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Hofnachfolge

Landfrauen erwarten sich mehr Gleichberechtigung

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Josef koch
Josef Koch
am Mittwoch, 16.11.2022 - 08:39

Beim Vier-Länder-Treffen sehen Verbände, Chancen bei Hofnachfolge. Sie fordern von Bauernverbänden mehr Offenheit.

Bad Salzuflen Das große Potenzial von gut ausgebildeten Frauen für die Zukunft der Landwirtschaft und der ländlichen Räume ist besser zu nutzen. So haben viele Betriebe keinen Nachfolger und der Fachkräftemangel nimmt zu. Das fordern die deutschsprachigen Bäuerinnen- und LandFrauenverbände aus Deutschland, Österreich, Schweiz und Südtirol beim ihrem jährlichen Vier-Länder-Treffen in Bad Salzuflen.

Ein gutes Einkommen, eine ausreichende soziale Absicherung, die partnerschaftliche Aufteilung der Care-Arbeit und maßgeschneiderte Unterstützungsangebote sind wichtige Anliegen der vier Verbände. Einzelne Länderstudien zeigen übereinstimmend, dass der Arbeits- und Lebensort Bauernhof von den dort lebenden Frauen sehr geschätzt wird. Die unternehmerischen Entfaltungs- und Diversifizierungsmöglichkeiten sind vielfältig, viele Frauen verantworten eigene Betriebszweige. Deren wirtschaftliche und soziale Bedeutung für die Landwirtschaft ist dagegen oftmals nicht ausreichend sichtbar.

Landfrauen wünschen sich bessere Vernetzung

Die Präsidentinnen und Geschäftsführerinnen forderten gemeinsam, regelmäßig Daten zur Lebens- und Arbeitssituation der Frauen in der Landwirtschaft in einer europaweiten Studie zu erheben. Mit einer solchen Grundlage könne die gemeinsame Agrarpolitik der EU zielgerichteter an den Bedarfen der Frauen ausgerichtet und ihre Beiträge sichtbarer gemacht werden, so die Landfrauen. Überdies wäre eine regelmäßige Konferenz für den Austausch und die Vernetzung unter den europäischen Bäuerinnen und LandFrauen wichtig.

Die Care-Arbeit ist nach wie vor eine Frauendomäne. Die anwesenden Teilnehmerinnen diskutierten Wege zu einer partnerschaftlicheren Aufteilung der Arbeit im Betrieb, in Haushalt und Familie. Jede Familie muss dafür ihre individuelle Lösung finden. Aber es soll sich auch keine Frau zwischen Kuh und Kind entscheiden müssen. Nur so lasse sich der vorsichtige Trend zu mehr Betriebsleiterinnen verstetigen.

Willkommenskultur in Bauernverbänden nötig

Um mehr Frauen zu einer Hofübernahme zu ermutigen, müssen europaweit noch mehr Vorbilder für junge Frauen vor den Vorhang geholt werden. Eine diversere Bildauswahl und Sprache gehören ebenso zum Empowerment zukünftiger Betriebsleiterinnen dazu wie zielgruppengerechte Weiterbildungsangebote. Ebenso braucht es eine größere Anzahl und ausreichende Finanzierung von Modellprojekten, welche innerfamiliäre Hofnachfolgen wie auch landwirtschaftliche Existenzgründungen von Frauen unterstützen.

Neben der Politik sind auch die Bauernorganisationen in den einzelnen Ländern am Zug. Neben einer qualifizierten Willkommenskultur braucht es eine glaubhafte Veränderungsbereitschaft hin zu einer „Kultur der Gleichberechtigung“. Nur dann werden Frauen sich mehr engagieren, um die Rahmenbedingungen in der Landwirtschaft zukünftig geschlechtergerechter zu gestalten.

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