Regionale Lebensmittel

Klöckner startet Kampagne zum Mehrwert der Landwirtschaft

Josef Koch
Josef Koch
am Mittwoch, 31.03.2021 - 11:27

Imagekampagne soll Wertschätzung für Lebensmittel erhöhen und mehr Wertschöpfung für Bauern bringen.

Klöckner-Wertschätzung-Lebensmittel

Die Bundesregierung hat heute (31.3.)  die Informationsoffensive Landwirtschaft vorgestellt. Unter dem Motto „Kraut und Rüben. Gibt‘s nicht für‘n Appel und‘n Ei – Landwirtschaft ist mehr wert. macht das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) auf den Wert der Landwirtschaft aufmerksam. Die Offensive verdeutlicht zudem, wie das BMEL die Landwirte unterstützt, im Stall und auf dem Acker noch mehr für Tierwohl, Artenvielfalt sowie Klima- und Umweltschutz zu leisten.

Bundesagrarministerin Julia Klöckner will mit der Kampagne mehr Wertschätzung und Wertschöpfung für Lebensmittel erreichen. Die Kampagne soll vorwiegend digital laufen, ergänzt durch Anzeigen in den Tageszeitungen.  Diese schaltet das BMEL rund um Ostern. Für die gesamte Informationsoffensive sollen die Kosten laut Ministeriumsangaben unter den veranschlagten 970.000 € bleiben.

Schließlich seien die gesellschaftlichen Erwartungen an die Landwirte hoch. Ebenso die Herausforderungen, vor denen sie stehen: Landwirtschaft soll noch mehr auf Klima- und Umweltschutz, auf Artenvielfalt und den Tierschutz achten – und gleichzeitig muss sie selbst mit den Folgen des Klimawandels zurechtkommen.

"Wir wünschen uns hochwertige Lebensmittel, aus der Region, frisch auf den Tisch, möglichst nachhaltig produziert: Tierfreundlich, umweltschonend, klimagerecht. Aber das gibt es nicht zum Nulltarif", so die Ministerin. Hier müssen Verbraucher, Handel und Politik einen Beitrag leisten. 

Klöckner: Handel muss Wertschöpfung fair verteilen

Die Bundesministerin kritisierte bei der Vorstellung der Kampagne erneut Lockangebote für Fleisch und Fleischprodukte im Handel. Sie findet es unanständig, wenn gerade Fleisch mit Billigpreisen beworben wird. Fleisch ist kein Produkt wie jedes andere im Supermarkt. Tiere haben dafür gelebt, sind dafür geschlachtet worden. "Wenn gerade Fleisch zu Ramschpreisen angeboten wird, verdirbt das jede Chance auf Wertschätzung – und auf Wertschöpfung für unsere Bäuerinnen und Bauern", so Klöckner.

Ihrer Meinung sollte der Handel in der Werbung die regionale Herkunft, den Geschmack, das Tierwohl und die guten Standards in den Vordergrund stellen. Klöckners Ziel ist daher ein Verbot von Preis-Werbung bei Fleisch. Konkrete gesetzliche Maßnahmen hat sie dazu aber noch nicht vorgelegt.

Vom Lebensmittelhandel forderte sie, die Wertschöpfung in der Kette fair zu verteilen. Dazu begrüßte sie den jüngst vorgelegten freiwilligen Verhaltenskodex des Handels. Sie wollen nun prüfen, inwieweit der Kodex zum geplanten Gesetzentwurf gegen unfaire Handelspraktiken passe. 

Rechnungshof-Kritik abgeschmettert

Vor Journalisten machte sie deutlich, sich für eine EU-weite Herkunftskennzeichnung einzusetzen. Zur Forderung des Bundesrechnungshofs, das Ordnungsrecht in der Tierhaltung zu verschärfen, statt ein freiwilliges Tierwohl-Label zu finanzieren, verwies die Ministerin auf die Folgen. "Damit exportieren wir die Tierwohlprobleme nur, das kann nicht unsere Lösung sein."

Zudem sei ein verpflichtendes Tierwohlkennzeichen EU-rechtlich nicht machbar. Brüssel habe für das freiwillige staatliche Tierwohl-Label bereits grünes Licht gegeben. Das freiwillige staatliche Biosiegel zeigt laut Klöckner, dass man erfolgreich sein könne.  

Greenpeace: Klöckners Politik bleibt Kraut und Rüben

Als reinen "PR-Gag" bezeichnet Greenpeace-Agrarexperte Martin Hofstetter Klöckners Imagekampagne. Nach dessen Meinung lassen sich bessere Preise für Landwirtinnen und Landwirte nicht durch bunte Plakatwerbung erzielen, sondern nur durch eine Politik, die Haltungsbedingungen für Tiere bessert, Angebot und Nachfrage ins Gleichgewicht bringt und für Transparenz bei Herkunft und Qualität sorgt. "Klöckners Politik bleibt Kraut und Rüben", so Hofstetter.