Klimawandel

Klöckner stellt Katalog zum Klimaschutz vor

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Ulrich Graf
am Freitag, 20.09.2019 - 16:17

Die Bundeslandwirtschaftsministerin hat dem Klimakabinett einen 10-Punkte-Plan vorgelegt.

Der Schwerpunkt der Klimaschutzanstrengungen in der Landwirtschaft bis 2050 liegt auf Maßnahmen zur Minderung von Emissionen und dem effizienteren Einsatz von Ressourcen für eine nachhaltigere Produktion.

Der Plan führt die Maßnahmen und ihr Einsparpotential auf.

    1. Stickstoffüberschüsse mindern

    Durch rechtliche Änderungen in der Düngegesetzgebung sind bereits massive Einschränkungen erfolgt. Dadurch rechnet das Ministerium mit einer weiteren Senkung der Stickstoffüberschüsse – einschließlich der Minderung von Ammoniak- und Lachgasemissionen.

    Das Düngepaket soll zudem mit der Förderung gasdichter emissionsarmer Güllelager und emissionsmindernder Ausbringtechnik unterstützt werden. Hier sieht das Ministerium auch die Länder in der Pflicht.

    Zur gezielten Verminderung von Stickstoffemissionen aus landwirtschaftlichen Böden soll zudem die Forschung intensiviert werden. Das umfasst etwa Langzeituntersuchungen an verschiedenen Standorten zur Wirksamkeit von Nitrifikationshemmstoffen und zur Verhinderung von Lachgasemissionen, die Weiterentwicklung von Düngungstechnologien und pflanzenbaulichen Maßnahmen im Hinblick auf Messung und Reduzierung von Treibhausgas-Emissionen und die Förderung der züchterischen Verbesserung von Kulturpflanzen im Hinblick auf die Stickstoffeffizienz.

    Minderungspotential: 3,5 bis 7,5 Mio. t CO2-Äquivalente

    2. Energetische Nutzung von Wirtschaftsdüngern

    Die zweite wichtige Maßnahme betrifft die energetische Nutzung von Wirtschaftsdüngern tierischer Herkunft und landwirtschaftlicher Reststoffe in Biogasanlagen.

    Der stärkere Einsatz von Wirtschaftsdüngern in Biogasanlagen und die gasdichte Lagerung von Gärresten – vor allem zur Minderung von Methanemissionen – sollen mit neuen Instrumenten gefördert werden.

    Hier erachtet das Ministerium es als besonders wichtig, dass sinnvolle Anschlussmöglichkeiten für die Anlagen zu finden sind, die derzeit im Rahmen des Erneuerbaren Energien Gesetzes (EEG) gefördert werden.

    Minderungspotenzial: 2 bis 2,4 Mio. t CO2-Äquivalente

    3. Ausbau des Ökolandbaus

    Die Ausweitung der ökologisch bewirtschafteten Flächen betrachtet das Ministerium auch als eine Klimamaßnahme. Dies liegt in erster Linie an der Einsparung von Mineraldüngern, bei deren Herstellung Treibhausgase entstehen.

    Dazu sollen Rechtsvorschriften zugunsten besonders umweltfreundlicher Verfahren wie dem ökologischen Landbau oder anderer besonders nachhaltiger Verfahren der Landbewirtschaftung und die rechtliche und finanzielle Förderung weiterentwickelt werden.

    Minderungspotenzial: 0,4 bis 1,2 Mio. t CO2-Äquivalente

    4. Emissionsminderungen in der Tierhaltung

    In der Tierhaltung und Tierernährung soll weiteres Einsparpotenzial realisiert werden.

    Neben Forschung und Züchtung wird es auf die künftige Entwicklung der Tierbestände ankommen. Fördermaßnahmen sollen mehr im Hinblick auf das Tierwohl ausgerichtet werden, unter Berücksichtigung der Umweltwirkungen und der Einsparungen von Emissionen.

    Außerdem soll emissionsmindernde Stalltechnik weiterentwickelt werden. Zu erforschen und in die praktische Anwendung (Wissenstransfer) zu bringen sind Verbreitung, Weiterentwicklung und Etablierung der Präzisionsfütterung in der praktischen Nutztierfütterung, der Methoden zur Vermeidung und Minderung von Futterverlusten und der Minderung von Ernteverlusten bei der Futterwerbung.

    Minderungspotenzial: 0,3 bis 1 Mio. t CO2-Äquivalente jährlich

    5. Erhöhung der Energieeffizienz

    Die in der Landwirtschaft und im Gartenbau eingesetzte Technik kann hinsichtlich ihres Energiebedarfs weiter verbessert werden. Das Bundesprogramm für Energieeffizienz in Landwirtschaft und Gartenbau wird dafür fortgeführt und weiterentwickelt und der Einsatz erneuerbarer Energien gefördert.

    Minderungspotenzial: 0,9 bis 1,5 Mio. t CO2-Äquivalente jährlich

    6. Humusaufbau im Ackerland

    Das Kohlenstoffspeicherpotenzial der Böden soll verstärkt aktiviert werden.

    Auf der Grundlage der Bodenzustandserhebung 2018 und einer zweiten Erhebung nach etwa zehn Jahren wird der Kohlenstoffvorrat in landwirtschaftlich genutzten Böden und seine Veränderungen erfasst.

    Maßnahmen zur Kohlenstoffanreicherung sollen unter anderem in der Ackerbaustrategie berücksichtigt werden, die aktuell erarbeitet wird.

    Der Ausbau des ökologischen Landbaus soll ebenfalls zur Kohlenstoffanreicherung beitragen.

    Wichtig wird zudem sein, Instrumente in die Gemeinsame Agrarpolitik aufzunehmen, die eine Förderung des Humusaufbaus unterstützen. Dies sind zum Beispiel: Fruchtfolgen mit Ackerfrüchten, die nicht humuszehrend sind; Zwischenfrüchte und eine nichtwendende Bodenbearbeitung; Grünlanderhalt.

    Minderungspotenzial: 1 bis 2 Mio. t CO2-Äquivalente jährlich

    7. Erhalt von Dauergrünland

    Auch in Grünland sind hohe Kohlenstoffvorräte gespeichert. Der Erhalt von Dauergrünland ist daher ebenfalls eine wichtige Klimaschutzmaßnahme, die auch schon im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) gefördert wird.

    Regelungen zum Grünlanderhalt sollen fortgeführt und eine Grünlandstrategie zur Sicherung und Stärkung einer dauerhaften Grünlandnutzung entwickelt.werden

    Als wichtig erachtet das Ministerium auch, die Treibhausgasemissionen in den Blick zu nehmen, die aus entwässerten Moorböden resultieren, auf denen Landwirtschaft betrieben wird.

    Gemeinsam mit dem Bundesumweltministerium und mit den Ländern wird an einer Bund-Länder-Zielvereinbarung gearbeitet. Da mit der Vernässung von Moorböden erhebliche Nutzungseinschränkungen und somit Eingriffe in Eigentumsrechte verbunden sind, geht dies nur auf freiwilliger Basis. Entsprechend sind finanzielle Anreize in erheblichem Umfang vorgesehen.

    Diese Maßnahme schließt auch die Reduzierung der Torfverwendung in Kultursubstraten mit ein; auch dazu entwickelt unser Bundesministerium aktuell eine Strategie.

    Minderungspotenzial: 3 bis 8,5 Mio. t CO2-Äquivalente jährlich

    Im Erhalt und der nachhaltigen Bewirtschaftung der Wälder und der Holzverwendung sieht das Ministerium ein enormes Klimaschutzpotenzial.

    Dieses unterliegt allerdings periodischen Schwankungen. Enorm wichtig ist, dass die Wälder und deren nachhaltige Bewirtschaftung langfristig erhalten und gesichert werden. Dazu sind geeignete Maßnahmen der Anpassung an den Klimawandel notwendig. Gerade die Extremwetter des vergangenen Jahres haben gezeigt, dass der Wald Hilfe braucht, um seine Klimaschutzfunktion auch weiter so exzellent erfüllen zu können.

    Gleichzeitig will das Ministerium die nachhaltige und ressourceneffiziente Holzverwendung fördern. Bei der Realisierung der Nutzungspotenziale von Holz, z.B. im Gebäudebereich, setzt es dabei auch auf die Unterstützung aus den anderen Ministerien.

    Minderungspotenzial: Laut Wissenschaftlichen Beirat für Waldpolitik haben Wald, nachhaltige Forstwirtschaft und die damit verbundene Holznutzung im Jahr 2014 rund 127 Millionen Tonnen Kohlendioxid gebunden bzw. durch Substitutionseffekte reduziert.

    10. Stärkung nachhaltiger Ernährungsweisen

    a) Vermeidung von Lebensmittelabfällen

    Das Vermeiden von Lebensmittelabfälle hat mittelbar auch Auswirkungen auf die mit der Produktion von Lebensmitteln verbundenen Treibhausgase. Dazu soll die beschlossene Nationale Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung konsequent umgesetzt werden.

    Ein Indikator über die Lebensmittelabfälle und –verluste in Deutschland wird in die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie aufgenommen. Für eine kontinuierliche Berichterstattung werden die entsprechenden finanziellen und personellen Ressourcen bereitgestellt.

    b) Programm zur Stärkung der Nachhaltigkeit in der Gemeinschaftsverpflegung

    Stärkung der Nachhaltigkeitskriterien (Mindeststandards) für das Speisenangebot von Kantinen der Bundesverwaltung auf Basis der bereits verpflichtend eingeführten DGE-Qualitätsstandards, sowie Entwicklung eines Förderprogramms zur Stärkung eines klimafreundlichen und gesunden Speisenangebotes in der Gemeinschaftsverpflegung.

    Minderungspotenzial: 3 bis 7,9 Mio. t CO2-Aquivalente jährlich