Statistik

Landwirtschaftszählung steht an

Landwirtschaft
Agra-Europe
am Freitag, 03.01.2020 - 10:02

Auskunftspflichtig sind alle landwirtschaftlichen Betriebe mit mindestens 5 Hektar genutzte Fläche.

Berlin - In diesem Frühjahr wird erstmals seit dem Jahr 2010 wieder eine sogenannte Landwirtschaftszählung in Deutschland durch die Statistikämter durchgeführt. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) dazu jetzt mitteilte, dient diese umfassende Erhebung der Gewinnung verlässlicher und aktueller Strukturdaten zur deutschen Landwirtschaft. Zudem liefere die Erhebung beispielweise Daten über die Entwicklung des ökologischen Landbaus, über den Einsatz emissionsmindernder Ausbringungstechnik bei der Wirtschaftsdüngerausbringung und über die Veränderungen in den Haltungsverfahren in der Nutztierhaltung.

Um Kleinstbetriebe zu entlasten, erfolge die Erfassung der Daten bei Betrieben, die gewisse Erfassungsgrenzen überschritten. Die befragten Betriebe würden auch durch die Nutzung bereits vorhandener Verwaltungsdaten entlastet. Mit Ausnahme von Härtefällen erfolge die Befragung durch einen Online-Fragebogen.

Für GAP von zentraler Bedeutung

Die Erhebungsergebnisse seien auch von zentraler Bedeutung für die Kontrolle und Ausrichtung von Politikmaßnahmen auf EU-Ebene, gerade im Zusammenhang mit der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP).

Im Rahmen der Landwirtschaftszählung sind laut Destatis landwirtschaftliche Betriebe auskunftspflichtig, die mindestens eine der Erfassungsgrenzen des Agrarstatistikgesetzes erreichen oder übersteigen. Beispielsweise würden alle landwirtschaftlichen Betriebe befragt, die über mindestens 5 ha landwirtschaftlich genutzte Fläche (LF) verfügten. Die übrigen Erfassungsgrenzen beziehen sich auf bestimmte Mindesttierbestände beziehungsweise Mindestflächen für Sonderkulturen. Diese seien so gewählt, dass zwar alle Facetten des Agrarsektors abgedeckt seien, entsprechende Kleinerzeuger aber von der Auskunftspflicht befreit würden und nicht zum Berichtkreis der Landwirtschaftszählung zählten.

Forstwirtschaftliche Betriebe würden im Gegensatz zu vergangenen Strukturerhebungen nicht im Rahmen der Landwirtschaftszählung 2020 befragt, teilte Destatis mit. Die Erfassung dieser Erhebungseinheiten erfolge in einer gesonderten Strukturerhebung der Forstbetriebe im ersten Halbjahr 2022.

Geringer Erhebungsaufwand angestrebt

Wie das Statistische Bundesamt zu den Inhalten feststellte, besteht die Landwirtschaftszählung 2020 aus einem Grundprogramm an Fragestellungen, die jeder auskunftspflichtige landwirtschaftliche Betrieb beantworten muss. Dieser Fragenkomplex umfasse die Angaben zur Rechtsform, zur Bodennutzung einschließlich Zwischenfruchtanbau, zu den Tierbeständen, zum ökologischen Landbau, zur Bewässerung, zum Betriebsleiter, zu den Eigentums- und Pachtverhältnissen, zur Hofnachfolge, sowie zu Fördermaßnahmen zur ländlichen Entwicklung.

Von den auskunftspflichtigen landwirtschaftlichen Betrieben werde eine Stichprobe mit rund 80 000 Höfen gezogen. Die Stichprobenbetriebe beantworteten über dieses Grundprogramm hinaus weitere Fragen zu den Arbeitskräften, zu den Einkommenskombinationen, zu den Tierhaltungsverfahren, zur Wirtschaftsdüngerausbringung und -lagerung sowie zur Gewinnermittlung und Umsatzbesteuerung. Diese Stichprobe sei so konzipiert, dass bei vorgegebener Ergebnisqualität ein möglichst geringer Erhebungsaufwand entstehe, betonte Destatis.

Rückgriff unter anderem auf InVeKoS

Zur Entlastung der auskunftspflichtigen Betriebe würden zudem umfänglich Verwaltungsdaten genutzt, führten die Wiesbadener Statistiker aus. Dazu könnten im Fragebogen Antragsnummern beispielsweise aus dem Integrierten Verwaltungs- und Kontrollsystem (InVeKoS) eingetragen werden. Die im Rahmen der Landwirtschaftszählung genutzten Verwaltungsdaten umfassten InVeKoS, das Herkunftssicherungs- und Informationssystem für Tiere (HIT), die Daten aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) sowie in einzelnen Bundesländern Daten aus der Datenbank nach der Verordnung über das Inverkehrbringen und Befördern von Wirtschaftsdünger sowie aus der Datenbank nach dem Landpachtverkehrsgesetz.

Auch die Informationen zu den Unternehmensverflechtungen in der Landwirtschaft würden aus statistischen Datenbanken gewonnen, wodurch auf eine Befragung des Sachverhalts bei den landwirtschaftlichen Betrieben verzichtet werden könne.

Geheimhaltung der einzelbetrieblichen Daten

Die Landwirtschaftszählung 2020 wird laut Destatis mittels Online-Fragebogen durchgeführt. Unstimmigkeiten würden bei Bedarf durch Rückfragen beim auskunftsgebenden Betrieb geklärt. Um die Veröffentlichung von Einzelangaben zu vermeiden und somit das Statistikgeheimnis zu wahren, wird eine eigens entwickelte Software eingesetzt. Das Bundestatistikgesetz besagt auch, dass die gesammelten Daten nur für statistische Zwecke genutzt werden dürften. Eine Weitergabe der Daten an die Finanzverwaltung oder an Stellen, die Fördermittel bewilligen oder kontrollieren, sei ausgeschlossen. 

Die Veröffentlichung erster Ergebnisse ist für Januar 2021 geplant. Auf der Internetseite www.landwirtschaftszaehlung2020.de finden sich zudem aktuell weiterführende Aspekte zur Landwirtschaftszählung 2020, die zur Information im Vorfeld der Erhebung dienen.