Finanzierung

Höherer Tilgungszuschuss möglich

Josef Koch
Josef Koch
am Dienstag, 28.04.2020 - 14:41

Für Rentenbankdarlehen als Liquiditätshilfe könnten Landwirte weniger tilgen müssen. Entsprechende Hilfen bereitet der Bund vor.

Rentenbank_Gebäude_Nacht

Für Liquiditätssicherungskredite der Landwirtschaftlichen Rentenbank könnte es bald höhere Tilgungszuschüsse geben. Das deutete Vorstandssprecher Dr. Horst Reinhardt bei der heutigen Pressekonferenz an. Derzeit liefen aber noch in Berlin Verhandlungen zwischen den jeweiligen Ministerien. „Details sind aber noch nicht fix“, sagt der Rentenbankchef.

Bereits seit kurzem übernimmt der Bund für derartige Kredite 90 Prozent der Bürgschaft. Dennoch ist die Nachfrage seit der Öffnung der Förderprogramme für Liquiditätshilfen noch sehr niedrig. Reinhardt erklärt dies damit, dass viele Betriebe in der Coronakrise zunächst klären müssten, welchen Liquiditätsbedarf sie haben. „Zunächst schöpfen Landwirte alle anderen Möglichkeiten aus“, so der Finanzierungsexperte.

Tilgungsaussetzungen nutzen

So verzeichne die Rentenbank aktuell rund 1200 Anträge auf Tilgungsaussetzungen bei den regulären Förderprogrammen. „Die haben wir alle problemlos zugesagt“, versichert Reinhardt.

Auch für den kommenden Tilgungstermin im Juni sei das Interesse an einer Aussetzung der Kreditraten groß. Für Kreditnehmer verlängert sich somit entsprechend die Laufzeit, weil sie am Ende diese Tilgungen nachholen müssen.

Mehr Darlehen für Liquiditätssicherung zu erwarten

Reinhardt_Horst_Dr._Rentenbankvorstand

Für das laufende Jahr rechnet Reinhard indes mit einem sinkenden Kreditgeschäft für Investitionen, da die Folgen der Coronakrise auf die Agrarmärkte und eine drohende Dürrekrise die Nachfrage dämpfen werde. Allerdings greifen Banken und Sparkassen in Krisenzeiten vermehrt auf Rentenbankdarlehen zurück, was den Rückgang zumindest dämpfen könnte, so der Bankenvorstand.

„Bei unseren Programmkrediten für das Gesamtjahr 2020 werden wir eine leichte Steigerung erzielen“, prognostiziert Reinhardt. Bei der Zusammensetzung des Neugeschäfts dürfte es allerdings zu deutlichen Verschiebungen kommen.

Weitere Zuwächse erwartet Reinhardt dagegen insbesondere in die Fördersparte „Ländliche Entwicklung“ und im weiteren Jahresverlauf zunehmend auch bei Liquiditätssicherungsdarlehen.

Dramatischer Einbruch bei Erneuerbaren Energien

Solaranlage_Windrad

Das Neugeschäft mit den zinsgünstigen Programmkrediten der Rentenbank ging 2019 um gut 10 Prozent auf 6 Mrd. Euro zurück. Ursache dafür war hauptsächlich der starke Rückgang der Nachfrage nach Förderdarlehen in der Fördersparte „Erneuerbare Energien“ auf 0,9 Mrd. Euro gegenüber 1,4 Mrd. Euro in 2018. Das war ein Minus von fast 36 Prozent. Hier wirkten sich weiterhin die Änderungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes von 2017 und lange Genehmigungsverfahren aus.

In der Fördersparte „Landwirtschaft“ stieg das Neugeschäft dagegen an. Hier finanziert die Rentenbank vor allem klassische landwirtschaftliche Investitionen wie Maschinen, Flächenkäufe, Stallbauten und Betriebsmittel. Dafür stellte die Förderbank 2,2 Mrd. Euro (2,1 Mrd. Euro) bereit.

In ihrer Fördersparte „Ländliche Entwicklung“ sagte die Rentenbank mit 1,7 Mrd. Euro ein niedrigeres Kreditvolumen als im Vorjahr zu. Damals betrugen die Zusagen 2 Mrd. Euro). Hier finanziert die Förderbank vor allem kommunale Infrastrukturmaßnahmen, unter anderem im Rahmen von Globalrefinanzierungsvereinbarungen mit den Förderbanken der Bundesländer.

Mit ihrer Fördersparte „Agrar- und Ernährungswirtschaft“ richtet sich die Rentenbank an
Betriebe, die der Landwirtschaft vor- oder nachgelagert sind. Hier blieb das Förderneugeschäft
stabil und lag 2019 bei 1,2 Mrd. Euro. In der Mitte 2019 neu eingeführten Fördersparte „Forstwirtschaft“ konnte das Förderinstitut immerhin 25 Mio. Euro Kredite vergeben.