EU-Parlament

Handelspraktiken - gut gemacht

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Simon Michel-Berger
am Mittwoch, 31.10.2018 - 10:23

Letzte Woche kam ein wichtiges Signal für die Landwirte aus Straßburg.

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Das EU-Parlament hat sich ein starkes Mandat für die Verhandlungen mit Kommission und Rat über ein Vorgehen gegen unfaire Praktiken des Lebensmittelhandels im Umgang mit seinen Lieferanten gegeben.

Dass das passieren würde, war keinesfalls klar. Denn der Handel hat es geschickt verstanden, im Vorfeld der Abstimmung Ängste zu schüren. Bestimmte Positionen des Parlaments seien gefährlich, weil sie es Erzeugern und Handel verböten, höhere als die gesetzlichen Standards festzulegen. Aktivisten von Organisationen wie Greenpeace Österreich witterten einen Angriff auf die Erzeugung und Vermarktung besonders hochwertiger Lebensmittel. Die Grünen im EU-Parlament sprangen auf den Zug auf, und wollten die entsprechenden Passagen streichen. Auf einmal bestand der „große“ Lebensmittelhandel nur noch aus vielen kleinen Kaufleuten, allesamt Freunde der Bauern.

Ich finde ein starkes Mandat für die Verhandlungen wichtig, denn wer mit kleinen Zielen in Gespräche geht, kommt mit noch kleineren Ergebnissen heraus. Aus lauter Herzensgüte verzichtet niemand auf einen Marktvorteil, auch der Handel nicht. Und die Größe des Handels ist Marktvorteil gegenüber den Zulieferern, das kann niemand abstreiten.

Zwei Dinge gebe ich zu bedenken: Es wäre zu kurz gesprungen, den Handel als „Feind“ der Landwirte darzustellen. Gute Produkte verkaufen wollen Supermärkte und Bauern gleichermaßen. Es muss in den Verhandlungen aber gelingen, die Marktposition der Landwirte zu stärken.

Am Ende muss darum mehr herauskommen als ein netter, unverbindlicher Katalog von Empfehlungen, wie etwa Österreich ihn kürzlich vorgestellt hat. Die Marktmacht des Handels rührt an die Grundmauern der EU-Agrarpolitik. Wie die Politik damit umgeht, muss besonnen aber entschlossen diskutiert werden.