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Herkunftskennzeichnung

ISN fordert Ende des Fleisch-Bashing und der Stammtisch-Polemik

Josef koch
Josef Koch
am Montag, 30.05.2022 - 14:34

Interessengemeinschaft der Schweinehalter ist beunruhigt wegen der Absatzeinbrüche beim Fleischverkauf im LEH. Sie sieht Schuld auch bei der Politik.

Schweinemast-Raufutter

Die „Stammtischpolemik und das Fleisch-Bashing“ müssen ein Ende haben. Das fordert die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN). So würden jeden Tag immer mehr betriebliche Existenzen in der Schweinehaltung zerstört.

Denn anders als die Kritiker es darstellen, ist laut ISN die Schweinehaltung nicht Teil des Problems, sondern insbesondere Teil der Lösung: „Als Lieferant eines hochwertigen und gesunden Lebensmittels Fleisch, als Resteverwerter, als Düngerlieferant im Kreislauf mit der pflanzlichen Erzeugung u.v.m.“

„Wenn man sich das aktuelle Fleisch-Bashing unter anderem aus der Politik anschaut, ist der Rückgang beim Fleischverzehr kaum verwunderlich,“ so ISN Geschäftsführer Torsten Staack. Wenn jeden Tag von den verschiedensten Seiten zu hören sei‚ die Lösung gegen Putin, gegen den Hunger in der Welt, gegen den Klimawandel, für die eigene Gesundheit, gegen Tierquälerei sei der Fleischverzicht, dann verfangen diese Parolen auch irgendwann beim Verbraucher, ist Staack überzeugt.

Herkunftskennzeichnung gegen Billigimporte gefordert

Daneben verlangt Staack eine verpflichtende Haltungs- und Herkunftskennzeichnung für Fleisch auch in der Gastronomie, damit wettbewerbsverzerrende Billigimporte sichtbar werden. Ansonsten könnten deutsche Ferkelerzeuger und Schweinemäster mit ihren hohen hiesigen Standards im Wettbewerb nicht bestehen, so die Interessengemeinschaft.

Grund für die ISN-Forderungen sind aktuelle Marktzahlen der Agrarmarkt Informations-GmbH (AMI). Danach sind in den ersten drei Monaten dieses Jahres deutlich weniger Fleisch im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) verkauft worden.

LEH verkauft deutlich weniger Fleisch

Dem Bericht zufolge, der auf Daten der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) basiert, sind die Verkaufsmengen in den Monaten Januar bis März 2022 am stärksten bei Rindfleisch eingebrochen, und zwar um fast 20 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Die Verkaufsmenge an Schweinefleisch verringerte sich um 16 %, die an Geflügelfleisch um 14 %. Dabei hatten die Verbraucher für Rind- und Geflügelfleisch im Mittel jeweils etwa 9 % mehr zu bezahlen als im ersten Vorjahresquartal, für Schweinefleisch rund 2 % mehr. Wertmäßig verringerte sich die Nachfrage nach Rindfleisch damit um knapp 14 %, die nach Schweinefleisch um gut 14 % und die nach Geflügelfleisch um rund 6 %. 

Das sind die Gründe für den geringeren Absatz

ISN-Marktexperte Klaus Kessing erklärte die starken Rückgänge bei den Fleischverkäufen im LEH unter anderen mit den Corona-Lockerungen und der damit verbundenen weitgehenden Öffnung der Gastronomie. Deren Umsatzzahlen gingen wieder deutlich nach oben. Das dürfte sich auf den Absatz des LEH ausgewirkt haben, der während der Pandemie erhebliche Verkaufssteigerungen verzeichnet habe.

Daneben machte Kessing aber einen weiteren Rückgang des Gesamtverzehrs an Fleisch aus. Dieser seit einigen Jahren zu erkennende Trend sei durch die Inflation verstärkt worden, weil diese mit einer Verteuerung der Produkte und einer stärkeren Preissensibilität der Kunden einhergehe. Zu bedenken gibt laut Kessing jedoch, dass es bei den nicht gerade günstigen Fleischersatzprodukten ein deutliches Absatzplus gebe.

Mit Material von AgE
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