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Klimaschutz: Deutsche Bauern sparen 24 Prozent Treibhausgase ein

Josef koch
Josef Koch
am Montag, 08.11.2021 - 14:35

Bundesregierung legt Klimaschutzbericht vor. Greenpeace verlangt Halbierung der Tierbestände.

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Der bislang deutlichste Rückgang der Treibhausgas-(THG)-Emissionen in der deutschen Landwirtschaft erfolgte direkt nach 1990. Darauf verweist der Klimaschutzbericht 2021 der Bundesregierung. Der bisher stärkste Rückgang sei im Wesentlichen auf die Abnahme der Tierbestände in den neuen Bundesländern unmittelbar nach der Wiedervereinigung zurückzuführen. Zusätzliche Emissionsminderungen seien von Flächenstilllegungen und Verbesserungen beim Düngemittelmanagement ausgegangen.

In den vergangenen 25 Jahren hätten sich die jährlichen Emissionen der Landwirtschaft jedoch nur geringfügig verändert. Im Jahr 2020 hatte der Landwirtschaftssektor dem Bericht zufolge mit 66 Mio. t CO2-Äquivalente einen Anteil von 9 % an den deutschen Gesamtemissionen. Im Vergleich zu 2019 seien die landwirtschaftlichen Emissionen um rund 2 % gesunken, bezogen auf das Basisjahr 1990 um 24 %.

Öko-Institut hält Halbierung der Tierbestände für nötig

Festgestellt wird in dem Bericht außerdem, dass im Gegensatz zu anderen Sektoren CO2 nur einen geringen Anteil an den THG-Emissionen der Landwirtschaft habe; 2020 seien es 13 % gewesen. Der Großteil der Emissionen trete hier mit 46 % und 42 % in Form von Methan und Lachgas auf.

Derweil verwies Greenpeace auf die Ergebnisse einer neuen Studie des Öko-Instituts, die die Umweltorganisation in Auftrag gegeben hatte. Demnach kann Deutschland bis 2045 nur dann klimaneutral werden, wenn die Zahl der Tiere in den Ställen und auf den Weiden „etwa halb so groß ist wie heute“. Allein mit innovativer Technik und verbessertem Management seien die Klimaziele in der Landwirtschaft nicht zu erreichen.

Großer Anteil aus Tierhaltung

Laut den Angaben von Greenpeace lägen die landwirtschaftlichen Emissionen im Jahr 2045 ohne Abbau des Tierbestandes bei 46 Mio. t CO2-Äquivalente, davon 37 Mio. t allein aus der Tierhaltung, während die Landwirtschaft dann maximal insgesamt nur noch 35 Mio. t CO2-Äquivalente ausstoßen dürfe.

„Die kommende Bundesregierung ist in der Pflicht, umgehend die Bedingungen dafür zu schaffen, dass die Zahl der Tiere in der Landwirtschaft deutlich sinkt. Nur dann kann sie das Klimaschutzgesetz einhalten“, so der Landwirtschaftsreferent von Greenpeace, Martin Hofstetter. Offen lässt Greenpeace aber, wie künftig Grünlandflächen noch genutzt werden sollen, wenn die Rinderbestände deutlich sinken sollten.

Greenpeace verlangt Anreize für weniger Fleischkonsum

In den Koalitionsverhandlungen sollten laut Greenpeace deshalb Anreize für die Verbraucher vereinbart werden, weniger Fleisch und Milchprodukte zu konsumieren. Zugleich brauchten die Bauern finanzielle Unterstützung, um den fundamentalen Umbau der Landwirtschaft zu stemmen, erklärte Hofstetter. Die Bundesregierung könnte laut Greenpeace zum Beispiel mit Prämien Landwirten Anreize zum Ausstieg aus der Tierhaltung bieten oder artgerechte Haltungsformen mit weniger Tieren gezielt fördern.

Zur Finanzierung könne eine Tierwohlabgabe dienen, die auf Fleisch und Milchprodukte erhoben werde. Zudem müsse Schluss sein mit der Subvention klimaschädlicher tierischer Lebensmittel über den ermäßigten Mehrwertsteuersatz. Dagegen sollte der Umweltorganisation zufolge die Mehrwertsteuer auf Obst und Gemüse wegfallen.

BMU: CO2-Preis könnte weiter steigen

Das Bundesumweltministerium wies anlässlich der Vorlage des Klimaschutzberichts darauf hin, dass die Summe der beschlossenen Maßnahmen Deutschland bis 2030 bei einem EU-Emissionshandels-Zertifikatspreis von 30 Euro im Jahr 2030 auf eine Minderung der THG-Emissionen von 49 % gegenüber 1990 bringe. Bei einem EU-Emissionshandels-Zertifikatepreis von 60 Euro in 2030 seien es 51 %.

Der CO2-Preis im EU-Emissionshandel liegt dem Umweltressort zufolge derzeit bereits bei rund 60 Euro, und weitere Verknappungen der Zertifikate seien geplant. Klar sei aber, dass für das in diesem Jahr beschlossene erhöhte Klimaziel von mindestens 65 % statt 55 % THG-Emissionsminderung noch „weitere bedeutende“ Maßnahmen auf europäischer und nationaler Ebene nötig seien.

Mit Material von AgE