Runder Tisch

Insektenschutz: Jeder muss seinen Beitrag leisten

Ulrich Graf
Ulrich Graf
am Mittwoch, 24.06.2020 - 11:49

Heute findet die zweite Sitzung des Runden Tisches zum Insektenschutz statt. DBV und DRV äußerte sich bereits im Vorfeld.

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Berlin - Anlässlich des 2. Runden Tisches Insektenschutz mit Bundesumweltministerin Svenja Schulze fordert der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, die Wirtschaftlichkeit der landwirtschaftlichen Betriebe stärker zu berücksichtigen. Die Landwirtschaft sei bereit, den Weg der weiteren Veränderung mitzugehen und noch mehr für die Artenvielfalt zu tun. Dieser Weg müsse wissenschaftlich begleitet werden und eine Folgenabschätzung müsse durchgeführt werden. Die Zukunftsfähigkeit der Betriebe, aber auch die Versorgungssicherheit mit hochwertigen, heimischen Lebensmitteln dürfe nicht vergessen werden. Ein Tunnelblick auf die pauschale Reduzierung des Pflanzenschutzes und auf eine Verbotspolitik sei auch für den Insektenschutz nicht hilfreich, werde aber zu einer deutlichen Schwächung der Betriebe führen.

Das Aktionsprogramm Insektenschutz müsse daher auf Zusammenarbeit von Landwirtschaft und Naturschutz ausgerichtet werden. Landwirtschaftliche Produktion und Insektenschutz müssten in Deutschland vereinbar sein. Eine Abwanderung der Erzeugung ins Ausland helfe den Insekten nicht und gefährdet die Versorgung der Bevölkerung mit hochwertigen Produkten aus heimischer Erzeugung.

Rukwied kritisiert, das Aktionsprogramm konzentriere sich ausschließlich auf die Landwirtschaft und vernachlässige zentrale Probleme wie den ungebremsten Flächenfraß, Urbanisierung und Mobilität.

DRV weist auf die gesamtgesellschaftliche Verantwortung hin

Deutscher Raiffeisenverband

„Der Insektenschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Neben der Agrar- und Ernährungswirtschaft stehen Kommunen und Privatpersonen in der Verantwortung“, betont Franz-Josef Holzenkamp, Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV). „Nachhaltigkeit muss Ökologie und Ökonomie berücksichtigen. Deshalb bin ich gegen pauschale Verbote und Auflagen“, so Holzenkamp weiter. Für die Agrarwirtschaft bietet die Digitalisierung Lösungen, um Flächen wirtschaftlich zu nutzen und gleichzeitig Insekten zu schützen. Durch teilflächenspezifische und sensorgesteuerte Ausbringung wird der Einsatz von Pflanzenschutz- oder Düngemitteln reduziert.

Verkauf von Insektiziden in Discountern bedarf Regelung

Auch Kommunen und Privatpersonen sind nach Ansicht von Holzenkamp in der Pflicht. Insbesondere der Trend zur Versiegelung von Grundstücken und Hausgärten behindert den Insektenschutz. „Hier ist ein Umdenken in der Bevölkerung erforderlich“, mahnt der DRV-Präsident.

Erheblicher Verbesserungsbedarf besteht bei den Regelungen zum Verkauf von Insektiziden. Dazu Holzenkamp: „Ich kann nicht nachvollziehen, dass Insektenvernichter unkontrolliert und in großen Mengen in Lebensmittel-Discountern verkauft werden dürfen, weil sie nicht als Pflanzenschutzmittel, sondern als Biozid zugelassen worden sind.“