Land- und Ernährungswirtschaft

Intensität der Agrarproduktion sinkt deutlich

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Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Donnerstag, 01.10.2020 - 08:30

Die Mengen an ausgebrachten Pflanzenschutzmitteln und Düngern in Deutschland sind rückläufig, ebenso die Tierzahlen.

Die von starken Interessengruppen forcierte Diskussion um eine angeblich immer intensiver betriebene Landwirtschaft ist ein Sturm im Wasserglas. Faktisch befindet sich die deutsche Landwirtschaft bereits seit Jahren auf dem Pfad der Extensivierung. Großen Anteil daran trägt natürlich der stark wachsende Biolandbau. Er bewirtschaftet mittlerweile mehr als 10 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Flächen.

Aber auch die konventionelle Landwirtschaft hat sich von einer Produktionsform, die blind auf immer mehr setzt, längst verabschiedet - auch wenn hier einige Interessengruppen einen anderen Eindruck erwecken wollen.

Einige Behauptungen halten sich hartnäckig, obwohl sie bereits überholt sind. Dazu ein Faktencheck: Im folgenden sind ein Dutzend Behauptungen aufgeführt, denen die Faktenlage eindeutig widerspricht.

Stickstoff-Düngemenge in 30 Jahren um rund ein Viertel gesunken

Einsatz

1. Behauptung: Die Bauern bringen absolut immer mehr Stickstoffdünger aus.

Fakten: Für das Jahr 1990 weist Statista einen Verbrauch von 1,788 Mio t beim Stickstoff aus. Es handelt sich hierbei um Handelsdünger. Dabei stützt sich Statista auf Angaben von Eurostat. Der Wert für 2019 liegt bei 1,344 Mio. t. Das entspricht einem Rückgang um 25 %.

Dabei handelt es sich nicht um einen Zufallswert aus zwei Jahren, die sich besonders günstig darstellen, was häufig genutzt wird, um besonders drastische Effekte zu kreieren. 1990 ist das Folgejahr auf die Wiederereinigung und damit Ausgangspunkt für die erste gesamtdeutsche Betrachtung. Für 2019 liegen die jüngsten Zahlen vor. Außerdem spricht der Trend über die Jahre hinweg eine ganz klare Sprache. Deutlich ins Kontor schlägt die 2017 verabschiedete Düngeverordnung, die 2020 noch einmal verschärft wurde. Sie wirkt massiv auf das Düngeverhalten ein, was schließlich auch gewollt war.

Einen ähnlichen Verlauf weisen auch Phosphat und Kali auf. Das Düngeniveau ist heute deutlich niedriger als vor 30 Jahren mit weiter sinkender Tendenz. Dafür werden alleine die innerhalb kürzester Zeit verabschiedeten zwei Düngeverordnungen sorgen.

Stickstoffüberschüsse: Rückgang im 5-Jahres-Mittel um 20 % seit 1992

Deutschland

2. Behauptung: Die Bauern bringen immer höhere Düngermengen pro Hektar aus

Fakten: Der Rückblick auf die letzten 20 Jahre zeichnet folgendes Bild: 2000 betrug der Handelsdüngerabsatz für Stickstoff 1,848  Mio. t und die landwirtschaftlich genutzte Fläche (LN) 17,067 Mio. ha. Daraus ergibt sich eine durchschnittliche Ausbringmenge von 108 kg/ha.

Im Vergleich dazu die Zahlen für 2019: Die Absatzmenge beträgt 1,344 Mio. t und die landwirtschaftlich genutzte Fläche 16,666 Mio. ha. Daraus resultiert eine durchschnittliche Ausbringmenge von 81 kg/ha. Damit ist auch mit Flächenbezug eine deutlich niedrigere Ausbringmenge festzustellen. Für die beiden Jahre ergibt sich ein Rückgang um 26 %.

Umweltbundesamt

Dazu gibt es auch ganz offizielle Zahlen des Umweltbundesamtes. Sie bilden eine Gesamtbilanz ab, schließen also die organische Düngung mit ein. Die Ergebnisse lauten in Kurzform:

  • Der Stickstoffüberschuss pro Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche ist seit 1992 im 5-Jahres-Mittel um 20 % zurückgegangen.
  • Das Ziel der Bundesregierung ist es, den Stickstoffüberschuss im Mittel der Jahre 2028 bis 2032 auf 70 Kilogramm pro Jahr zu senken.

Dabei stützt sich das Umweltbundesamt auf Mittelwerte über 5 Jahre hinweg, die die jährlichen Schwankungen ausgleichen. Die Aussage ist eindeutig. Die Intensität der Düngung hat sich deutlich reduziert.

Dazu ist auf den Seiten des Umweltbundesamtes nachzulesen: "Landwirte und Landwirtinnen setzen den Stickstoff also effizienter ein, ertragsstarke Kulturen sind im Anbauumfang gestiegen und auch die Futterverwertung bei den Nutztieren hat sich verbessert."

Dabei ist natürlich feszuhalten, dass nach wie vor ein gewisser Überschuss vorhanden ist. Dieser wird sich aber nie ganz vermeiden lassen, wennn die Pflanzen gemäß ihres Entzuges gedüngt werden sollen, weil es immer gewisse Verlustquellen gibt. So entweichen bei organischen Abbauprozessen stets Stoffe, selbst wenn die Flächen keiner landwirtschaftlichen Nutzung unterliegen.

Pflanzenschutz: Niedrigster Wert seit 1995

3. Behauptung: Die Bauern bringen absolut immer mehr Wirkstoffe aus

Fakten: Im Jahr 1995 wurden in Deutschland 30.467 t an Wirkstoffen abgesetzt. In den Folgejahre schwankte er um diesen Wert. Die höchste Menge wurde 2008 mit 34.664 t erreicht. Der Wert von 27.009 t, den die Statistik des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit für 2019 ausweist, wurde seit 1995 aber nie unterschritten. Das heißt, es ist der niedrigste Wert seit diesem Zeitpunkt.

Pflanzenschutzmittel

4. Behauptung: Die Bauern bringen immer mehr Wirkstoffe pro Hektar aus

Fakten: Auch mit Flächenbezug zeigen sich sinkende Mengen. Im Jahr 2000 betrug die abgesetzte Menge 30.328 t. Verteilt auf  17,067 Mio. ha LN ergibt das eine Menge von 1,78 kg/ha. Für 2019 lautet die Kalkulation 27.009 t auf 16,666 Mio ha LN, was 1,62 kg/ha entspricht. Auch hier also ein deutlich niedriger Wert als im Jahr 2000. Er fällt 9 % geringer aus.

5. Behauptung: Die konventionellen Bauern haben von Jahr zu Jahr immer mehr Wirkstoffe ausgebracht

Fakten: Um dem Wahrheitsgehalt dieser Behauptung nachzugehen, reicht es die beiden zurückliegenden Jahre zu betrachten. 2018 betrug die ausgebrachte Wirkstoffmenge 1,96 kg/ha. Im Jahr darauf waren es 1,79 kg/ha - also weniger.

Jahr Wirkstoffmenge
in t (1)
LN
in Mio ha (2)
Ökofläche
in Mio ha (3)
konventionelle Fläche Wirkstoff
kg/ha
2018 29591 16,645 1,521 15,124 1,96
2019 27009 16,666 1,614 15,052 1,79

Quellen: (1) Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (2) Destatis (3) Umweltbundesamt

In der Tabelle mag die LN für das Jahr 2018 verwundern, die nahezu identisch ist mit der für 2019, so als ob es in diesem Jahr keinen Flächennfraß gegeben hätte. Es ist aber dennoch die offizielle von Destatis gelieferte Zahl.

Hinweise:

Die meisten Quellen, die auf den Pflanzenschutzmitteleinsatz eingehen, nutzen als Bezugsgröße die Wirkstoffmenge. Sie lässt sich in kg-Gesamt oder kg/ha klar umreissen. Deutlich schwieriger wird es, wenn als Bezugsgröße die Wirkungsintensität oder die Wirkungsäquivalente herangezogen werden. Diese Kenngrößen sind zum einen schwieriger zu beziffern. Zum anderen ist ihre Interpretation umstritten, beispielsweise, ob bei neuen Mitteln ein höhere Wirkung bei gleicher Dosierung gegenüber älteren Präparaten als ein Vor- oder ein Nachteil zu werten ist.

Einen wichtigen Einfluss auf die Gesamtmenge der ausgebrachten Mitteln hat ihre Klassifizierung. So ist laut der Europäischen Statistikbehörde Eurostat der Pflanzenschutzmittel-Absatz in Österreich von 2011 bis 2018 um 53 % angewachsen - also in einem Land, das den höchsten Öko-Anteil in der EU hat. Das hat für heftige Schlagzeilen in Österreich gesorgt. Einfacher Grund für die Entwicklung war, dass die inerten Gase, dazu zählt beispielsweise Kohlendioxid (CO2) in der Lagerhaltung in die Statistik aufgenommen wurden. Das hat den Anstieg verursacht.

Absatz

In der Grafik ist die Entwicklung der letzten 10 Jahre zu sehen. Der Trend lässt sich hier optisch ganz gut ableiten. Es geht nach unten.

Die Farm to Fork-Strategie der EU-Kommision enthält den Vorschlag, den Einsatz von Pflanzenschutzmittel bis 2030 zu halbieren. Damit zeigt sich, wohin die weitere Entwicklung gehen wird.

Zulassungen haben nichts mit den ausgebrachten Mengen zu tun

6. Behauptung: Mehr Wirkstoffe sind ein Hinweis auf einen höheren Pflanzenschutzmitteleinsatz

Fakten: Statistiken, die die Zahl der Wirkstoffe oder Pflanzenschutzmittelhandelsprodukte auflisten, sagen überhaupt nichts über die abgesetzten Mengen aus. Hier geht es zwar auch nach unten, aus pflanzbaulicher Sicht ist dies aber ein zweischneidiges Schwert. Ein häufiger Wirkstoffwechsel vermindert das Risiko von Resistenzbildungen und ermöglicht eine hohe Wirksamkeit selbst bei geringen Mengen. Im Umkehrschluss bedeutet das: Mit sinkender Wirkstoffzahl steigen die Resistenzen und damit die auszubringenden Mengen. Weniger Wirkstoffe ziehen also negative ökologische Folgen nach sich.

Hinsichtlich ihres Einsatzbereichs ist bei den Mitteln zwischen Herbiziden, Fungiziden, Insektiziden und sonstigen Wirkstoffen zu unterscheiden. Dabei zeigt die Statistik, dass die besonders umstrittenen Insektizide die kleinste Absatzmenge ausmachen.

Die aufgeführten Angaben sind ohne inerte Gase, die vor allem im Vorratsschutz zum Einsatz kommen. Ein wichtiger Vertreter dieser Gruppe ist Kohlendioxid. Es wir in druckdichten Kammern eingesetzt. Eine Methode, die auch im Biolandbau erlaubt ist.

Wirkstoffe: Ein bloßer Nachweis ohne Konzentration ist unzureichend

7. Behauptung: Die Bauern vergiften die Umwelt

Fakten: Ein weiterer Punkt, der häufig für Fehlinterpretationen sorgt, ist der Nachweis von Pflanzenschutzmitteln an Orten, an denen sie nicht ausgebracht wurden. Verfrachtungen, das ist klar festzuhalten, sind soweit als möglich zu vermeiden. Um sie zu beurteilen, gilt dennoch der Paracelsus zugesprochene Satz: "Die Dosis macht das Gift."

Für Schlagzeilen hat hier die Studie "Pestizidbelastung der Luft" gesorgt. Sie geht auf die Verbreitung von Wirkstoffen über das Bundesgebiet hinweg ein und war im etwas indifferenten Grundtenor "besorgniserregend" gehalten.  Das Bundesinstitut für Risikobewertung gibt dazu aber Entwarnung. Bei sachgerechter und bestimmungsgemäßer Anwendung sei nicht von einem gesundheitlichen Risiko durch Abdrift auszugehen.

Maßgeblich für den Nachweis der Wirkstoffe ist die mittlerweise extrem sensible Analytik. Mit ihr sind Mengen im Nanobereich, also im milliardsten Teil, feststellbar. Symbolisch dafür steht der berühmte Zuckerwürfel im Bodensee.

Um die Relevanz von Messwerten einzustufen, gibt es das System der Grenzwerte. Es berücksichtigt die Toxizität von Stoffen in Abhängigkeit von ihrer Konzentration und damit das Gefährdungsrisiko für Mensch bzw. Tier.  Viel bedenklicher erscheinen hier im Vergleich zu den in der Studie "Pestizidbelastungen in der Luft" ermittelten Ergebnissen die laufend hohen Belastungen durch Abgase aus der fossilen Verbrennung. So sind selbst im April 2020 als der Verkehr coronabedingt in großen Teilen zum Erliegen kam, bei den Messstationen für Stickoxide in München Grenzwertüberschreitungen festgestellt worden.

Drastisch sinkende Tierzahlen bei Rindern

Deutschland

8. Behauptung: Die Bauern halten absolut immer mehr Rinder

Fakten: Im Jahr 1985 gab es 20,8 Mio. Rinder in Deutschland; 2020 sind es gerade noch 11,42 Mio. Rinder. In den zurückliegenden 40 Jahren ist damit der Bestand um 45 % geschrumpft. Der Verlauf zeigt dabei eine ziemlich stetige Entwicklung.

Selbst 1900 wurden 18,9 Mio. Rinder in Deutschland gezählt. Das sind immerhin 40 % mehr als heute. Dieser frühere Wert erlaubt auch eine historische Einschätzung. Die Behauptung, die deutschen Bauern würden immer mehr Rinder in ihren Ställen und auf ihren Weiden halten, ist schlichtweg falsch.

9. Behauptung: Die Bauern halten immer mehr Rinder pro Flächeneinheit

Fakten: Selbst wenn man in der Geschichte weit zurückgeht, ist diese Behauptung unzutreffend. Für 2019 ergibt sich bei 11,64 Mio Rindern und 16,666 Mio. ha LN eine rechnerische Besatzdichte von 0,70 Rinder/ha LN. Für das Jahr 1900 bei 18,9 Mio. Rindern und rund 26 Mio. ha LN beträgt die Besatzdichte 0,73 Rinder/ha LN.

Also bereits vor 120 Jahren war die Besatzdichte mit der heutigen vergleichbar, rein rechnerisch sogar etwas größer. Und damals war der Begriff Klimawandel noch ein Fremdwort. Was veranschaulicht: Nicht die Rinderhaltung ist das Problem, sondern das was an Emissionen durch die industrielle Revolution oben drauf kann, führte zur heutigen Krise.

Auf und ab bei Schweinen mit Trend nach unten

Deutschland

10. Behauptung: Die Bauern halten immer mehr Schweine

Fakten: Bei der Zahl der Schweine gibt es über den zeitlichen Verlauf hinweg eine höhere Dynamik als bei Rindern. Das liegt in der Natur der Sache. Bis zur ersten Laktation einer Milchkuh dauert es allein bereits zwei Jahre, während bei Schweinen mehrere Mastdurchgänge pro Jahr im Stall stattfinden können. Das bedeutet, dass die Milchviehhaltung hinichtlich der Tierzahl viel längere Planungsphasen hat als die Schweinemast.

Ihren Peak hat die Schweinproduktion in den 80er Jahren mit 35,4 Mio.Tieren erreicht. Dann ging es runter - rauf- runter - rauf - runter. Der Vorgang wird auch als Schweinezyklus bezeichnet. Ein hohes Angebot zieht sinkende Preise nach sich, diese wiederum sinkende Bestände bis die Preise wieder anziehen und danach die Bestände nach oben gehen. Das Ganze findet mit einem gewissen zeitlichen Versatz statt.

Im Jahr 2020 stehen 25,37 Mio.Tiere in den deutschen Ställen, also rund 28 Prozent weniger als 1980.

Die Bevölkerung wächst, die landwirtschaftliche Fläche schrumpft

Deutschland

11. Behauptung: Intensivierung ist stets schlecht

Fakten: Ist eine hohe Intensität generell schlecht? Um eine Antwort auf diese Frage zu liefern, wäre überhaupt zunächst einmal zu klären, wie sich Intensität definiert. Die Zahl der Arbeitsgänge auf einer Fläche? Die investierten Stunden? Acker oder Wiese? Pflügen oder Minimalbestelltechnik? Aufwand an Pflanzenschutzmittel und Dünger? Zahl der gehaltenen Tiere? Die Nährstoffbilanz?

Ein zweiter Fragenkomplex wäre, wie sich die Intensität äußert, also welche Konsequenzen sich daraus ergeben. Je nachdem, ob man nun Erosion, Bodenfruchtbarkeit, Klimaeffekte oder Biodiversität betrachtet, können sich ganz unterschiedliche Antworten ergeben. So liegt beispielsweise die Bodenfruchtbarkeit in Europa trotz intensiver Nutzung über Jahrtausende hinweg deutlich über dem weltweiten Durchschnitt.

In Deutschland leben 83,2 Millionen Menschen und es gibt 16,6 Mio. ha landwirtschaftlich genutzte Fläche. Daraus ergeben sich rund 2000 m2 zur Ernährung eines Menschen. 1900 zählte Deutschland 56,4 Mio. Einwohner und das Land verfügte über 26 Millionen Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche. Das heißt, damals standen noch über 4610 m2 pro Person zur Ernährung zur Verfügung, also mehr als doppelt so viel. Das kann man beklagen, aber wo liegt letztendlich eine Lösung? Ohne eine gesteigerten Produktivität pro ha ist eine ausreichende Ernährung der Bevölkerung nicht zu gewährleisten. Hunger wäre eine schlechte Alternative ebenso wie der hohe Import aus Regionen mit niedrigeren Umwelt- und Sozialstandards.

Herausforderungen der Zukunft nur über effektive Agrarkonzepte zu meistern

Einwohnerzahl

12. Behauptung: Die Wissenschaft spricht sich stets gegen intensive Formen der Landwirtschaft aus

Fakten: Die Vereinten Nationen gehen von einer weiter stark wachsenden Weltbevölkerung aus. Bis 2050 könnten annähernd 10 Milliarden Menschen auf diesem Planeten leben, also rund 2 Milliarden mehr als heute. Das heißt, der Bedarf an Nahrungsmitteln und Erzeugerfläche wird rapide steigen. Um dem entgegenzuwirken, haben Wissenschaftler in der Studie "Bending the curve of biodiversity loss" drei Modelle für die Zukunft entwickelt. Ein Kernbaustein ist eine nachhaltig intensive Landwirtschaft. Maßgeblich hierfür ist ihre hohe Flächeneffizienz. Schafft die Menschheit, den Nahrungsmittelbedarf auf bereits kulitivierten Flächen zu stillen, müsste sie keine neuen Flächen roden und damit der Landnutzungsänderung Einhalt gebieten. Der Regenwald könnte aufhören zu brennen.

Das bleibt festzuhalten

Rückblickend gibt es zwei Zeitpunkte mit einem hohem Einfluss auf die Intensität der Bewirtschaftung. Zum einen war das die Mitte der 80er Jahre. Hier war der Peak erreicht. Die bis dahin steigende Produktion führte zu Butterbergen und Milchseen. In den Köpfen scheint diese Marktsituation immer noch tief verankert zu sein und bei der Beurteilung der Landwirtschaft eine große Rollle zu spielen, obwohl sie längst Geschichte ist. Deutschland hat heute eine tiefrote Außenhandelsbilanz mit Gütern der Land- und Ernährungswirtschaft. 2018 importierte Deutschland Waren im Wert von 80,424 Mrd. € und exportierten nur für 69,215 Mrd. €.

Die Agrarpolitk reagierte auf die hohen 80er-Produktionszahlen mit einem Schwenk in ihrer Ausrichtung: Weg von der Produktförderung über Garantiepreise oder Tierprämien hin zu einer flächenbezogenen Förderung beziehungsweise Direktzahlungen an die Betriebe. Eine Mehrproduktion an landwirtschaftlichen Gütern bringt dem Landwirt deshalb keine höheren staatlichen Zuwendungen mehr, was dämpfend auf die Intensität der Landwirtschaft wirkte.

Der zweite wichtige Zeitpunkt war 2017. Mitte des Jahres griff die damals neugefasste Düngeverordnung. Der Boden ist das Kernelement der Kreislaufwirtschaft in der Landwirtschaft. So bedeutet beispielsweise eine limitierte organische Düngung eine Limitierung für den Tierbestand, weil sie die Ausbringmenge von Gülle auf die Fläche und damit auch die aus der Tierhaltung anfallende Menge begrenzt. Außerdem wurde die Anrechnung der Wirksamkeit des Stickstoffs aus Gülle erhöht, was wiederum die mögliche Tierzahl nach unten drückt. In den oben stehenden Kurven für Tierbestände und Düngung sind die Auswirkungen erkennbar. Die Düngeverordnung wurde 2020 dann noch einmal erheblich verschärft. Sie schreibt jetzt beispielswiese in den sogenannten roten Gebieten eine Unterdüngung vor.