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Landfraß: Erhaltungsgebot für Böden per Gesetz gefordert

Baugebiet_München
Josef koch
Josef Koch
am Dienstag, 06.12.2022 - 09:53

Bauernpräsident Joachim Rukwied verlangt den Flächenverbrauch schleunigst zu stoppen. Ackerboden zum Boden des Jahres 2023 gekürt.

Berlin Der Ackerboden ist Boden des Jahres 2023. Das gleichnamige Kuratorium gab diese Wahl gestern (5.12.) in Berlin anlässlich des Weltbodentages bekannt. Damit rückt die landwirtschaftliche Nutzung der Böden in Deutschland in den Fokus.

Diese Gelegenheit nutzt auch der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied: „Ackerboden ist Teil unserer Lebensgrundlage und wird in seiner Bedeutung bisher sträflich unterschätzt.“ Er moniert, dass in Deutschland jeden Tag wertvolle und fruchtbare Böden zu Gunsten von Straßen-, Wohn- und gewerbegebieten verliert. „Diesen massiven Flächenfraß müssen wir stoppen“, fordert Rukwied. Jeder zubetonierte Acker steigere auch die Importabhängigkeit Deutschlands.

Regierungen verfehlen Ziele meilenweit

Laut Statistischem Bundesamt (destatis) liegt die Siedlungs- und Verkehrsfläche (SuV) in Deutschland im vierjährigen Mittel der Jahre 2017 bis 2020 durchschnittlich immer noch bei rund 54 Hektar pro Tag.

Der Flächenverbrauch in Bayern lag in 2021 bei 10,3 ha pro Tag. Er ging zwar gegenüber 2020 leicht zurück. Dennoch verfehlt die bayerische Staatsregierung meilenweit ihr Ziel von 5 ha pro Tag.

Auch Österreichs Regierung gelingt es kaum, den Flächenverlust nachhaltig zu stoppen. 8 von 10 Österreichern sehen den Bodenverbrauch laut Umfrage als eines der größten Umweltprobleme, fast gleichrangig mit dem Klimawandel.

Das Jahr des Bodens müsse daher für substantielle Fortschritte bei der Reduzierung des Flächenverbrauchs genutzt werden. Der DBV-Präsident fordert daher ein gesetzlich verankertes Erhaltungsgebot für landwirtschaftliche Nutzflächen, sowohl für Ackerland als auch für Grünland. Dies sei längst überfällig und auch in Analogie zum Erhaltungsgebot für den Wald geboten.

„Wir bauen auf diesen Flächen unsere Lebensmittel an. Aber wir zerstören diese Lebensgrundlage“ warnt der Bauernpräsident. So setzten die Bauern auf bodenschonende Bearbeitung, Schutz vor Wasser- und Winderosion, Reduktion von Düngemittel- und Pflanzenschutzeinsatz. Humusaufbau sei mehr und mehr in den Fokus der Arbeit der Bauern geraten.

Ampel will Begrenzung aus 30 ha pro Tag

Der „Tag des Bodens“ unterstreiche das Ziel der SPD-Bundestagsfraktion, eine nachhaltige Bodennutzung unter Einbezug aller Beteiligten zu fördern, sagte die zuständige Berichterstatterin der Sozialdemokraten, Sylvia Lehmann. Im Koalitionsvertrag seien die Reduzierung des Flächenverbrauchs auf das 30-Hektar-Ziel bis spätestens 2030, die Aktualisierung des Bodenschutzgesetzes und die Einrichtung eines Bodenmonitoringzentrums vereinbart worden, fügte Lehmann hinzu. Laut dem stellvertretenden Vorsitzenden der CDU/CSU-Fraktion, Steffen Bilger, müsse man Ackerböden schützen und nützen. „Diesem Grundsatz muss auch die EU-Bodenstrategie zwingend folgen“, fordert er.

FAO sieht große Risiken

Zum Weltbodentag veröffentlichte die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) ihren ersten globalen Bericht über schwarze Böden. Sie seien aufgrund der Klimakrise, des Verlusts der biologischen Vielfalt und der Landnutzungsänderung einem größeren Risiko denn je ausgesetzt, heißt es aus Rom.

„Wir müssen zusammenarbeiten, um sichere, nahrhafte und mikronährstoffreiche Lebensmittel auf nachhaltige Weise zu produzieren, die Bodendegradation vermeidet, Treibhausgasemissionen reduziert und die Verschmutzung der Lebensmittelsysteme verringert“, sagte FAO-Generaldirektor Qu Dongyu.

Mit Material von AgE
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