Klimapaket

Landwirtschaft - die Müllkippe für Sonntagsreden

Sonntagsreden
Simon Michel-Berger Portrait 2019
Simon Michel-Berger
am Donnerstag, 26.09.2019 - 10:54

Das Klimapaket der Bundesregierung bietet aus landwirtschaftlicher Sicht wenige Überraschungen.

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Weniger Düngung, mehr Ökolandbau, weniger tierische Emissionen – das alles wird schon seit geraumer Zeit gefordert. Wo es spannend wird, hört der bunte Katalog aber auf.

Knüppel und Anreize, so lautet, vereinfacht gesagt, der Plan. Einer der „Knüppel“, die Verschärfung der Düngeregeln, ist schon im Raum. Weitere sind nur zu erahnen: Was passiert eigentlich, falls die Landwirtschaft die Minderungsziele für Klimagase nicht erreicht?

Die Anreize, die für mehr Klimaeffizienz gesetzt werden sollen, stehen Großteils in den Sternen. Wussten Sie schon, dass Tierwohl gut für das Klima ist? Das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) wirbt jedenfalls zur Senkung tierischer Emissionen für mehr Tierwohl und sein umstrittenes Label. Falls Sie in letzter Zeit versucht haben sollten, einen Schweinestall mit Auslauf zu bauen, dürften Sie gemerkt haben, dass Tierwohl und Klimaschutz in den Augen vieler Genehmigungsbehörden eher Feinde sind: Wer keine hermetisch abgeriegelt Anlage plant, hat viel Spaß damit, die Behörden davon zu überzeugen, warum die Tiere doch einen Auslauf bekommen sollten – bei all den scheußlichen Emissionen. Wieviel Geld soll es übrigens für die Anreize geben? Der BMEL-Haushaltsentwurf für 2020 sieht bei Energieeffizienz in Landwirtschaft und Gartenbau eine Kürzung um 7 Millionen Euro (22 Prozent) vor.

Viele Bauern sind mürbe und enttäuscht von der Politik. Sie wünschen sich Wege, um aus der „Schmuddelecke“ herauszukommen. Aber zu den Chancen, die etwa der Humusaufbau bietet, stehen im Klimapaket nur Phrasen. Was jetzt helfen würde, wäre ein echtes Signal der Politik, dass die Landwirtschaft als Ganzes noch eine Bedeutung hat – und nicht bloß zu einer Müllkippe für Sonntagsreden verkommen ist.