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Rechtsdelikt

Hochsitze angesägt - Jagdgegner stand vor Gericht

10 Hochsitze zerstörte ein Jagdgegner. Dafür musste er sich jüngst vor Gericht verantworten.
Pirsch
am Mittwoch, 19.10.2022 - 10:27

Zehn zerstörte Hochsitze und Gefahr für Leib und Leben: Wegen seiner Taten musste sich ein Senior vor Gericht verantworten.

In Montabaur musste das Gericht Anfang Oktober bei einem Prozess weit in die Vergangenheit blicken. Seinen Ursprung hatte das Verfahren nämlich nicht in der Gegenwart, sondern in der Vergangenheit des Angeklagten. Als Jugendlicher war er - so die örtliche Presse - Helfer bei einer Gesellschaftsjagd. Dabei erlebte er, wie ein Reh abgefangen wurde. Dies schockte ihn nachhaltig, weshalb er dafür sorgen wollte, dass kein Wild vom Hochsitz mehr erlegt wird.

10.000 Euro Schadenshöhe und Lebensgefahr

Jetzt, viele Jahre später, zerstörte der Angeklagte zehn Hochsitze. Heißt: Der Mann zersägte Dächer, Sitzflächen. Besonders perfide: Laut dem ortsansässigen „WW-Kurier“ sollen möglicherweise sogar Sprossen angesägt worden sein, und die Schnittstellen mit Matsch verschmiert worden sein. Die Schadenshöhe laut dem Geschädigten: Fast 10.000 Euro. Dabei erwischten ihn Fußgänger. Woraufhin das Verfahren in Gang kam.

Vor Gericht weigerte sich der Angeklagte wohl zunächst dem Richter Rede und Antwort zu stehen. Erst mahnende Worte seitens Gericht und seiner Anwältin öffneten nach einer Viertelstunde die Lippen des Angeklagten. Er gestand vollumfänglich seine Taten. Der Angeklagte wollte laut dem „WW-Kurier“ niemanden verletzen, sondern nur davon abhalten, dass von oben herab Tiere erschossen werden. Auch monierte er, dass Jäger ihn wegen seines nicht angeleinten Hundes im Wald kritisiert hätten. Letztlich entschuldigte sich der Senior für sein Handeln. Allerdings: Das Prozessende war damit noch nicht erreicht: Der Geschädigte, der Jagdpächter, sagte als Zeuge aus.

Jagdpächter beleidigt

Im September sei es zu einem weiteren Vorfall gekommen. Der Angeklagte habe den Jagdpächter beleidigt. Allerdings wollte dieser endlich Ruhe in die Angelegenheit bringen. Der Richter sprach daraufhin die Möglichkeit eines Vergleichs an, um weitere Verfahrenskosten zu verhindern. Denn auch im Strafverfahren besteht die Möglichkeit, durch einen Vergleich zivilrechtliche Forderungen zu erfüllen. Bald herrschte Einigkeit - ein probater Weg für beide Seiten. Besonders kurios: Aus den fast 10.000 Euro Schaden wurden plötzlich laut dem Geschädigten nur noch 3000 Euro. Die Summe hat der Angeklagte bis zum 30. November diesen Jahres zu zahlen. Das Geld möchte der Pächter einem Tierheim spenden.

Staatsanwaltschaft spricht ein Wort mit

Aber auch die Staatsanwaltschaft hatte ein Wort mitzureden. Sie beantragte 40 Tagessätze a 30 Euro wegen der Sachbeschädigung. Dem Vorschlag folgte der Richter, und richtete das Wort laut dem „WW-Kurier“ an den Angeklagten: „Die Rechte Einzelner hören auf, wenn die Rechte Anderer beginnen. Wenn jeder so reagiert wie Sie, dann haben wir bald nur noch Mord und Totschlag. Ich hoffe, Sie haben verstanden, dass Sie andere Menschen nicht gefährden dürfen, auch wenn die eine andere Meinung haben. Hadern Sie nicht, wenn Sie keine Lehren aus diesem Verfahren ziehen, und noch einmal wegen solcher Taten vor mir sitzen, kommen Sie nicht so glimpflich davon.“ Die Worte schienen beim Angeklagten und dem Geschädigten Eindruck hinterzulassen haben. Keiner legte Rechtsmittel ein, das Urteil ist rechtskräftig.