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Versorgungssicherheit

Kanibers Zeitenwende

Josef Koch
Josef Koch
am Donnerstag, 24.03.2022 - 09:14

Bayerns Agrarministerin fordert ein Umdenken in der Flächennutzung. Stilllegungen und Landverbrauch, auch für Solaranlagen, sieht sie kritisch.

Kaniber-Michaela

Bundeskanzler Olaf Scholz sprach vor rund einer Woche angesichts der Folgen des Ukrainekriegs von einer „Zeitenwende“. Der Ausdruck zieht in der Politik weite Kreise, nun hat sogar Bayerns Agrarminister Michaela Kaniber (CSU) die Wortwahl des SPD-Politikers übernommen.

„Der von Putin vom Zaun gebrochene Krieg markiert eine Zeitenwende: in der Verteidigungspolitik, in der Energiepolitik, aber auch in der Ernährungspolitik“, so die Ministerin bei einer Diskussionsveranstaltung beim Wirtschaftsbeirat Bayern am Mittwoch Abend (23.3.). Ein einfaches „Weiter so“ könne es nicht geben. Intelligentere Lösungen als Flächenstilllegungen seien nötig, um Produktion, Natur- und Klimaschutz auf der gleichen Fläche in Einklang zu bringen.

Versorgungssicherheit und Klimaschutz im Kulap vereint

Sie fordert daher ein Umdenken in der Flächennutzung. Flächen stillzulegen und die Ernährungssouveränität zu riskieren, hält sie für falsch. Damit würde Europa wie bei der Energieversorgung abhängig von Importen werden.

Aber auch die sonstigen vielfältigen Ansprüche an landwirtschaftlichen Boden gelte es neu zu prüfen. „Die Versorgungssicherheit zu erhalten, muss angesichts der vielen widerstreitenden Ansprüche oberste Priorität bekommen“, so Kaniber. Die Herausforderung sei, gleichzeitig die Ziele Klimaschutz und Artenvielfalt nicht aus den Augen zu verlieren.

Hier gelte es smarte Lösungen anzuschieben. Der Freistaat zeige beispielsweise mit seinem „erfolgreichen Kulturlandschaftsprogramm“, wie die Produktion von Nahrungsmitteln mit Umwelt und Klimaschutz auf einer Fläche vereinbart werden könne.

Ausgleichsflächen besser in Bewirtschaftung integrieren

Auch der Druck durch Ausweisung von neuen Siedlungs- und Verkehrsflächen muss laut Ministerin reduziert werden. Zuerst sollten alle Möglichkeiten im Innenbereich von Städten genutzt und auch alle Industriebrachen reaktiviert werden.

Aber auch beim naturschutzfachlichen Ausgleich fordert Kaniber eine Kehrtwende. Verschiedene Maßnahmen auf der gleichen Fläche seien kombinierbar und in die Bewirtschaftung zu integrieren. „Naturschutz und landwirtschaftliche Produktion sind auf der gleichen Fläche möglich“, ist die CSU-Ministerin überzeugt.

Versiegelte Flächen seien vorrangig für die PV-Anlagen zu nutzen, und wenn Agrarflächen nötig sind, gibt sie der Agri-PV den Vorzug. Klares Nein sagte Kaniber zu großflächigen Stilllegungen im Wald, wie sie die EU-Kommission vorantreibt. Sie konterkarierten die Klimaschutzeffekte von Wald und Holz.

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