Landfrauen

Landfrauen fordern jetzt Taten

Josef Koch
Josef Koch
am Donnerstag, 11.02.2021 - 12:38

Der Landesvorstand der Landfrauen zeigt Wege auf, wie die Gesellschaft gestärkt aus der Coronakrise hervorgehen kann.

Göller-Anneliese-BBV-Landesbäurin

Die Corona-Pandemie hat Alltag auf den Höfen verändert. Sie hat der regionalen Lebensmittelproduktion, der Wertschätzung der Berufe im Care- und Hauswirtschaftsbereich, der Digitalisierung sowie der Alltagsorganisation und der praktischen Haushaltsführung – sprich der Alltagskompetenzen – neue Bedeutung verliehen.

"Damit unsere Gesellschaft aus dieser Krise gestärkt hervorgeht, sind dem Landesvorstand der Landfrauen im Bayerischen Bauernverband vier Punkte besonders wichtig“, sagt Landesbäuerin Anneliese Göller.

Die Corona-Pandemie macht deutlich, wie wichtig die Versorgung der Bevölkerung mit regionalen Lebensmitteln in Krisenzeiten ist. „Die Menschen haben es wieder zu schätzen gelernt, auf regionale Produkte zurückgreifen zu können“, sagt Göller. Die Landfrauen im BBV fordern, dass sich diese Wertschätzung auch in politischen Entscheidungen widerspiegelt.

Regionalen Absatz stärken

Das Ziel 50 Prozent regionale Produkte bzw. regionale Bio-Produkte in der Außer-Haus-Verpflegung müsse konsequent verfolgt werden, auch wenn dann für Kantinenessen mehr ausgegeben werden muss. „Denn der Absatz jedes regionalen Produkts sichert das Auskommen der Bauernfamilien und damit die Landwirtschaft in der Region und trägt zudem zum Klimaschutz bei“, betont die Landesbäuerin.

Nötig sei auch die dauerhafte Abkehr von der Niedrigpreisstrategie des Lebensmitteleinzelhandels, die Wertschöpfung und Nachhaltigkeit zerstört und ausschließlich zulasten der Marktpartner – insbesondere der Erzeuger – gehe. Die Umsetzung der EU-Richtlinie gegen unlautere Handelspraktiken (UTP) müsse dafür sorgen, dass Bäuerinnen und Bauern in Geschäftsbeziehungen gerecht behandelt würden.

Hauswirtschaft und Pflege zusammendenken

Der Landesvorstand der Landfrauen sieht darüber hinaus dringenden politischen Handlungsbedarf, die Arbeit im Gesundheits-, Pflege- und Sozialwesen langfristig aufzuwerten. In diesem Zusammenhang muss nach Auffassung der BBV-Landfrauen auch die Hauswirtschaft noch viel stärker ins Blickfeld gerückt werden. Pflege und Hauswirtschaft gehen in Krankenhäusern und Altenheimen Hand in Hand. Die hauswirtschaftlichen Berufe sind für die Versorgungs- und Betreuungsleistungen wie Verpflegung, Wäscheservice oder Reinigen zuständig und ergänzen damit die Leistungen von Ärzten und Pflegern – auch im Bereich der Hygiene. Auch dieses Berufsfeld müsse dringend mit einer angemessenen Bezahlung die Wertschätzung erhalten, die es verdient, so die Landesbäurin.

"Eine funktionierende und zukunftsfähige Gesellschaft kann nur sichergestellt werden, wenn die Beschäftigten im Gesundheits-, Pflege- und Sozialwesen auch die finanzielle Entlohnung und gesellschaftliche Wertschätzung bekommen, die sie verdienen“, sagt Göller. Daneben müssen sich die Rahmenbedingungen für die Angestellten in diesen Berufen langfristig verbessern. Dazu gehören Aufstiegs- und Karrierechancen und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Nur so können sorgende und betreuende Berufe für junge Menschen attraktiv gemacht werden.

Alltagskompetenzen in Schulen stärken

Wichtig ist den Landfrauen, auch die Alltagskompetenzen der Familien zu stärken. Gesundes und abwechslungsreiches Essen für die Familie, Einkauf und Nachhaltigkeit, Fragen der praktischen Haushaltsführung, der Arbeitsplatzgestaltung und der Digitalisierung spielen plötzlich eine deutlich wichtigere Rolle als vor der Corona-Pandemie. Der Landesvorstand fordert, dass die vertiefte Vermittlung von Alltagskompetenzen in der Schule so schnell es die Pandemie zulässt in Angriff genommen wird. Die neuen Projektwochen „Schule fürs Leben“ leisten dazu einen wichtigen Beitrag.

Gleichzeitig fordert der Landesvorstand den zügigen Glasfaserausbau auch in abgelegenen ländlichen Regionen. Auch auf dem Land sind die technischen Voraussetzungen für flächendeckendes und hochleistungsfähiges Internet in Gigabitgeschwindigkeiten bis auf jeden Hof notwendig. "Jeder muss Zugang zu digitalen Angeboten haben," so Göller.