Klimaschutz

Wie Leguminosen das Klima schützen

Josef Koch
Josef Koch
am Donnerstag, 23.09.2021 - 15:11

Wissenschaftler sehen bis zu 1 Mio. t CO2-Sparpotenzial bei Ausdehnung des Anbaus. Ufop fordert zusätzliche Förderung.

Erbse-Vollreife

Laut einer Studie der Uni Hohenheim unter Leitung von Prof. Enno Bahrs könnte die Ausdehnung des Leguminosenanbaus in Deutschland bis zu 1 Mio. t CO2-Äquivalente einsparen. Die Studienergebnisse zeigen, dass bei einer Prämie von 220 Euro je Hektar Körnerleguminosen deren Anbaufläche je nach Szenario auf einen Anteil zwischen 3,1 und 4,2 Prozent an der Ackerfläche ausgeweitet werden könnte.

Diese Prämie würde in den Annahmen für den Anbau von Körnerleguminosen ohne weitere Verpflichtungen gewährt und als zusätzliches Förderprogramm neben den bestehenden Förderprogrammen angeboten. Die Vermeidungskosten für Treibhausgasemissionen würden bei ca. 70 Euro je Tonne CO2-Äquivalente in einem moderaten Bereich liegen, so die Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen e. V. (Ufop). Sie fordert daher, die Erzeugung von Körnererbsen, Ackerbohnen, Sojabohnen und Süßlupinen auf heimischen Äckern in Form einer Agrarumwelt- und Klimamaßnahme (AUKM) im Rahmen der 2. Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) nach 2023 zusätzlich zum Eco-Scheme „Vielfältige Fruchtfolge mit Leguminosen“ zu fördern.

 

Ausdehnung vor allem im Osten

Weiterhin zeigen die Ergebnisse regionale Unterschiede in der Anbauvorzüglichkeit. So führt eine Förderung des Körnerleguminosenanbaus vor allem in den östlichen Bundesländern wie Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Sachsen-Anhalt zu einer starken Anbauausdehnung. Dies geht vor allem zu Lasten des Anbaus von Gerste und Roggen, aber auch von Weizen und Raps. Der Anbau von Hackfrüchten nimmt hingegen nur in sehr geringem Maße ab.

Werden die gesellschaftlichen Umweltkosten von Treibhausgasenemissionen (THGE) in die Bewertung mit einbezogen, so kann eine Förderung von Körnerleguminosen von bis zu 250 Euro je Hektar neben den bestehenden Förderprogrammen aus volkswirtschaftlicher Sicht gerechtfertigt sein. Die Prämien könnten noch deutlich höher ausfallen, würde man weitere positive Umweltwirkungen wie Gewässerschutz und Förderung der Biodiversität durch eine Ausdehnung des Körnerleguminosenanbaus mit in die Analyse einbeziehen.

THG-Verlagerungen möglich, aber minimierbar

Die Studie zeigt insgesamt, dass eine zusätzliche Prämie den Anbauumfang von Körnerleguminosen signifikant erhöhen würde und damit vergleichsweise kostengünstig positive Effekte für den Klimaschutz erzielt werden können. Allerdings kann es dabei zu Verlagerungen der THGE (Leakage-Effekte) kommen, wenn der Anbau von Getreide durch Körnerleguminosen ersetzt und in andere Regionen verlagert wird.

Aus globaler Sicht ist zudem relevant, ob Körnerleguminosen in Deutschland überwiegend Eiweißfuttermittel aus Leguminosen ersetzen würden oder ob Eiweiß aus Getreide substituiert wird. Im ersten Fall wäre die Verminderung der THGE aus globaler Sicht entsprechend deutlich geringer bzw. überwiegend räumlich verlagert. In diesem Kontext spielt auch die Veränderung von Konsumgewohnheiten eine Rolle. Ein verstärkter Einsatz der Körnerleguminosen in der Humanernährung bei gleichzeitiger Verringerung des Fleischkonsums könnte das Auftreten von Leakage-Effekten in diesem Zusammenhang ebenfalls vermindern.

Neben der Förderung im Rahmen der GAP sind weitere Faktoren wie züchterische Fortschritte oder höhere Markterlöse durch verbesserte Logistik- und Wertschöpfungsketten essentiell für die langfristige Etablierung dieser Kulturpflanzen in den Fruchtfolgen der landwirtschaftlichen Betriebe.

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