Grundstücksverkehrsgesetz

Hoff: Kliems Anteileverkauf ist unverantwortlich

Josef Koch
Josef Koch
am Donnerstag, 06.08.2020 - 14:45

Thüringens Agrarminister Hoff hat kein Verständnis für den Verkauf der Holding-Anteile durch den Ehrenbauernpräsidenten Kliem.

Hoff-Benjamin-Agrarminister Thüringen

Thüringens Agrarminister Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff kritisiert den Verkauf der Anteile der ADIB GmbH an die Boscor Land- und Forstwirtschafts GmbH scharf. Sie gehört zur Lucas-Stiftung, eine der drei Stiftungen des ALDI Nord-Eigentümers Theo Albrecht Jun. gehört.

Dass gerade der Ehrenpräsident des Thüringer Bauernverbandes, Dr. Klaus Kliem, gemeinsam mit seinen Gesellschaftern der ADIB GmbH das Unternehmen mit allen Töchtern und ca. 6.000 Hektar landwirtschaftlicher Fläche an einen außerlandwirtschaftlichen Betrieb und dann auch noch an einen Discounter verkaufe, der seit Jahren dafür verantwortlich sei, seine Marktmacht zum Nachteil der Bäuerinnen und Bauern auszuspielen, sei unverantwortlich, kritisiert Minister Hoff.

„Die Konzentration von Marktmacht in den Händen weniger Unternehmen einerseits und der unverhältnismäßige Preisanstieg für landwirtschaftliche Flächen andererseits verschlechtern die Bedingungen für landwirtschaftliche Betriebe enorm," so der Minister.

Gesetz muss Bodenspekulationen begrenzen

„Ich hätte gerade von einem langjährigen Bauernverbandspräsidenten erwartet, dass er die Bedürfnisse des Thüringer Bauernstandes mit seinen privaten Gewinninteressen in Ausgleich bringt. Es scheint jedoch das finanzielle Eigeninteresse gegenüber der Vernunft und Zukunftsfähigkeit der Thüringer Landwirtschaft im Vordergrund gestanden zu haben“, glaubt Hoff.

Dieser Verkaufsvorgang an einen außerlandwirtschaftlichen Betrieb zeige erneut wie richtig es sei, durch ein Thüringer Agrarstrukturgesetz Rahmenbedingungen zu setzen, um Preisspekulationen landwirtschaftlicher Flächen zu erschweren und heimische Betriebe zu stärken.

Bauernverband enttäuscht über Verkauf an Investor

Der Thüringer Bauernverband (TBV) zeigt sich über den Verkauf der Agrargesellschaft ADIB in Bad Langensalza enttäuscht. „Als Thüringer Bauernverband hätten wir uns gewünscht, dass das Unternehmen in den Händen von Thüringer Landwirt*innen verbleibt.“, so Dr. Klaus Wagner, Präsident des TBV.

Ein Einstieg großer und branchenfremder Investoren in die Landwirtschaft wird innerhalb des Berufsstandes kritisch diskutiert. Letztlich handelt es sich aber um eine freie unternehmerische Entscheidung, die durch einen Beschluss der Mehrheit der Gesellschafter der ADIB GmbH herbeigeführt worden ist. „In unserem Land hat jeder Mensch das Recht, sein Eigentum zu verkaufen, wann und an wen er möchte. Dieses Recht haben die Gesellschafter der ADIB ausgeübt. “, so Wagner.

Leistungen für den Berufsstand anerkennen

Unbenommen der heutigen unternehmerischen Entscheidung ist die Leistung von Klaus Kliem, die dieser für den Berufsstand und die Landwirtschaft in Thüringen erbracht hat, anzuerkennen.

„Klaus Kliem hat maßgeblich dazu beigetragen, dass die Bäuerinnen und Bauern – gleich welcher Betriebsgröße und Rechtsform – mit dem TBV eine geeinte und damit starke Stimme in Thüringen bekommen haben. Als Gründungsmitglied und Präsident des TBV hat Klaus Kliem jahrzehntelang für die Interessen der Thüringer Landwirt*innen gekämpft, hat für die Attraktivität und die Menschen im ländlichen Raum gestritten. Damit hat er sich bleibende Verdienste erworben.“ so Wagner weiter.