Klimapolitik

Klimaschutz: EU-Parlament pocht auf weniger Methanemissionen

Josef Koch
Josef Koch
am Freitag, 22.10.2021 - 07:51

Entschließung fordert von Landwirten verbindliche Reduktionsziele für Methan. Landwirtschaft hat hohen Anteil an Emissionen.

MR_Weide-Fleckvieh

Das Plenum des Europaparlaments hat am Donnerstag (21.10.2021) die Resolution zur Methanstrategie mit 563 Stimmen angenommen. 122 EU-Abgeordnete votieren gegen die Parlamentsposition, elf enthielten sich ihrer Stimme. Die Resolution sieht eine Reduktion des Treibhausgases. Die Abgeordneten fordern eine obligatorische Überwachung, Berichterstattung und Überprüfung für alle Methan emittierenden Sektoren, vor allem in den Bereichen Landwirtschaft, Abfall und Energie.

Ziel ist es, die Methanemissionen in der EU bis 2030 in Übereinstimmung mit dem Pariser Abkommen deutlich zu reduzieren. Sie fordern außerdem ein verbindliches globales Abkommen über Methan auf der COP26 in Glasgow.

Die Landwirtschaft habe den größten Anteil an den anthropogenen Methanemissionen in der EU, vor allem durch die Viehzucht, insbesondere durch Wiederkäuer, heißt es in der Entschließung. Sie biete das zweithöchste Potenzial zur Reduzierung der Methanemissionen insgesamt.

Die EU-Abgeordneten fordern neue Maßnahmen in den Mitgliedstaaten, um diese Emissionen zu minimieren und gleichzeitig sicherzustellen, dass die Lebensmittelproduktion nicht einfach in Länder außerhalb der EU verlagert wird, indem darauf bestanden wird, dass Importe aus Nicht-EU-Ländern die gleichen hohen Standards erfüllen wie in der EU hergestellte Produkte.

Abgeordnete warnen vor Beschränkungen für Tierhhalter

"Die Reduktion von Methan ist langfristig notwendig. Einseitige Maßnahmen zulasten der Landwirtschaft sind aber nicht der richtige Weg", sagte Alexander Bernhuber, Umweltsprecher der ÖVP im EU-Parlament. Er betonte, dass biogene Methanemissionen im Vergleich zu 1990 bereits um 22% reduziert wurden. Zudem werde die Landwirtschaft strenger in die Pflicht genommen als andere Sektoren.

"Für mich ist eine unterschiedliche Bewertung von biogenen und fossilen Methanquellen wesentlich. Genauso muss das EU-Parlament die positive Wirkung der Weidehaltung für Biodiversität und Treibhausgasreduktion anerkennen. Vorgaben zu Bestandsreduktion und weitere Einschränkungen der Viehwirtschaft sind hier fehl am Platz", sagte Bernhuber, der entsprechende Änderungen im Plenum vorgeschlagen hat.

Der EU-Abgeordnete informierte weiter, dass Methan bereits als Teil der Reduktionsziele in der Lastenteilungsverordnung berücksichtigt wird, weitere verpflichtende Maßnahmen seien daher nicht nötig.

Er warnt er vor den Auswirkungen auf Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion. "Pauschale Verbote dürfen die Lebensmittelversorgung nicht gefährden. Bevor Reduktionsziele durch Verbote erreicht werden, fordere ich wissenschaftliche Folgenabschätzungen von der EU-Kommission ein", so Bernhuber.

Copa_Cogeca: Freiwillige Maßnahmen fördern

Der Dachverband der europäischen Bauern- und Genossenschaftsorganisationen (Copa-Cogeca) erwartet, für Landwirte einen Ermessensspielraum bei der Auswahl der Maßnahmen, um Methanemissionen zu verringern Anstatt potenziell unerreichbare Ziele aufzuerlegen, die die Landwirte von weiteren Maßnahmen abschrecken könnten, sollte Brüssel freiwillige Bemühungen fördern.

Für entscheidend hält der Dachverband in der Parlamentsentschließung, dass für EU-Importe von Nahrungsmitteln die gleichen Regeln gelten sollen wie für einheimische Ware.

Methan hat 10% Anteil an Treibhausgasen

Die Kommission hat am 14. Oktober 2020 die EU-Strategie zur Verringerung der Methanemissionen veröffentlicht. Methan ist nach Kohlendioxid der zweitgrößte Verursacher des Klimawandels und macht 10 % der gesamten Treibhausgasemissionen der EU aus. Nach Angaben der Europäischen Umweltagentur sind die Sektoren Landwirtschaft, Abfall und Energie für 53 %, 26 % bzw. 19 % der Methanemissionen in der EU verantwortlich.

Erst vor kurzem hatte sich unter Federführung der Europäischen Union und der Vereinigten Staaten eine Reihe von Ländern dazu verpflichtet, die Methanemissionen bis 2030 um mindestens 30 % gegenüber dem Stand von 2020 zu senken. Auch Deutschland hat sich zu dieser Übereinkunft bekannt.

Mit Material von aiz/AgE
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