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Carbon Farming

Klimaschutz: Hoffnung auf Humuszertifikate

Josef koch
Josef Koch
am Dienstag, 08.02.2022 - 13:06

Frankreichs Agrarminister Denormandie sieht gute Chancen für Landwirte mit Carbon Farming. Private Firmen sind aber nötig.

Denormandie-Frankreich-EU-Agrarrat

Frankreichs Agrarminister Julien Denormandie ist überzeugt, dass es beim "Carbon Farming" gleich zwei Gewinner gibt - das Klima und die Landwirtschaft. Für Frankreich habe das Thema deshalb Priorität während der EU-Ratspräsidentschaft, betonte der Minister auf einer Konferenz der EU-Kommission zu nachhaltigen Karbonzyklen zu Beginn der Woche in Brüssel. Auf dem derzeit laufenden Informellen EU-Agrarrat (6. bis 8. Februar) in Straßburg steht Carbon Farming auf der Tagesordnung.

Um die neuen Einkommensmöglichkeiten voranzubringen, wird der EU-Agrarministerrat dann im März eine Erklärung zum "Carbon Farming" verabschieden. Allerdings sei dazu noch dringend ein Vorschlag der EU-Kommission nötig, wie sie landwirtschaftlichen Klimazertifikate gestalten wolle.

Die Klimawende sei im EU-Agrarsektor nur zu schaffen, wenn sich die Privatwirtschaft an den Investitionen der Landwirte beteiligt. Einige Großkonzerne betreiben bereits Projekte, in denen sie klimafreundliche Produktionsmethoden in der Landwirtschaft entwickeln und fördern. Langfristig liegt die Hoffnung auf handelbaren Klimazertifikaten.

Für Nestle kommt EU-Vorhaben zu spät

Nestlé habe sich etwa dazu verpflichtet, bis 2030 den Ausstoß von Treibhausgasen zu halbieren und bis 2050 unter dem Strich klimaneutral zu wirtschaften. Das könne das Unternehmen nicht allein bewerkstelligen, sondern brauche für den Einkauf von klimafreundlichen Rohstoffen die Landwirte mit im Boot, berichtete Bart Vandewaetere von Nestlé Europe auf der Konferenz.

Seit drei Jahren entwickle der Lebensmittelhersteller mit Landwirten in Polen und Frankreich eine "regenerative Landwirtschaft". Als ein erstes Ergebnis hielt Vandewaetere fest, dass weniger Pflanzenschutz- und Düngemittel sowie eine pfluglose Bodenbearbeitung die Erträge nicht senken, sondern in einigen Fällen sogar steigern konnten. Nestlé habe bisher 1,1 Mrd. Euro in das Projekt gesteckt. Damit das Unternehmen seine Klimaverpflichtung erfüllen könne, müsse es sich selbst um die Agrarwende kümmern und diese mitfinanzieren, meint Vandewaetere. Jedenfalls reiche es nicht, auf handelsbare Karbonzertifikate aus der Landwirtschaft zu warten, weil diese zu spät kämen.

Rabobank sieht noch Forschungsbedarf

Die Landwirtschaft braucht zusätzliches Geld, um den Klimawandel bewältigen zu können. Davon ist Barbara Baarsma von der niederländischen Rabobank überzeugt. Ihre Bank habe deshalb extra die "Rabo Carbon Bank" eingerichtet. Diese beschäftige sich nicht nur mit der Finanzierung, sondern vor allem mit der Beratung von Landwirten, die klimafreundlich produzieren möchten. Man arbeite mit Landwirten in den Niederlanden und in den USA an Karbonsenken im Boden und mit brasilianischen Erzeugern an Agroforstsystemen.

Die fehlende Messung und Erfassung von Karbonsenken sei bisher ein großes Problem, das bis zur Marktreife von landwirtschaftlichen Klimazertifikaten unbedingt gelöst werden müsse, stellte Baarsma klar. Handelbare Zertifikate können nach ihrer Ansicht einen entscheidenden Beitrag leisten. Aber bis es so weit sei, müsse man über andere Anreize nachdenken. Dazu gehörten zum Beispiel besondere Konditionen für Kredite für die klimafreundliche Erzeugung.
 

Microsoft hält technische Lösungen für effektiver

Ein ambitioniertes Klimaziel hat sich das IT-Unternehmen Microsoft gestellt. Es wolle ab 2030 nicht nur klimaneutral wirtschaften, sondern auch mit der Einlagerung von Treibhausgasen die Erderwärmung aufhalten, berichtete Casper Klynge von Microsoft auf der Konferenz der EU-Kommission.

Landwirtschaftliche Karbonzertifikate steckten allerdings noch in den Kinderschuhen und seien damit zumindest kurzfristig keine Lösung für das Klimaziel seines Unternehmens. Naturbasierte Karbonsenken hatten zwar eine Menge von willkommenen Nebenwirkungen, etwa für die Artenvielfalt. Doch leider wiesen die naturbasierten Karbonsenken nicht die notwenige Dauerhaftigkeit für die Einlagerung ab. Technische Lösungen für die Versenkung von Kohlendioxid, etwa in Speichern in der Erde, seien bisher verlässlicher, führte Klynge von Microsoft aus.

 

Mit Material von aiz
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