagrarministerin Julia Klöckner.

Ehrgeizigere Ziele hat im Juni Österreich beschlossen. Dort sollen beispielsweise bereits ab 2023 mindestens 25 Prozent der Lebensmittel in öffentlichen Kantinen aus biologischer Erzeugung stammen, ab 2030 sogar über die Hälfte. Ab 2025 soll komplett das Fleisch vom Rind, Kalb und/oder Schwein aus Tierhaltung mit GVO-freier Fütterung stammen. Auch Österreichs Kommunen wollen mehr regionale und Öko-Produkte einkaufen.

Ökobranche hält Einkaufsziel für zu gering

Für den Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) ist der Kabinettsbeschluss kein großer Wurf. Das Regierungs-Ziel 20 % Bio in Bundeskantinen gibt es laut BÖLW schon seit vier Jahren. "Mehr Bio kam aber bisher kaum auf die Teller, die Öko-Anteile in den Küchen sind immer noch verschwindend gering. Doch wer auf 20 % Bio auf dem Acker zielt, sollte auch den Absatz der heimischen Öko-Produkte längst wirksam gepuscht haben", kritisiert BÖLW-Geschäftsführer Peter Röhrig.

Mit dem niedrigen Bio-Ziel von 20 % verschenke das BMEL viel Potenzial, besonders was die Qualität der Kantinen-Essen angeht. Denn erfolgreiche Beispiele aus unseren Nachbarländern, in den Bundesländern oder den Bio-Städten zeigen, dass mehr Bio bei kostenneutraler Kalkulation zu völlig anderem Kochen und gesünderen Menüs führe, so Röhrig. Beim 20 %-Ziel reiche es hingegen, Komponenten wie Kartoffeln oder Nudeln auszutauschen.

 

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