Agrarpolitik

LsV Bayern ist enttäuscht von der CSU

Josef Koch
Josef Koch
am Donnerstag, 15.07.2021 - 16:06

Anlässlich der CSU-Klausurtagung im Kloster Seeon zieht LsV Bayern eine Bilanz der Agrarpolitik der Union.

CSU-Begrüßung

Zur CSU-Klausurtagung im Kloster Seeon hat der Verein Landwirtschaft verbindet Bayern (LsV) einen Offenen Brief an die CSU-Landesgruppe und Medien verteilt. Darin zeigt sich der Verein enttäuscht über die Entwicklung seit dem Protest Anfang Januar 2020. Gleichzeitig hat der Verein in der Nähe des Klosters in einem stillen Protest mehrere Plakate aufgestellt.

So hat LsV Bayern keine Hoffnung mehr, dass die Sorgen und Probleme der Basis ernst genommen werden! „Uns ist klar geworden, dass unsere heimische, bäuerliche Landwirtschaft ein bewusst initiiertes Auslaufmodell der regierenden Parteien ist! - zum Wohle der Industrie“, so das LsV-Fazit.

„Das Höfesterben ist ungebremst und nimmt sogar noch an Fahrt auf. Allein im klein strukturierten Bayern haben wir von 2010 bis 2018 13.860 Betriebe verloren,“ heißt es in dem Brief.

Statt in der Mitte der Gesellschaft stünden die meisten Familienbetriebe mit dem Rücken an der Wand. Massive Anfeindungen aus teils radikalen Tier- und Umweltschutzorganisationen seien täglicher Begleiter der Bauernfamilien, stellt LsV Bayern fest.

Eine „ideologisch geprägte Verordnung“ nach der anderen jagt die Nächste. Wissenschaftlich basiertes und praxisnahes Arbeiten ist laut LsV Bayern nicht mehr möglich. Kostendeckende Erzeugerpreise sind in nahezu allen Branchen nicht zu erwirtschaften.

LsV macht Unionspolitiker für Misere verantwortlich

CSU-Abwahl-Plakat-Seon

Weiter heißt es in den Schreiben: „Die Marktmacht der Landwirte ist immer noch gleich Null. Sie bleiben auf ihren gestiegenen Kosten sitzen und arbeiten weit unter Mindestlohn um ihre Familienbetriebe aufrecht zu erhalten. Subventionen nach dem Gießkannenprinzip ändern nichts an den massiven Missständen im Ganzen, sondern tragen lediglich dazu bei, die Gesellschaft weiterhin zu spalten. Der Wolf bedroht unsere Tiere auf den Almen und den Weiden und somit die Pflege unserer so wertvollen Kulturlandschaft. Praxisnahe Lösungen sind nicht zu erwarten."

Der Verein fragt vor allem an die Verantwortlichen in der CSU, ob eine produzierende Landwirtschaft, welche Lebensmittel sicher und kontrolliert herstellt und zudem aktiven Umweltschutz und Artenvielfalt betreibt, wirklich gewollt sei?

Für die deutsche Landwirtschaftspolitik der letzten Jahrzehnte sei maßgeblich die CSU/CDU verantwortlich gewesen, von den letzten 38 Amtsjahren betrug der Anteil der CSU 23 Jahre und die der CDU 8 Jahre, auf die Grünen entfielen 4 Jahre und auf die SPD 3 Jahre, so der Verein. Allein in den letzten 16 Jahren, in denen CDU/CSU-Landwirtschaftsministerinnen und -minister in Berlin im Amt waren haben 80.000 Betriebe aufgehört!