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Bestandsniveau

Landtag nimmt Saatkrähen ins Visier

Eine Saatkrähe (Corvus frugilegus) steht auf herbstlichem Falllaub.
Philipp Seitz
Philipp Seitz
am Donnerstag, 06.10.2022 - 18:14

Ein Forschungsprojekt kommt zu dem Ergebnis, dass die Saatkrähen in Bayern nicht mehr vom Aussterben bedroht sind. Die Regierungskoalitionen fordern eine Reaktion.

München Saatkrähen bereiten nicht nur den Landwirten in Bayern Probleme. Die Klagen über die Tiere häufen sich. Im Ostallgäu erklärten zuletzt viele Bauern, dass sie von der Krähenplage enorm betroffen wären. Mancherorts seien kaum noch Maispflanzen auf den „befallenen“ Feldern gewesen, hieß es. Nun wollen die Regierungskoalitionen im Bayerischen Landtag den Saatkrähen an den Kragen. Sie haben einen Antrag in den Agrarausschuss des Landtags eingebracht, der dem Wochenblatt vorliegt.

Doch das Anliegen ist komplex und könnte noch gewisse Zeit in Anspruch nehmen. In dem Antrag fordern CSU und Freie Wähler, dass mittels einer Bundesratsinitiative der Schutzstatus der Saatkrähe herabgestuft werden soll. Auf europäischer Ebene soll darauf hingewirkt werden, dass die Saatkrähe auch für Deutschland in die Liste der jagdbaren Arten aufgenommen wird, heißt es weiter. Zudem soll die Staatsregierung prüfen, welche Entnahmemöglichkeiten für Saatkrähen bestehen.

Eine schnelle Lösung für das Krähen-Problem wünscht sich der Abgeordnete Fabian Mehring, der parlamentarische Geschäftsführer der Freien Wähler im Bayerischen Landtag: „Der aktuelle Schutzstatus ist ein Relikt aus einer Zeit, in der die Art vom Aussterben bedroht war.“ Nach den Worten von Mehring verdoppelt sich die Populationen derzeit alle vier Jahre, sodass in vielen Regionen Bayerns längst eine gravierende Überpopulation bestehen würde. Mehring kritisiert, dass die Krähen mancherorts „zu einer echten Plage für viele Menschen“ und zu einer „existenziellen Bedrohung“ für die Landwirte geworden seien. Entsprechend müsse eine Bestandsregulierung ermöglicht werden.

Das Ziel: Ernteausfälle verhindern

Der Abgeordnete hatte sich auch für ein Forschungsprojekt rund um die Krähen eingesetzt. Das Projekt erforschte, wie sich die Krähenpopulation entwickelt und suchte Möglichkeiten, um Kolonien umzusiedeln und Ernteausfälle zu verhindern. Wie Mehring erklärt, wurde kürzlich der zweite Zwischenbericht zu diesem Forschungsprojekt veröffentlicht. Daraus gehe hervor, dass die Saatkrähe in Bayern keinesfalls länger vom Aussterben bedroht sei, sondern ein Bestandsniveau erreicht hat, das es noch nie gegeben hat.

Nun soll der Agrarausschuss des Landtag die Europäische Union zu Lockerungen auffordern. Bis es wirklich soweit kommt, wird sicherlich noch einige Zeit vergehen. Mehring hofft auf eine schnelle Reaktion: „Für die ohnehin unter erheblichen Druck stehende Landwirtschaft in unserer Heimat wäre das ein großer Wurf“, betont Mehring.