Statistik

Landfraß: Nimmt in Bayern weiter zu

Josef Koch
Josef Koch
am Freitag, 16.10.2020 - 19:37

Der Flächenverbrauch hat in Bayern im vergangenen Jahr nochmals zugelegt. Das sind die Ursachen.

Baugebiet-Bauland-Landfraß

Der Flächenverbrauch in Bayern betrug nach aktuellen Daten des Bayerischen Landesamts für Statistik im Jahr 2019 durchschnittlich 10,8 Hektar pro Tag. Das entspricht in etwa der Fläche von 15 Fußballplätzen in einer Größe von 70m x 100m. Ein Jahr zuvor lag er mit 10 ha/Tag etwas niedriger.

Mit 46,3 Prozent wurde Ende 2019 etwa die Hälfte der Gesamtfläche Bayerns landwirtschaftlich genutzt, ein gutes Drittel bestand aus Wald (35,3 Prozent). Mit 855.190 Hektar wurden 12,1 Prozent der Fläche Bayerns für Siedlungs- und Verkehrszwecke genutzt. Das bedeutet binnen Jahresfrist eine Zunahme um 3.948 Hektar oder 0,5 Prozent.

36,3 Prozent der Siedlungs- und Verkehrsfläche entfielen auf Wohnbau- sowie Industrie- und Gewerbeflächen, 38,9 Prozent auf Verkehrsflächen und 6,5 Prozent auf Sport-, Freizeit- und Erholungsflächen. Da die Siedlungs- und Verkehrsfläche in beachtlichem Umfang auch Grün- und Freiflächen umfasst, ist der Flächenverbrauch nicht mit Versiegelung (Überbauung, Betonierung, Asphaltierung usw.) gleich zu setzen.
 

Wohn- und Gewerbeflächen sind Hauptursache für Flächenfraß

Mit 310.371 Hektar nahmen die Wohnbau- sowie die Industrie- und Gewerbeflächen Ende 2019 insgesamt 36,3 Prozent der Siedlungs- und Verkehrsfläche ein. Binnen Jahresfrist war dies eine Zunahme um 2.584 Hektar bzw. 0,8 Prozent. Damit waren 65,5 Prozent des Flächenverbrauchs auf diese Veränderung zurückzuführen. Die hierbei mitberücksichtigte Freifläche umfasst alle den Wohn-, Gewerbe- und Industriegebäuden zugehörenden unbebauten Flächen, wie Hofräume, Spielplätze, Grünflächen oder Stellplätze.

Weitere 38,9 Prozent (332.371 Hektar) entfielen auf die Verkehrsfläche, also auf Straßen, Wege, Plätze, Schienen- und Luftverkehrsflächen sowie Flächen, die an Land den Schiffsverkehr betreffen. Im Vorjahresvergleich nahm die Verkehrsfläche nur geringfügig um 0,1 Prozent bzw. 398 Hektar zu. Ihr Ausbau trug 10,1 Prozent zum Flächenverbrauch im Jahr 2019 bei.

In Oberbayern verschwindet die meiste Fläche

6,5 Prozent der Siedlungs- und Verkehrsfläche Bayerns (55 828 Hektar) waren als Sport-, Freizeit und Erholungsflächen - insbesondere Grünanlagen - ausgewiesen. Gegenüber Ende 2018 erhöhte sich diese Fläche um 46 Hektar bzw. 0,1 Prozent.

In den einzelnen Regierungsbezirken lag der Anteil der Siedlungs- und Verkehrsfläche an der Gesamtfläche zwischen 13,8 Prozent in Mittelfranken und 10,9 Prozent in der Oberpfalz. Der höchste Flächenverbrauch binnen Jahresfrist erfolgte in Oberbayern mit 1.231 Hektar, der geringste in Mittelfranken mit 99 Hektar.

Grüne wollen verbindliche Leitplanken

Der Sprecher für Landesentwicklung bei den Landtags-Grünen, Christian Zwanziger, fordert verbindliche landespolitische Leitplanken gegen die "ungebremste Betonflut". Dieses Ziel lasse nach Auffassung des Landtagsabgeordneten nur mit den Flächenspargesetz der Grünen erreichen, das den Flächenverbrauch in Bayern schrittweise auf fünf Hektar am Tag halbiert. Es wird kommende Woche im Wirtschaftsausschuss beraten. "Wir geben damit unseren Städten und Gemeinden ausreichend Spielraum für eine gesunde Entwicklung und schützen gleichzeitig verantwortungsvolle Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker vor einem ruinösen Unterbietungswettbewerb," so Zwanziger.