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Insekten und der Klimawandel

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Sepp Kellerer
am Donnerstag, 22.11.2018 - 09:08

Die Aussage, die Insekten sterben und die Bauern sind schuld, ist wahrscheinlich genauso falsch wie die, dass nur der Klimawandel schuld ist am Insektensterben.

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Langsam kommt die Natur draußen zur Ruhe, die Feldarbeiten sind abgeschlossen. Die ersten Schneeflocken sind auch schon gefallen. Vielleicht ist jetzt die Zeit, ein wenig zurückzublicken. Ich sage ganz bewusst, ein wenig, denn für einen umfassenden Rückblick würde hier der Platz nicht reichen.

Lassen Sie mich einen Ansatz finden im aktuellen Heft. Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass der Maiswurzelbohrer sich weiter ausgebreitet hat und dass er seine Populationsdichte mindestens vervierfachen konnte. Der Borkenkäfer hat sich ebenfalls massiv vermehrt und die Waldbesitzer fast das ganze Jahr auf Trab gehalten. Eichenprozessionsspinner und Schwammspinner sind weitere Kandidaten, die im Jahr 2018 ganz stark zugelegt haben und schon im Frühjahr sind in einigen Gebieten Bayerns die Gespinnstmotten ganz massiv aufgetreten.

Sicher könnte man jetzt bei jedem einzelnen dieser Viecherl recherchieren und ergründen, warum das so ist. Ich erlaube mir aber, einfach mal pauschal da oben drüber zu gehen: Hitze und Trockenheit haben die Insekten begünstigt und die Wirtspflanzen beeinträchtigt, so dass die einen besser angreifen und die anderen sich weniger verteidigen konnten. Aber wenn Wärme und wenig Niederschlag die Insekten begünstigen, wie kann es da sein, dass heuer das Insektensterben ein ganz beherrschendes Thema war? Ist der tatsächliche oder vermeintliche Rückgang bestimmter Arten bei uns dann noch viel gravierender zu sehen als er eh schon dargestellt wird? Müssten dann nicht die Bienen und die Hummeln und was da sonst noch kreucht und fleucht auch deutlich mehr werden?

Oder könnte es sein, dass diese Arten in einer anderen Beziehung zu den Pflanzen leben, als die eingangs genannten, und dass ungünstige Bedingungen für die Wirtspflanzen auch ungünstige Auswirkungen auf die Vermehrung der Insekten haben?

Ein anderer Gedanke gehört da auch noch auf den Tisch: Jede Tierart, jedes Lebewesen hat einen optimalen Temperaturbereich, in dem es gedeiht und wenn es Arten gibt, die sich aufgrund von Veränderungen bei diesem Parameter bei uns ausbreiten, dann ist es auch wahrscheinlich, dass andere zurückgehen, weil sich die Temperaturen bei uns verändern. Die Aussage, die Insekten sterben und die Bauern sind schuld, ist wahrscheinlich genauso falsch wie die, dass nur der Klimawandel schuld ist am Insektensterben.