Klimaschutz

Massive Kritik von Bioland an Klöckner-Vorschlägen

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Ulrich Graf
am Freitag, 20.09.2019 - 17:20

Der Erzeugerverband spricht von Tricks im 10-Punkte-Plan zum Klimaschutz des Landwirtschaftsministeriums.

Mainz - Bioland kritisiert den gestern vorgelegten 10-Punkte-Plan des Bundeslandwirtschaftsministeriums zum Erreichen der Klimaziele im Bereich Landwirtschaft als unzureichend und schöngerechnet. Das Maßnahmenpaket basiere auf unrealistischen Annahmen.

Bioland sieht die zentrale Aufgabe der Zukunft in einem Umbau der Landwirtschaft zur Kreislaufwirtschaft. Dies sei nur mit einer flächengebundenen Tierhaltung möglich. Anstatt diese von der Wissenschaft schon lange geforderten Umbaumaßnahmen in Richtung Kreislaufwirtschaft auf den Weg zu bringen, nutze Julia Klöckner die Klimaschutzdebatte vielmehr, um die industrielle Tierhaltung weiter zu fördern, so der Verband. Klöckner wolle den Bau von Güllelagern und -aufbereitungsanlagen sowie von Biogasanlagen massiv fördern, obwohl eine Strategie zur Senkung der Tierbestände längst überfällig sei. "So werden die Klimaziele für 2030 im Bereich Landwirtschaft nicht zu erreichen sein“, sagt Jan Plagge, Präsident von Bioland.

Bioland stellt Berechnung in Frage

Bis 2030 muss der Sektor Landwirtschaft eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen von 11 bis 14 Mio. Tonnen CO2-Äquivalenten gegenüber 2016 erbringen.

Von Klöckners 10-Punkte-Plan seien der Landwirtschaft nur die ersten fünf Punkte zuzurechnen, so der Verband. Die weiteren Maßnahmen seien der Kategorie Landnutzung, Landnutzungsänderung zuzuordnen. Rechnet man die unteren  dieser fünf Maßnahmen zusammen, ergibt sich nur eine Emissionsminderung von 5,5 Mio. t CO2-Äquivalenten. „Für das Klimaziel der Landwirtschaft weist Klöckners Maßnahmenpaket eine massive Unterdeckung von 5,5 Mio. t CO2-Äquivalenten gegenüber dem Minimalziel der geforderten 11 Mio. t CO2 auf“, kritisiert Gerald Wehde, Geschäftsleiter Agrarpolitik bei Bioland.

Vorwurf: "Klöckner greift mit ihrem 10-Punkte-Plan tief in die Trickkiste"

Das wirft Bioland dem 10-Punkte-Plan vor:

  1. Maßnahme 1 zeige eine sehr große Spannbreite der Emissionsminderung durch Senkung der Stickstoffüberschüsse von 1,9 bis 7,9 Mio. t CO2. Insbesondere die Wirkung der Düngeverordnung und die effiziente Gülleausbringung sollen für Reduktionen sorgen. Damit erhöhe Klöckner ihren oberen Minderungswert gegenüber früheren Veröffentlichungen (3,5 Mio t) um 125 Prozent.
    Fraglich sei, auf welcher Grundlage das Ministerium fortlaufend seine Berechnungsgrundlagen ändere. Nach Einschätzung von Bioland sei mit der derzeitigen Düngeverordnung nur eine Einsparung von maximal zwei Mio. Tonnen CO2 zu erwarten. Als wichtigsten Hebel zur Absenkung der Stickstoffüberschüsse betrachtet Bioland hier die deutliche Reduktion der Tierbestände hin zu einer Flächenbindung, wie es bereits Ökobetriebe praktizieren würden.
  2. Durch die erhöhte Vergärung von Wirtschaftsdünger in Biogasanlagen will das Ministerium zusätzlich 2 bis 2,4 Mio. Tonnen CO2 einsparen. Auch diese Annahmen Klöckners sei überzogen, würden Millionen an weiteren Fördermitteln verschlingen und die industrielle Tierhaltung manifestieren. Gülle über hunderte Kilometer zu den bestehenden Biogasanlagen zu transportieren könne nicht Sinn der Übung sein.
  3. Klöckner spreche in der gestrigen Pressemitteilung von einer Zielerreichung in 2050 und ignoriere damit den Klimaschutzplan der Bundesregierung. Dort sie die Zielerreichung für den Sektor Landwirtschaft für 2030 vorgesehen.