Ferkelkastration

Improvac: Verbot ist Gefahr für Tierwohl auf Ökohöfen

Josef Koch Redakteur Agrarpolitik
Josef Koch
am Mittwoch, 29.07.2020 - 12:02

Das Impfverbot für Öko-Betriebe würde den Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration gefährden.

Zum Ende dieses Jahres tritt der gesetzlich beschlossene Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration in Deutschland in Kraft. Kurz vor diesem Datum droht eine Entscheidung der Länderarbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau (LÖK), den gesamten Ausstieg zu gefährden. Die Immunokastration über Improvac soll für Ökoschweinehalter auslaufen. Bayern und andere Bundesländer haben bereits eine Ausstiegsregelung beschlossen.

Deshalb appellieren Naturland, die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz und der Tierschutzverband PROVIEH sowie die REWE Group gemeinsam an die AgrarministerInnen der Länder, das Verbot zu stoppen und an Bundesministerin Klöckner, die deutsche EU-Ratspräsidentschaft dazu zu nutzen, sich in Brüssel aktiv für das Tierwohl einzusetzen. Die Verbände und Unternehmen fordern Klöckner auf, die EU-Kommission zu überzeugen, ihre wissenschaftlich nicht fundierte Ablehnung der Impfung für die ökologische Schweinehaltung zurückzunehmen. Ebenso müsse Klöckner Sicherheit für die innovativen Öko-Betriebe schaffen, die sich frühzeitig um eine besonders tiergerechte Alternative zur Ferkelkastration bemüht haben.

    Rechtssicherheit für Öko-Betriebe schaffen

    Die LÖK hat unlängst vereinbart, die seit 2010 für den Öko-Landbau zugelassene Impfung gegen Ebergeruch zu verbieten. Einzelne Länder, voran Niedersachsen, kündigten bereits an, sich dieser Vereinbarung zu widersetzen.

    Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner und ihre MinisterkollegInnen in den Ländern sind deshalb dringend gefordert, auf der nächsten Agrarministerkonferenz (AMK) für Klarheit im Sinne des Tierwohls zu sorgen und Rechtssicherheit für die Impfung zu schaffen. Das fordert der Öko-Verband Naturland gemeinsam mit Partnern aus Handel, Tierschutz und Tierärzteschaft.

    Hintergrund des drohenden Verbots ist laut Naturland eine nicht bindende Interpretation der EU-Öko-Verordnung durch die EU-Kommission. Nach Meinung aller Experten, einschließlich des staatlichen Friedrich-Löffler-Instituts, ist die Impfung hingegen die aus tierschutzfachlicher Sicht eindeutig beste Alternative, weil dabei ganz auf Kastration der männlichen Ferkel verzichtet werden kann.

    Verbot wiederspricht Grundwerten des Öko-Landbaus

    Dass diese Alternative zur betäubungslosen Kastration ausgerechnet den Öko-Betrieben verwehrt werden soll, widerspricht den Grundwerten des ökologischen Landbaus und der EU-Öko-Verordnung, in denen das Tierwohl einen herausragenden Stellenwert besitzt.

    Überdies wäre das Verbot auch ein gefährliches Signal in Richtung des wesentlich größeren konventionellen Schweinesektors. Ein Verbot der Impfung für die Öko-Betriebe könnte sich negativ auf die Akzeptanz auch im konventionellen Sektor auswirken und somit den Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration insgesamt ein weiteres Mal gefährden.