Klimaschutz

Klimaschutz: Beschluss bietet Chancen für Wald und Acker

Josef Koch
Josef Koch
am Freitag, 30.04.2021 - 14:10

Der Beschluss des Bundesverfassungsgerichts könnte für Waldbauern neue Chancen bieten, und auch für Landwirte. Die Politik muss Anreize schaffen.

Abendsonne

Nach dem Beschluss des Bundesverfassungsgerichts zum Klimaschutzgesetz sieht Hans-Georg von der Marwitz, Präsident der AGDW – Die Waldeigentümer für die Leistungen des Waldes mit seiner CO2-Speicherfunktion eine entscheidende Rolle bei der Neuausrichtung des Gesetzes. "Deutschland ist mit 11,4 Mio. Hektar Wald zu einem guten Drittel bewaldet. Ein Hektar Wald kann bis zu 8 Tonnen CO2 speichern, damit liegt die jährliche Gesamtaufnahme des Waldes bei 127 Mio. Tonnen CO2, " nennt er die Fakten.

Das Gericht hatte das Klimaschutzgesetz für teilweise verfassungswidrig erklärt und dies mit der unumkehrbaren Verschiebung von Emissionsminderungen in die Zukunft durch das Gesetz begründet. Entsprechend müssen zukünftige Generationen hohe Bürden in Kauf nehmen, um die Reduktionsziele nach 2030 zu erreichen und den Temperaturanstieg auf 1,5 Grad zu begrenzen. „Hier ist es notwendig, dass Wald aktiv bewirtschaftet wird. Nur so kann die größte natürliche CO2-Senke Wald einen großen Beitrag zum Klimaschutz in Deutschland und weltweit liefern“, erklärt Hans-Georg von der Marwitz.

Für AGDW-Präsident ist klar, die aktive Waldbewirtschaftung liefere die Ökosystemleistung der CO2-Speicherung, die wichtig für kommende Generationen sein werde. Deshalb sei das klare Bekenntnis der Regierungsfraktionen, die Honorierung der Ökosystemleistungen einzuführen, ein gutes Zeichen. "Nun muss der Wald seine Anerkennung auch im Klimaschutzgesetz finden," fordert von Marwitz.

 

DBV: Strengere Klimaziele dürfen sichere Ernährung nicht gefährden

Aus Sicht des Deutschen Bauernverbandes sind die bereits festgelegten sehr ambitionierten Reduktionsziele des Klimaschutzgesetzes für das Jahr 2030 nur mit erheblichen Anstrengungen erreichbar. Strengere Reduktionsziele nach dem Jahr 2030 dürfen die Produktivität und somit die nachhaltige heimische Lebensmittelversorgung nicht gefährden. Eine damit verbundene mögliche Verlagerung der Produktion ins Ausland kann nach Ansicht des DBV zudem zu höheren weltweiten Emissionen der Lebensmittelproduktion führen, sodass ein Grenzausgleichmechanismus zwingend erforderlich ist.

Der Berufsstand sieht als aktive Maßnahme der Landwirte, Kohlenstoff in Bodenhumus zu binden. Allerdings könne dieses erhebliche Potential nur durch Schaffen einer Anreizkomponente, d. h. einer Honorierung, effektiv genutzt werden. Nachdem die EU sich zu den Leistungen der Land- und Forstwirtschaft als Kohlenstoffsenke und zur notwendigen Förderung bekannt hat, ist laut DBV wichtig, auch in Deutschland effektive Maßnahmen zu etablieren, um die landwirtschaftlichen Potentiale zu nutzen.