Gesellschaft

Landtagswahlen - ungleiche Verhältnisse zwischen Stadt und Land

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Simon Michel-Berger
am Donnerstag, 18.10.2018 - 10:41

Die Landtagswahl in Bayern hat für einige Überraschungen gesorgt. Aber einige Dinge haben sich auch nicht verändert.

Zum Beispiel, dass die Bauern mit großer Mehrheit wieder CSU gewählt haben. Würden im Freistaat nur Landwirte wählen, hätte die CSU eine Zwei-Drittel-Mehrheit. Das sagte jedenfalls die Forschungsgruppe Wahlen, die neben anderen Berufsgruppen auch das Wahlverhalten von Landwirten untersucht hat.

Doch es gibt auch einiges, das sich im Freistaat verändert hat. Das ist zum einen der Wunsch nach mehr Ökologie, der den Grünen eine Rekordzahl an Wählern beschwert hat. Das ist zum anderen aber auch ein zunehmendes Auseinanderdriften von Stadt und Land, auch beim Wahlverhalten. Der Anteil der Grünen-Wähler hat am stärksten in den Städten zugelegt (im Wahlkreis München-Mitte bekam Ludwig Hartmann 44 Prozent der Erststimmen), während dort die Freien Wähler eher eine Randerscheinung blieben. Auf dem Land schnitten die Freien Wähler deutlich besser ab, dafür taten sich die Grünen dort schwerer.

Wir leben längst nicht in einer so gespaltenen Gesellschaft wie etwa in den USA. Aber es gibt bei uns dennoch Entwicklungen in diese Richtung. Die anhaltende Attraktivität der Ballungsräume und die deutlich geringere Anziehungskraft ländlicher Räume sind nur zwei Faktoren, die diesen Trend unterstützen.

Unabhängig davon, wer künftig regieren und wer welche Ministerien haben wird, finde ich es daher wichtig, auch dem jeweiligen politischen Gegner zuzuhören. Genauso wenig wie die Stadt ohne das Land und das Land ohne die Stadt können, darf sich politische Diskussion den jeweils ungeliebten Argumenten entziehen. Nur wenn wir miteinander reden, kann Bayern sich positiv weiterentwickeln. Das gilt mit sechs Parteien im Landtag noch mehr als zuvor.