Schweinehaltung

Kräftiger Strukturwandel bei Schweinehaltern droht

Josef Koch
Josef Koch
am Dienstag, 28.09.2021 - 13:00

Die Hälfte der Schweinehalter will in den nächsten zehn Jahren aufhören. Ergebnisse einer ISN-Umfrage. Bayern und Baden-Württemberg besonders betroffen.

Mastschweine-Trog

Die Schweinehaltung in Deutschland befindet sich in einer gravierenden Strukturkrise. Die Hälfte der deutschen Schweinehalter will in den nächsten 10 Jahren aussteigen. Treibende Gründe für die Betriebsaufgabe sind die Summe der Auflagen, fehlende Planungssicherheit sowie mangelnde Perspektive.

Das sind die Ergebnisse einer aktuellen personalisierten Befragung der ISN von über 1.000 deutschen Sauenhaltern und Schweinemästern. Die ISN fordert die Agrarminister aus Bund und Ländern auf, nun endlich gemeinsam für Planungssicherheit und Perspektive für die Schweinehalter zu sorgen, um dem Strukturbruch entgegenzuwirken.

Die Umfrageergebnisse zeigen eines zudem sehr deutlich: Kleinere Betriebe wird es in Zukunft kaum noch geben. Denn je kleiner der Betrieb, desto eher denkt dieser laut Umfrage ans Aufgeben. Besonders im Süden Deutschlands ist die Lage der Schweinehaltung dramatisch – dort wollen fast drei Viertel der Sauenhalter und mehr als die Hälfte der Schweinemäster in den nächsten zehn Jahren ihre Schweinehaltung aufgeben.

Vorwurf an Politik

ISN-Umfrage Sauenhalter

Lange und viel wurde auf politischer Ebene im Bund und den Ländern über die Ausrichtung der Nutztierhaltung, den Umbau der Haltungssysteme sowie über die Umsetzbarkeit und mögliche Finanzierungsmodelle gestritten. So haben sich nahezu alle Parteien, die im Bundestag vertreten sind, bereits im vergangenen Jahr deutlich zu den Umbauplänen der sogenannten Borchert-Kommission bekannt. Auch im Bundesrat forderte man zuletzt noch vom „Tierwohl-Turbo“.

Passiert ist seither nichts. Im Gegenteil: Trotz breitem Bekenntnis hat man sich politisch über alle Parteien hinweg, wo es nur ging, gegenseitig ausgebremst – auf dem Rücken der Schweinehalter.
Dadurch fehlen den schweinehaltenden Betrieben Perspektive und Planungssicherheit. Obendrein haben sie mit der aktuellen Preiskrise zu kämpfen. Das Risiko einer Fehlinvestition ist extrem hoch, weil zugleich verschiedene Verschärfungen der Haltungsvorgaben für Schweine anstehen. Diese erfordern umfangreiche Anpassungen der Ställe und somit hohe betriebliche Investitionen. So werden viele Bauernfamilien zur Aufgabe ihrer Betriebe getrieben.

 

40 Prozent der Schweinemäster wollen aufhören

ISN-Umfrage-Schweinemast2021

Genau das spiegelt sich in der aktuellen ISN-Umfrage - bei der ca. 1.000 Schweinehalter offen mit Namen und Adresse geantwortet haben - wider. Immer mehr der in Deutschland insgesamt noch am Markt verbliebenen knapp 20.000 Schweinehalter steigen aus, weil sie sich von der Politik im Stich gelassen fühlen und keine Perspektive für ihren Betrieb sehen. Die Verlagerung der Tierhaltung ins Ausland ist im vollen Gange.

Die aktuelle Umfrageergebisse unter Schweinehaltern, die zusammen etwa 10 Prozent der deutschen Schweine halten, ist daher laut ISN höchst alarmierend. Es zeichnet sich nun konkret ein Strukturbuch von bisher unbekanntem Ausmaß ab. Rund 60 Prozent der Sauenhalter und 40 Prozent der Schweinemäster will in den nächsten zehn Jahren aufgeben, lediglich 6 bzw. 8 Prozent wollen ihre Sauenhaltung bzw. Schweinemast noch ausbauen.

Zusammengenommen werden nach ISN-Schätzungen der Sauen- als auch Schweinebestand in den nächsten Jahren um weitere 25 bis 30 Prozent abgebaut werden.