Branchengespräch

Die Hilfe muss schnell kommen

Metzger zerlegt Schweinefleisch
Wolfgang Piller
Wolfgang Piller
am Mittwoch, 15.09.2021 - 16:50

Zum Branchengespräch Schwein mit Agrarministerin Klöckner haben sich der Deutsche Bauernverband und die AbL zu Wort gemeldet.

Die Preise am Schweinemarkt sind katastrophal, viele Betriebe stehen vor enormen wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Kurzfristig hatte deshalb für diesen Mittwoch (15. 9. 2021) Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner Verbände und Unternehmen der Lebensmittelkette zu einem virtuellen Branchentreffen einberufen. Dazu haben sich auch der Deutsche Bauernverband und die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) zu Wort gemeldet - und die für die Schweineerzeuger dramatische, ruinöse Lage unterstrichen.

Hubertus Beringmeier, der Veredelungspräsident des Deutschen Bauernverbandes, sorach dabei von einer "anhaltend katastrophale Marktlage", die für "alle Betriebe existenzbedrohend" sei. Der Schweinefleischmarkt sei noch immer von den Auswirkungen der Corona-Pandemie getroffen. „Es ist jetzt entscheidend, dass die Bauern weiter mit den Corona-Hilfen unterstützt werden, und zwar schnell und unbürokratisch“, so Beringmeier. Weiter fordert der Deutsche Bauernverband zinslose Steuerstundungen in dieser schwierigen Phase zuzulassen. Außerdem müsse die Politik sämtliche geplanten gesetzlichen Verschärfungen und Belastungen aussetzen. Zudem hält Beringmeier es für inakzeptabel, dass die Vermarktungskette jegliche corona-bedingte Belastung auf die Erzeuger abwälzt. Es komme jetzt darauf an, dass sich Handel, Verarbeiter und Großverbraucher auf eine Vermarktung von deutschem Schweinefleisch mit einer „5xD – Kennzeichnung“, von der Geburt bis zum Laden, einigen.

Null Verständnis für das fehlende Tempo im Kampf gegen ASP

Kein Verständnis hat Beringmeier für die schleppende Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest: „Dass Bund und Länder sich gegenseitig die Verantwortung zuschieben, statt an einem Strang zu ziehen, ist nicht nachvollziehbar. Der Kampf gegen die ASP ist eine Aufgabe von nationaler Tragweite. Das gilt sowohl für das Koordinieren von überregionalen Bekämpfungsmaßnahmen als auch die Zahlung von Entschädigungen.

AbL fordert Perspektiven und faire Preise für Betriebe

Auch der AbL-Bundesvorsitzende Martin Schulz, selbst Schweinehalter, verwies auf die ruinösen Schweinepreise. Die aktuelle Lage sei keinesfalls mit einem normalen Tief im Schweinezyklus zu bezeichnen. Stattdessen sei sie auch die Folge von falschen politischen Richtungsentscheidungen wie die Orientierung auf den Export von Schweinefleisch. Die AbL verweist auf den Umbau der Tierhaltung, wie er von der Borchert-Kommissionseit Februar 2020 vorgeschlagen sei, aber seitdem von den Regierungsfraktionen "systematisch blockiert" werde. Zu begrüßen sei, dass der LEH sich zu deutschem Schweinefleisch bekenne. Jetzt müssten aber Taten folgen. Lockangebote zu Ramschpreisen seien der falsche Weg.