Klimaschutzgesetz

Klimaschutz: Bauernverband vermisst Stopp des Flächenverlustes

Josef Koch
Josef Koch
am Mittwoch, 21.07.2021 - 15:56

Der Bauernverband sieht Söder Klimazielen positive Ansätze. Verbesserungen sind aber nötig.

Waldarbeit-Baum fällen

Die von Ministerpräsident Markus Söder heute (21.7.) angekündigten Programme für Wirtschaftswälder, zur vermehrten Holznutzung im Baubereich sowie zum Erhalt und Aufbau von Humus, auch bei Äckern und Wiesen sind für BBV-Präsident Walter Heidl zentrale Bestandteile der Klimastrategie.

"Endlich wurde das von der Staatsregierung aufgegriffen. Jetzt gilt es das auch gemeinsam mit der Land- und Forstwirtschaft umzusetzen. Verhindert werden muss, dass der Klimaschutz und der Waldumbau durch die EU-Forststrategie und großflächige Stilllegungen konterkariert werden. Die nachhaltige Nutzung unserer Wälder ist elementar für effektiven Klimaschutz und den klimaorientierten Waldumbau", so Heidl.

Ministerpräsident Markus Söder lobte in seiner Erklärung die bayerische Landwirtschaft. Für ihn ist sie "Vorbild im Klimaschutz und dient als Blaupause für Deutschland". Söder sieht die Trümpfe in der kleinteiligen Agrarstruktur, im hohen Anteil an Dauergrünland und Ökolandbau.

Heidl verlangt Maßnahmen gegen Flächenverbrauch

Solaranlage-Agri-PV

An einigen Stellen geht dem BBV-Präsidenten die Regierungserklärung von Söder nicht weit genug: "Der anhaltende Verlust von Landwirtschaftsflächen muss dringend eingedämmt werden sowie die Potenziale von Biogasanlagen und Kraftstoffen aus Biomasse für den Klimaschutz und die Energiewende genutzt werden", fordert Heidl.

Der Flächenverbrauch in Bayern – mehr als 500.000 ha seit 1970, bzw. in 3 Tagen ein durchschnittlicher bayerischer Familienbetrieb – müsse auch im Sinne des Hochwasser- sowie des Klimaschutzes dringend eingedämmt werden. "Auf all den versiegelten Flächen kann weder Wasser versickern noch CO2 gespeichert werden", kritisiert Heidl.

Auch beim Thema Photovoltaik gelte es landwirtschaftliche Flächen zu schonen und zu allererst das Potenzial von Dachflächen zu nutzen.Laut Heidl sind bayerische Landwirte sind vorbildlich bei Sonnenstrom. Vorsichtige Schätzungen seien auf den bayerischen Höfen Anlagen mit einer Leistung von etwa 2.600 Megawatt Peak vorhanden. Für Freiflächen-Anlagen brauche es klare politische Leitplanken, damit sehr restriktiv und vorrangig regional getragene, gut über den ländlichen Raum verteilte Projekte entstehen können.
 

Auch an anderen Stellen sieht Heidl Nachbesserungsbedarf: „Moorschutzprogramme müssen gemeinsam mit den Bewirtschaftern und Grundeigentümern entwickelt werden. Keinesfalls darf über die Köpfe der Menschen vor Ort hinweg entschieden werden.“ Söders Ankündigung, dass Moore einfach wiedervernässt werden sollen, stößt laut BBV die Menschen vor Ort vor den Kopf und untergräbt den Eigentumspakt. "Der Schlüssel liegt in der Kooperation", betont Heidl.

Beim "Wassercent" ist die Haltung des Bayerischen Bauernverbandes klar: Der verantwortungsvolle Einsatz von Wasser auch zur Bewässerung ist gerechtfertigt. Eine teure Bewässerung würde gerade jene Landwirte benachteiligen, die ohnehin besonders unter den Folgen des Klimawandels leiden und auf Klimaanpassungsmaßnahmen angewiesen sind“, befürchtet Heidl. Söder hat allerdings Ausnahmen für Land- und Forstwirte in seiner Regierungserklärung angedeutet.

Laut Heidl ist die bayerische Land- und Forstwirtschaft das grüne Fundament der Gesellschaft und kann einen wichtigen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz leisten. Dafür brauche es unternehmerische Perspektiven und weitere Investitionen in die Wissenschaft zum Beispiel in Weihenstephan und Triesdorf.

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