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Klimawandel

Landwirte haben Riesenschäden durch extreme Wettereignisse

Josef koch
Josef Koch
am Dienstag, 19.07.2022 - 10:33

Weit über 25 Mrd. € Schäden in 2018 und 2019 entfallen auf Landwirtschaft. Gesamtschäden belaufen sich auf über 80 Mrd. €.

Dürreschäden-Mais

Die Trockenheit und die hohen Temperaturen der Jahre 2018 und 2019 haben in der Land- und Forstwirtschaft Schäden von mindestens 25,6 Mrd. € verursacht. Das geht aus einer aktuellen Studie hervor, die das Bundeswirtschaftsministerium in Auftrag gegeben hat und die dem Bundesumweltministerium (BMUV) zur Weiterentwicklung der deutschen Strategie zur Anpassung an den Klimawandel dienen soll.

Ein Großteil davon entfielen auf die Forstwirtschaft. Laut BMUV waren es 17,8 Mrd. € in 2018 und 2019. In der Landwirtschaft gab es vor allem bei Weizen- und Kartoffelernten direkte Verluste von 4,4 Mrd. € sowie indirekte Schäden von 3,4 Mrd. €.

Gesamtschäden über 80 Mrd. €

Die Gesamtschäden durch Extremwetterereignisse in Deutschland haben demnach seit 2018 mindestens 80 Mrd. € erreicht; davon entfallen schätzungsweise 35 Mrd. € auf die Hitzesommer 2018 und 2019. Die Flutkatastrophe des vergangenen Jahres verursachte Kosten von 40 Mrd. €. Die Schäden durch Hagel und Sturm sollen sich ebenfalls in Milliarden bemessen. Hervorgehoben wird zugleich, dass sich viele Auswirkungen monetär gar nicht erfassen lassen, so dass die Schadenssummen eine Untergrenze darstellen.

Weitere 9 Mrd. € Schadenskosten traten in Industrie und Gewerbe auf, da die Produktivität in der arbeitenden Bevölkerung hitzebedingt sank. Bei den lokalen Sturzfluten und Überschwemmungen vor allem im südlichen Nordrhein-Westfalen und nördlichen Rheinland-Pfalz waren insbesondere die privaten Haushalte mit 14 Mrd. €. Schäden betroffen. Aber auch im Bauwesen (6,9 Mrd. €), an Verkehrsinfrastrukturen (6,8 Mrd. €), sowie in Industrie und Gewerbe (5 Mrd. €) entstanden erhebliche Schäden.

Nach der BMU-Studie belaufen sich die Schäden durch Extremwetterereignisse seit 2000 auf knapp 145 Mrd. €. Pro Jahr entspricht dies einem durchschnittlichen Schaden von 6,6 Mrd. €.

Lemke sieht Alarmsignal

Bundesumweltministerin Steffi Lemke sprach von einem „Alarmsignal für mehr Krisenvorsorge“. „Wir müssen und wir werden jetzt mehr in Klimaschutz und Klimaanpassung investieren, um unsere Bevölkerung besser zu schützen“, bekräftigte die Ressortchefin. Sie kündigte an, auf wissenschaftlicher Basis eine systematische Erfassung aller Schäden und Kosten aufzubauen. Entscheider in Bund, Ländern und Kommunen müssten wissen, wer am meisten unter den Folgen der Klimakrise leide und was die Schäden und Vorsorgemaßnahmen wirklich kosteten.

Derzeit erarbeitet das BMUV eine neue vorsorgende Klimaanpassungsstrategie und eine Nationale Wasserstrategie

Auch für Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck gehört eine Kosten- und Schadensanalyse zu den Voraussetzungen für Investitionen in Anpassungsmaßnahmen. Gebraucht werde eine verlässliche Strategie, „die unsere Bevölkerung, unsere Infrastruktur und unsere Wirtschaft vor Hitze, Hochwasser und starken Wetterschwankungen schützt“.

Nach Angaben des Bundesumweltministeriums ist ein Großteil der Schäden auf Extremwetterereignisse zurückzuführen, die durch die Klimakrise verursacht werden. In die Summe seien neben den direkt anfallenden Schäden an Gebäuden und Infrastrukturen oder Ertragsverlusten in Forst- und Landwirtschaft auch Kosten indirekter Schäden wie eine verringerte Arbeitsproduktivität eingeflossen.

Mit Material von AgE
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