Bauernproteste

LsV-Schlepperdemos vor Lebensmittelhandel und -verarbeiter

Josef Koch
Josef Koch
am Montag, 26.10.2020 - 05:00

Mit ihren Protesten wollen die Bauern bessere Preise für ihre Produkte erreichen. Die Lage auf vielen Höfen sei desaströs, so Land schafft Verbindung.

Schlepperdemo-Land schafft Verbindung-LsV

Die Organisation "Land schafft Verbindung Deutschland" ruft zu Protesten gegen das Marktgebaren des Lebensmittelhandels (LEH) und von Verarbeitern auf. Damit wollen die Landwirte auf die desaströse Lage auf den Betrieben aufmerksam zu machen. Erster Stopp der Trecker ist der LEH, heißt es in einer Pressemitteilung.

Laut LsV stagniert der Milchpreis seit Jahren im Krisentief, der Schweinemarkt liegt am Boden wegen Corona-Pandemie und Afrikanischer Schweinepest (ASP). Die Erzeugererlöse schrumpften immer
weiter, im Gegenzug stiegen die Erzeugungskosten aber unaufhaltsam durch weitere Auflagen, moniert der LsV-Vorstand Deutschland.

Was die LsV-Bauern fordern

Das sind die LsV-Forderungen:

  1. Wir brauchen zwingend deutlich höhere Erlöse für Schweine, Rinder und Milch: Um unsere Betriebe zu erhalten und wirtschaftlich nachhaltig weiterentwickeln zu können, brauchen wir JETZT von unseren Verarbeitern mehr Geld für unsere Erzeugnisse!
  2. Die Verarbeitungskapazitäten müssen vorrangig inländischen Agrarprodukten vorbehalten werden, solange es in den Schlachtereien – ob ASP- oder coronabedingt – Kapazitätseinschränkungen gibt.
  3. Keine Preissenkungen zum Beispiel für „übergewichtige“/ältere Tiere, zeitlich befristetes Aussetzen von Sanktionen bei vorübergehender Überbelegung von Ställen etc. Die Tierhalter dürfen die Folgen der Kapazitätsbeschränkungen auf Verarbeiterseite nicht alleine ausbaden: Derartige unvorhersehbare Marktrisiken müssen mit größtmöglicher Flexibilität von allen Seiten abgefedert werden!

Es müsse JETZT alles dafür getan werden, dass dies kurzfristig realisierbar ist! Daher sind die Forderungen nicht nur an den LEH gerichtet, sondern an alle Entscheidungsträger der Lebensmittel-Wertschöpfungskette.

Land schafft Verbindung Mittelfranken demonstriert vor der HoWe Wurstwaren KG

Bauerndemo-Howe Wurtswaren

Die heute spontan ab 8 Uhr stattfindende Aktion begründen die Bauern damit, dass sie beobachteten, dass die Firma HoWe Wurstwaren KG von ausländischen Kühllastern beliefert wurde. Die Firma ist besonders bekannt für die „Nürnberger Rostbratwürste“. Leider finde sich auf der Verpackung der Wurstwaren keinerlei Hinweis darauf, woher das verarbeitete Fleisch stamme, so LsV. Auf der Verpackung sei nur der letzte Verarbeitungsstandort ersichtlich.  
 
Dies entspräche zwar den derzeitigen gesetzlichen Anforderungen – die Nürnberger Rostbratwürste stehen unter dem Schutz des g.g.A – biete aber keinerlei Transparenz für den Konsumenten. Denn für eine geschützte geografische Angabe (g.g.A) sei es ausreichend, wenn bereits eine der Herstellungsstufen (Erzeugung, Verarbeitung oder Herstellung) in einem bestimmten Herkunftsgebiet stattfinde. Somit sei die Verarbeitung ausländischen Schweinefleisches ohne weiteres möglich.

Verpflichtende Herkunftskennzeichnung der Rohstoffe gefordert

HoWe Wurstwaren-Nürnberg-Wurstherstellung

Die Landwirte von LsV Mittelfranken fordern daher eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung der verarbeiteten Rohstoffe auf der Verpackung. Der Konsument habe ein Recht darauf zu erfahren, ob Milch, Fleisch und Eier in einem Produkt zu den hohen deutschen landwirtschaftlichen Standards erzeugt wurden oder aber billig importiert wurden. Hier sollten alle Produktionsstufen benannt werden, so dass der Konsument transparent von Geburt, Aufzucht bis Schlachtung und Verarbeitung alle Schritte nachvollziehen kann.

Auch wenn Tiere ihr Leben im Ausland verbracht haben und nur die Schlachtung in der Bundesrepublik stattfinde, sei dieses als deutsches Fleisch deklariert.

In einigen Ländern, aus denen große Mengen Fleisch nach Deutschland gelangen, seien z. B. noch fast 150 Pflanzenschutzmittel zugelassen, welche in Deutschland bereits seit Jahren verboten sind. Antibiotika als Wachstumsförderer seien dort auch noch erlaubt, was in der EU seit 2006 verboten ist.

Auch hinsichtlich Umwelt-und Klimaschutz sind aus Sicht der Landwirte unnötig lange Transporte von Rohstoffen zu vermeiden, wenn die Produzenten von verarbeiteten Lebensmitteln und Convenience Food auf hochwertige deutsche Urprodukte zurückgreifen würden.