Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Ministerien

Lektionen im Verhandeln

Trinkwasser
Simon Michel-Berger Portrait 2019
Simon Michel-Berger
am Donnerstag, 23.05.2019 - 13:01

Es bleibt offen, wie sehr die Düngeregeln nachgeschärft werden.

Nach der unfassbar schlechten Verhandlungsführung von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner und ihrem Staatssekretär Hermann Onko Aeikens bei der Düngeverordnung rückt das große Ausbaden näher. Am Mittwoch trafen sich Bund und Länder zu Gesprächen, nachdem man in Berlin endlich gemerkt hatte, dass es vielleicht nicht schlecht wäre, auch einmal mit den Ländern zu reden, bevor man in Brüssel in vorauseilendem Gehorsam alle möglichen Zugeständnisse verspricht.

Bei der fachlich widersinnigen Idee, die Düngung in Roten Gebieten pauschal um 20 Prozent zu reduzieren, gibt es wohl Spielraum. Verschärft wird aber trotzdem. Dass Klöckner als Sündenböcke die Bauern(verbände) hinstellen wird, die sich Anpassungen immer verweigert hätten, steht schon fest.

Offen bleibt, wie sehr die Düngeregeln nachgeschärft werden. Gut ist die Idee von Wasserkooperationen aus der Unionsfraktion. Die Umweltschützer betonen gern, wie wichtig ihnen Kooperation ist. Bei der Düngung will man im Bundesumweltministerium (BMU) aber nichts davon hören und setzt allein auf pauschale Nährstoffreduzierungen.

Interessanterweise hatte Dänemark genau so etwas bis vor einigen Jahren probiert und dann, mit dem Segen der EU-Kommission, wieder abgeschafft. Man hat nämlich gemerkt, dass es die Nitratwerte im Grundwasser nicht verbessert aber gleichzeitig den Anbau von Qualitätsweizen quasi unmöglich macht.

Im BMU hat man davon noch nichts gehört. Dort knallen wahrscheinlich die Sektkorken zu laut, weil man Klöckner und Aeikens beim Wolf über den Tisch gezogen hat. Klöckner hat fast keine ihrer Forderungen durchgebracht und sich mit vagen Versprechen auf die Zukunft abspeisen lassen – und „begrüßt“ so ein Ergebnis auch noch. Oder hofft sie, als Gegenleistung, auf ein politisches Almosen?