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Überfluss

Marktpsychologie für Satte

Überfluss
Rainer Königer Portrait 2019
Rainer Königer
am Donnerstag, 27.06.2019 - 10:25

Die weltweite Milchmenge wird 2019 nur leicht ansteigen. Die größten Zuwächse werden aus Indien kommen.

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Für den Milchmarkt spielt das keine große Rolle. Denn mit dem Plus an Milch können ein paar Inder mehr ernährt werden, und das ist gut so. Die Haltungsformen sind in Indien und anderen Teilen der Welt völlig egal. Hauptsache Milch!

Ein Inder würde sicherlich den Kopf schütteln, würde er die Diskussionen um die Anbindehaltung in Deutschland mitbekommen. Er würde sich fragen, warum man die Milch aus Anbindehaltung nicht mehr mag. Ist die Milch schlechter? Nein, sicher nicht! Hat die Milch sonst irgendeinen Fehler? Auch das nicht!

Warum die Milch aus Anbindeställen nicht mehr gewünscht ist, liegt am Zeitgeist und am Überfluss in unserer Gesellschaft. Die Regale sind immer voll, und wer etwas verkaufen will, muss einen Mehrwert kreieren. Auch wenn dieser Mehrwert reine Augenwischerei ist. Denken Sie nur an Joghurts und Müslis mit Frühstückszerealien. Klingt fantastisch, besagt aber nur, dass auch Getreide in dem Zeug ist. Ist das nicht toll? Wir können etwas kaufen, das Zutaten hat. Und wenn die Inhaltsstoffe nicht mehr ausreichen, um Werbung damit zu machen, braucht es eine andere Idee.

Der Überfluss beginnt aber schon bei den Rohstoffen. In Bayern, Deutschland und der EU wird mehr Milch produziert als verbraucht wird. Das bringt die Einkäufer in eine luxuriöse Position. Die Käufer können nicht nur den Preis bestimmen, sie können auch festlegen, wie die Milch produziert wird. Würden die Molkereien dringend Milch suchen, würden sie mit Kusshand auch Milch aus Anbindehaltung kaufen.

Nehmen wir einmal an, die Molkereien wissen von diesem Mechanismus, der ihnen in die Karten spielt. Und nehmen wir einmal an, dass in der Kommunikation der Molkereibranche auch ein kleines Eckchen Selbstnutzen schlummert. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.