Landwirtschaft im Gespräch mit Kanzlerin

Landwirtschaftsgipfel: Ein Anfang ist gemacht

Klöckner
Ulrich Graf Portrait 2019
Ulrich Graf
am Dienstag, 03.12.2019 - 15:04

Ein runder Tisch, ein nationales Dialogforum und eine Wertschätzungs-Kampagne für die Landwirtschaft sollen folgen.

40 Verbänden und Aktionsbündnisse waren geladen. Rund drei Stunden Zeit standen zur Verfügung. Die Konstellation machte bereits deutlich, wozu der Gipfel dienen sollte. Es soll Kontakt aufgenommen werden und man will ins Gespräch kommen, Zeit zum Reden hatten die Einzelnen aber weniger.

Die Kanzlerin wurde flankiert von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner. In ihrem Eingangsstatement ging die Kanzlerin auf die hohen Auflagen für die Bauern und den dramatischen Schwund bei der Artenvielfalt ein. Sie gestand ein, dass die Landwirtschaft nicht der einzige Verursacher sei, aber als ein Teil des Gesamtsystems zu betrachten sei. Zum Auftrag des Gipfels sagte sie: "Wir müssen schauen, wie wir die unterschiedlichen Teile zusammenbringen und gute neue Wege finden, die Ihnen eine Zukunft und Berechenbarkeit gibt."

Als weitere Schritte schlug die Bundeskanzlerin einen runden Tisch zum Aktionsprogramm Insektenschutz, ein nationales Dialogforum und eine Wertschätzungs-Kampagne für Landwirtschaft und Lebensmittel vor. Im Herbst nächsten Jahres soll dann eine erneutes Treffen der Runde vom 2.12. erfolgen.

Beginn einer Reihe von Gesprächen

Die Bewertungen der Teilnehmer fiel durch die Bank sehr diplomatische aus:

  • Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, sieht den Landwirtschaftsgipfel als Beginn einer Reihe von Gesprächen über die Zukunft der Landwirtschaft. „Es ist ein guter Auftakt für einen notwendigen Dialog, den wir jetzt intensivieren und fortsetzen müssen.“ Auf seiner Agenda steht weiterhin das Aktionsprogramm Insektenschutz, das neu diskutiert werden müsse. Dem kooperativen Naturschutz sei klarer Vorrang vor pauschalen Verboten einzuräumen. „Bei der Düngeverordnung wissen wir, dass da nicht mehr viel Handlungsspielraum ist. Wichtig ist jedoch eine stärkere Binnendifferenzierung bei den Messstellen und eine Evaluierung der Maßnahmen“, so Rukwied.
  • Der BDM fordert, dass den Worten nun Taten folgen. Die unterschiedlichen Positionen der verschiedenen Vertreter von Initiativen und Verbänden aus dem Agrarbereich und seinem Umfeld seien der Bundeskanzlerin vorgetragen worden. Nun gelte es für die Bundesregierung, so der BDM-Vorsitzende Stefan Mann, daraus Strategien und ein Handeln abzuleiten, das die Voraussetzungen und Rahmenbedingungen für eine wirtschaftlich nachhaltige, als auch gesellschaftlich akzeptierte und sozialverträgliche Landwirtschaft schaffe, die in der Lage sei, mehr Leistungen für Klima-, Arten- und Umweltschutz sowie Tierwohl zu erbringen.
  • Jan Plagge vom Biolandverband stellte rief dazu auf, sich auf die Gemeinsamkeiten in der Landwirtschaft zu besinnen: „Der Karren der Landwirtschaft steckt fest. Nun ist es an der gesamten Agrarbrache, der Politik und den Verbrauchern, diesen herauszuziehen und gemeinsam anzupacken." Dabei sei wichtig, keine Feindbilder zu pflegen sondern Brücken zu bauen und einen fairen Wettbewerb um die besten Lösungen für den Schutz unserer Lebensgrundlagen schaffen. Als mögliches System dafür hält er die Biolandbau: "Der ökologische Landbau bietet die Prinzipien, Grundlagen und Regeln für einen Pfad jenseits der Nische."
  • Der Präsident des Industrieverbands Agrar e. V. (IVA), Dr. Manfred Hudetz erklärte, dass Deutschland auch für die Zukunft eine leistungsfähige Landwirtschaft brauche. Viele Menschen wünschen sich Regionalität auf dem Teller, auch, weil die heimische Produktion einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leistet. Die Politik ist gefordert, die Weichen so zu stellen, dass die landwirtschaftlichen Betriebe im Wettbewerb bestehen können." Dafür brauche es faire Marktbedingungen, Zugang zu modernen Technologien und eine leistungsfähige Daten-Infrastruktur, um die Chancen der Digitalisierung auf dem Acker zu nutzen.