EU-Klimaplan

Klimaschutz: Kühe sollen weniger rülpsen

Josef Koch
Josef Koch
am Donnerstag, 15.10.2020 - 15:23

Die EU will auch in der Landwirtschaft den Methanausstoß senken. Verpflichtende Auflagen plant sie aber zumindest bisher nicht.

Kühe-Weide

Die EU-Kommission drängt auf eine Verringerung der Methanemissionen. Damit will sie das Ziel der Klimaneutralität bis 2050 erreichen. Eine in dieser Woche vorgestellte Strategie zielt auf die Sektoren Landwirtschaft, Abfallwirtschaft und Energie ab. Auf diese Sektoren entfallen in der EU  98% des Methanausstoßes, das nach Kohlendioxid zweitstärkste Treibhausgas. Allerdings verursacht die EU nur 5 % der weltweiten Methanemissionen.

Wenn die vorgeschlagene Reduzierung der Treibhausgasemissionen um mindestens 55% bis 2030 erreicht werden sollte, müssten die Methanemissionen um 35 bis 37% verringert werden, erklärte die EU-Kommission. Die Brüsseler Behörde will zunächst die Emissionsüberwachung, -überprüfung und -berichterstattung verbessern und harmonisieren, da dies derzeit je nach Sektor und Mitgliedstaat auf unterschiedliche Weise erfolge.

In Zusammenarbeit mit unter anderem dem UN-Umweltprogramm (UNEP) und der Internationalen Energieagentur (IEA) soll auch eine internationale Beobachtungsstelle für Methanemissionen aufgebaut werden. Im kommenden Jahr sollen dazu Gesetzesvorschläge folgen.

Brüssel setzt auf Beratung und Biogas

Für die Landwirtschaft sieht die Kommission keine bindenden Vorgaben vor. Eine Sachverständigengruppe soll die Lebenszyklus-Methanemissionen analysieren und sich mit unter anderem Tierhaltung, Düngermanagement, Futtermittelbewirtschaftung und Futtermitteleigenschaften befassen.

Auch gezielte Forschungsarbeiten zu Technologien, naturbasierten Lösungen und Ernährungsumstellung werden einen Beitrag leisten, so die EU-Kommission. Nicht rezyklierbare organische menschliche und landwirtschaftliche Abfall- und Reststoffströme können genutzt werden, um Biogas, Biomaterialien und Biochemikalien herzustellen. Dadurch können im ländlichen Raum zusätzliche Einnahmequellen entstehen und gleichzeitig Methanemissionen vermieden werden.

Für das Sammeln dieser Abfallprodukte will Brüssel daher weitere finanzielle Anreize schaffen.

Rund 53 Prozent des EU-Methanausstoßes entfällt nach EU-Angaben auf die Landwirtschaft, 26 % auf die Abfallwirtschaft und 19 Prozent auf den Energiesektor.

Energiesektor kann am schnellsten reagieren

Der Vorsitzende des Agrarausschusses im Europaparlament, Norbert Lins (CDU), begrüßte den Ansatz der EU-Kommission, verstärkt auf Forschung in neue Fütterungstechniken, neue Stalltechnologien und innovative Zusammenarbeit auf Farmebene zu setzen.

"Am schnellsten und kostengünstigsten könnten die Methanemissionen im Energiesektor gesenkt werden", sagte EU-Energiekommissarin Kadri Simson. Der Sektor steht für 19% dieser Abgase in der EU. Simson erwägt unter anderem Rechtsvorschriften zu einem Verbot des routinemäßigen Ablassens und Abfackelns von Gasen ab 2025.

Kritik kam aus dem Europäischen Parlament. "Mit dieser Methanstrategie wird die EU-Kommission ihr selbst gestecktes Klimaziel von 55% weniger Emissionen und Klimaneutralität bis zum Jahr 2050 verfehlen", erklärte die Grünen-Abgeordnete Jutta Paulus aus Deutschland.

Mit Material von aiz