Stadt-Land-Gefälle

Kaniber will Image der Landwirtschaft aufpolieren

Michaela Kaniber
Alexandra Königer Portrait
Alexandra Königer
am Mittwoch, 02.10.2019 - 15:29

Die Spaltung zwischen Stadt und Land wird laut Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) immer größer – und dem will die Staatsregierung nun mit einer Info- und Imagekampagne begegnen, „um gegen die Verunsicherung in der Bauernschaft ein Zeichen zu setzen“, wie Kaniber diese Woche nach der Kabinettssitzung sagte.

Ziel des 5 Mio. Euro-Pakets sind vor allem Verbraucher in der Stadt: Sie sollen mehr über den Wert der bäuerlichen Landwirtschaft erfahren. Von der Opposition hagelt es Kritik.

Geplant sind unter anderem Kampagnen in verschiedenen medialen Kanälen (Kaniber: „ruhig auch provokant“), mehr Begegnungsmöglichkeiten der Städter mit den Bauern, ein eigenes Infomobil sowie „aufsehenerregende“ Kunstinstallationen in den bayerischen Großstädten. Beim Zentrallandwirtschaftsfest im kommenden Jahr will das Ministerium zwei Schauställe aufbauen, einer soll dann innerhalb der Stadtgrenzen dauerhaft einen Platz als „Schaubauernhof“ bekommen. Der genaue Standort steht noch nicht fest.

Außerdem will das Ministerium 2020 beim Streetlife-Festival in München Hauptpartner werden. Das Programm „Erlebnis Bauernhof“ soll gestärkt werden, damit künftig nicht nur Kinder der Grund- und Förderschulen, sondern auch Schüler der Sekundarstufe I einen Tag auf dem Bauernhof verbringen können. Auch die Unterstützung für „Urlaub auf dem Bauernhof“ soll steigen. Ebenfalls im Fokus: regionale Wertschöpfungsketten stärken. Dazu gehören unter anderem mehr Direktvermarktung, Allianzen mit dem Lebensmittelhandwerk und eine Regionalisierung der Gemeinschaftsverpflegung.

SPD-Fraktionschef Horst Arnold forderte statt einer „Befeuerung des Instagram-Accounts der Ministerin“ mit fünf Mio. € eine Neuausrichtung der Agrarpolitik. „Jahrelang gab es Fehlentscheidungen wie eine exzessive Förderung von Großbetrieben und Toleranz gegenüber industriellen Tierhaltungsanlagen – und jetzt fällt der Staatsregierung ein, dass die Branche eine staatlich geförderte Imagekampagne braucht“, erklärte Arnold. Viel sinnvoller sei ein „Stopp der bedingungslosen Zahlungen für Großbetriebe und eine stärkere Förderung von mittelständischen bäuerlichen Familienbetrieben sowie eine Ausweitung der Öko-Landwirtschaft“.

„Wenn man Landwirte wie im Zirkus auf dem Marktplatz zur Schau stellt, zeugt das nicht von Wertschätzung und hat mit der Realität in der landwirtschaftlichen Praxis nichts zu tun“, erklärte der FDP-Agrarsprecher Christoph Skutella. „Unsere landwirtschaftlichen Betriebe brauchen Verlässlichkeit und Planungssicherheit und keine aufsehenerregenden Kunstinstallationen beziehungsweise finanziellen Konfettiregen für sogenannte Imagekampagnen.“ Stattdessen bräuchten unter anderem das Kulap und der Vertragsnaturschutz mehr Unterstützung.