Konjunkturbarometer

Konjunkturbarometer: Miese Herbststimmung

Josef Koch
Josef Koch
am Freitag, 15.10.2021 - 15:47

Nach einem kurzfristigen Sommerhoch hat sich die Stimmungslage der Landwirte im Herbst wieder verschlechtert. Dennoch höhere Investitionsbereitschaft.

Schweinemast-Ferkel-Tränke

Nach relativ stabilen Frühjahrs- und Sommerwerten hat sich die Stimmungslage unter den deutschen Landwirten im Herbst 2021 wieder deutlich verschlechtert. Das zeigen die Ergebnisse des DBV-Konjunkturbarometer Agrar für September

Der Indexwert des Konjunkturbarometer Agrar fällt mit 10,6 im September gegenüber 14,7 aus der vorangegangenen Befragung von Juni deutlich schwächer aus. Der Indexwert bildet die Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung und die Erwartungen an die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung ab.

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, sieht die Ursache vor allem in unklaren politischen und gesetzgeberischen Rahmenbedingungen, aber auch in Teilbereichen marktbedingt.  „Insbesondere unsere Schweinehalter befinden sich in einer existenzbedrohenden Lage. Die toxische Mischung aus Afrikanischer Schweinepest und Corona haben zu einer schweren Preiskrise am Schweinemarkt geführt,“ beklagt Rukwied. Dazu komme die gesellschaftliche Forderung nach einem Umbau der Tierhaltung. Dieser werde den Bauern durch mangelhaftes Bau- und Umweltrecht verwehrt, jegliche Planungssicherheit fehle, so der DBV-Präsident.

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Höhere Investitionsbereitschaft

Im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum bleiben die Investitionsplanungen nahezu unverändert. Lediglich beim Landkauf zeichnet sich ein größeres Interesse ab. Der Anteil der Landwirte, der investieren will, liegt bei lediglich 30 Prozent. Das für das nächste halbe Jahr geplante Investitionsvolumen der Landwirte liegt mit 5,3 Mrd. Euro um 0,3 Mrd. Euro höher als vor einem Jahr. Deutlichen Mehrinvestitionen in Technik steht ein verminderter Kapitaleinsatz bei erneuerbaren Energien und in Wirtschaftsgebäude gegenüber.

Eine deutliche Mehrheit der Landwirte ist der Auffassung, dass momentan weniger in die Landwirtschaft hinein investiert wird als noch vor 2 bis 3 Jahren. Unter den TOP 2-Gründen für die geringere Investitionsbereitschaft werden vor allem „wenig Planungssicherheit“ (56 Prozent) und „hohe gesetzliche Auflagen“ (47 Prozent) angeführt. Erst an dritter und vierter Stelle folgen „schwierige Marktlage“ (40 Prozent) und „hohe Investitionskosten“ (29 Prozent). „Wenig Planungssicherheit“ wird besonders häufig von den Tier haltenden Landwirten sowie von den Landwirten mit größeren Betrieben im Norden und Osten Deutschlands genannt. „Hohe gesetzliche Auflagen“ beklagen am meisten die Veredlungsbetriebe.

Wirtschaftliche Lage hat sich verschlechtert

Die betriebliche Liquidität hat sich im Durchschnitt der Betriebe gegenüber dem Sommer geringfügig verbessert. Im September 2021 gaben 15 Prozent der Betriebe an, dass ihre Liquiditätslage angespannt oder sehr angespannt ist. Besonders hoch ist der Anteil der Betriebe mit angespannter Liquiditätslage unter den Veredlungsbetrieben (30 Prozent).

Auf der Notenskala von 1 bis 5 wird die aktuelle wirtschaftliche Situation im Durchschnitt der Betriebe mit 3,19 etwas günstiger beurteilt als die zukünftigen Aussichten mit einem Wert von 3,26. Beide Werte waren aber gegenüber Juni rückläufig.

Die aktuelle wirtschaftliche Lage hat sich gegenüber Juni in den Veredlungsbetrieben drastisch verschlechtert. Ackerbaubetriebe schätzen ihre wirtschaftliche Lage auf Grund enttäuschter Ernteerwartungen ebenfalls schlechter ein als im Sommer. Die Bewertung der Futterbaubetriebe bleibt unverändert.

Stellenwert in Gesellschaft sinkt

Nur noch 20 Prozent der Landwirte teilen die Einschätzung, dass mit der Corona-Situation die Landwirtschaft wieder einen höheren Stellenwert in der Gesellschaft bekommt. In der September-Erhebung 2020 waren es noch 25 Prozent. 35 Prozent der Landwirte sind dagegen der Meinung, dass durch das Virus die Sorgen und Nöte der landwirtschaftlichen Betriebe aus dem Blick geraten. Vor einem Jahr dachte das aber noch fast jeder Zweite (44%).