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Internationaler Handel

Jungbauer Basti vermisst seine Berta

Kuh
Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Montag, 22.07.2019 - 13:15

Die Bayerische Jungbauernschaft reagiert mit einem satirischem Beitrag auf das Freihandelsabkommen Mercosur.

Germering – Das Mercosur-Abkommen ist derzeit in aller Munde und bezeichnet ein Handelsabkommen zwischen der EU mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten. Die Bayerische Jungbauernschaft e.V. reagierte am Wochenende auf das Freihandelsabkommen mit einem satirischen Beitrag, in dem der Jungbauer Basti seine Berta vermisst. Diese sei scheinbar nach Südamerika ausgewandert, wo sie sich auf der Copacabana eine Auszeit von der Landwirtschaft gönne. Der ganze Beitrag ist auf www.landjugend.bayern nachzulesen.

Hohe deutsche landwirtschaftliche Standards werden von südamerikanischem Import untergraben

Die heitere Geschichte um die Kuh Berta hat jedoch einen ernsten Hintergrund. Das Freihandelsabkommen stellt die bayerischen Landwirte vor massiven Herausforderungen: „Für uns bayerische Junglandwirte ist das Abkommen untragbar. Wir unternehmen derzeit viele Anstrengungen, um unsere Betriebe so auszurichten, dass sie einerseits den gesellschaftlichen Forderungen gerecht werden und auch unseren eigenen Ansprüchen an Umwelt- und Tierschutz entsprechen“, so Matthias Högl, Sprecher des Arbeitskreises „Agrarpolitik“ der Bayerischen Jungbauernschaft e.V. 

Erschwerter Wettbewerb durch importierte Billigprodukte

Unterschiedliche gesetzliche Voraussetzungen in den Produktionsländern würden die Wettbewerbsfähigkeit enorm erschweren. „Dieses Problem kennen wir schon seit vielen Jahren, aber das Freihandelsabkommen Mercosur verschärft dieses weiter“, so Högl weiter. Bayerische Bauern arbeiten unter mehr staatlichen Auflagen als ihre südamerikanischen Kollegen und können daher nicht so günstig produzieren wie diese. Die Gesellschaft fordert immer mehr Leistungen für Tierschutz, Naturschutz, Umweltschutz und gleichzeitig werden Produkte importiert, die nicht nach diesen Standards produziert wurden. Mercosur-Länder produzieren in größerem Maßstab (weniger Tierwohl, aber Kostenvorteile) mit hohem Einsatz von Gentechnik und Pflanzenschutzmitteln.

„In Bayern über Massentierhaltung, Gentechnik und Tierwohl zu diskutieren und gleichzeitig im Kühlregal zum billigsten Rindfleisch zu greifen kann ich nicht nachvollziehen, das entbehrt jeder Logik. Die Gesellschaft sollte die hohen bayerischen Standards und vor allem die Bemühung der Landwirte diese weiterhin zu verbessern honorieren. Wenn zukünftig das argentinische Rindersteak (welches oftmals wachstumsfördernde Hormone bekommt) im Regal neben unseren heimischen Fleischprodukten günstiger angeboten wird, werden wir uns schwer tun einen angemessenen Preis für unsere Produkte zu erhalten und somit an Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Mittelfristig können sich eine Reihe landwirtschaftlicher Betriebe wahrscheinlich dann mit der Kuh Berta eine Auszeit nehmen – wahrscheinlich für immer", so Högl abschließend.