Waldstrategie 2050

Klöckner stellt Waldstrategie 2050 vor

Forst
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Dienstag, 07.09.2021 - 16:36

Im Kern steht der Waldumbau, um die Wälder an den Klimawandel anzupassen. Weitere Aspekte sind die Biodiversität und der Erholungswert.

Heute (7.9.2021) hat Bundeswaldministerin Julia Klöckner die Nationale Waldstrategie 2050 des Ministeriums gemeinsam mit Prof. Dr. Andreas Bolte, Leiter des Instituts für Waldökosysteme am Thünen-Institut, vorgestellt. Es geht vor allem darum, wie

  • die Wälder an den Klimawandel anpasst werden,
  • die Biodiversität besser geschützt wird,
  • eine nachhaltige Waldbewirtschaftung garantiert wird, die auch dafür sorgt, dass Holz und Holzprodukte dauerhaft CO2 speichern,
  • der Wald als wertvoller Erholungsort für die Bürgerinnen und Bürger erhalten bleibt und bei ihnen Bewusstsein für den Wert des Waldes geschaffen wird.

Prof. Dr. Andreas Bolte bemerkte zur Waldstragie, daass die Wiederbewaldung und Waldanpassung Schlüsselaktivitäten im Kampf für einen Klimaschutz mit Wald sind. Dafür brauche es die richtige Forschung und Entwicklung. Und sei ist wichtig, dass eine Strategie alle Akteure gleichermaßen mitnehmen. Die Waldstrategie zeige den Weg dahin.

Handlungsfelder der Nationalen Waldstrategie 2050

Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel

  • Die Beratung, Planung und Durchführung von Maßnahmen zur Anpassung der Wälder an den Klimawandel wird mit entsprechenden Programmen staatlich gefördert.
  • Wenn CO2-Emissionen bepreist werden, dann muss umgekehrt auch die Klimaschutzleistung der Wälder honoriert werden: Ein System des Bundesministeriums liegt vor. Es muss in der nächsten Legislaturperiode umgesetzt werden.
  • Da der Klimawandel dynamisch ist, müssen auch Programme angepasst werden: Deshalb wird ein zentrales Klimawandel-Monitoring für den Wald etabliert.

Biodiversität

  • Mit der Strategie soll die als naturnah eingestufte Waldfläche weiter ausgebaut werden (aktuell: 76 Prozent).
  • Dafür wird ein Konzept für Waldnaturschutz entwickelt.
  • Staatliche Förderung wird dafür Anreize setzen, zum Beispiel mit einem Programm analog zur jetzigen Bundeswaldprämie.
  • Es wird ein Monitoring aufgesetzt, das Fortschritte und Nachsteuerungsbedarf bei der Biodiversität ermittelt.

Nachhaltige Waldbewirtschaftung

  • Ziel ist, die Holzbauquoten beim Neubau von Wohnungen auf 30 Prozent anzuheben.
  • Gerade die öffentliche Hand muss hier eine Vorbildfunktion einnehmen.
  • Dabei sollen regionale Wertschöpfung und Lieferketten gestärkt werden.

Erholungsort und Bewusstsein

  • Bewusstsein für und Wissen über den Wald werden geschaffen über:
    • Bundeswaldtage und andere Veranstaltungsformate,
    • die „Bundesplattform Wald – Sport, Erholung und Gesundheit“,
    • und über das Kompetenz- und Informationszentrum Wald und Holz.

Die Waldstrategie 2050 ist abrufbar unter: http://bmel.de/goto?id=90336

Vom BUND gab es Kritik

"Klöckner schützt Interessen der Forstlobby statt den Wald", so heißt es von Seiten des BUND. Olaf Bandt, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisiert, dass von einer ökologischen Waldwende in der neuen Strategie jede Spur fehle. Und das, obwohl die Klimakrise dem Wald mit Dürren, Hitze und Stürmen immer stärker zusetze.

Den Bewirtschaftern wirft Bandt eine zu intensive Forstwirtschaft und eine falsche Baumartenwahl vor. Hinzu kämen Schadstoffeinträge. Deshalb sterbe der Wald teils großflächig ab, so folgert Bandt.

AGDW begrüßt das Bekenntnis zur Honorierung der Klimaschutzleistung

Hans-Georg von der Marwitz, Präsident der AGDW – Die Waldeigentümer, begrüßt diese Strategie, in der die zentralen Herausforderungen für den Wald benannt werden.

Jedoch bleiben die rund zwei Millionen Waldeigentümer, die fast die Hälfte des Waldes – 48 Prozent – bewirtschaften und pflegen, unterbelichtet. „Angesichts der enormen Herausforderungen muss die Unterstützung der Waldbesitzer beim klimastabilen Waldumbau im Fokus stehen“, sagte der Präsident. „Wir brauchen langfristige Strategien und Maßnahmen, um gerade auch die vielen Kleinprivatwaldbesitzer weiterhin zu motivieren“.  Diese Strategien müssen gemeinsam mit den Eigentümern entwickelt werden. „Schließlich tragen die Eigentümer die Verantwortung und wollen den kommenden Generationen einen klimastabilen Wald übergeben“, so der Präsident.

Ein Meilenstein ist die Honorierung der Klimaschutzleistung des Waldes, zu dem sich das Bundeslandwirtschaftsministerium bekennt. „Angesichts der anhaltenden Krise in unseren Wäldern muss die Honorierung jetzt zügig und unbürokratisch umgesetzt werden, damit die Waldeigentümer dafür sorgen können, dass die Klimaschutzfunktion der Wälder erhalten bleibt“, sagte von der Marwitz.

Diese Honorierung muss aus dem Energie- und Klimafonds (EKF) erfolgen, in den die CO2-Emittenten einzahlen. „Die Waldeigentümer brauchen dringend eine Perspektive über eine langfristige Unterstützung, damit sie in den klimastabilen Waldumbau investieren“, so der Präsident.