Düngeverordnung

Gülleausbringung - wie eine Bombe hochgehen lassen

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am Donnerstag, 18.04.2019 - 12:49

Bauern übergeben 7260 Unterschriften auf der Agrarschau an Hubert Aiwanger.

Dietmannsried/Lks. Oberallgäu - Im mit 2000 Menschen vollbesetzten Festzelt bei der 2. Allgäuer Agrarschau in Dietmannsried übergaben sechs Landwirte aus Günzach und Obergünzburg (Lks. Ostallgäu) eine Petition unter großem Beifall an Bayerns Wirtschaftsminister und stellvertretenden Ministerpräsidenten Hubert Aiwanger. Die Petition haben sie zusammen mit dem Kaufbeurer Landtagsabgeordneten Bernhard Pohl (FW) und der FW-Kreisvorsitzenden Susen Knabner auf den Weg gebracht. Darin fordern sie: „Sämtliche Bergbauern im Allgäu sollen von der Verpflichtung ausgenommen werden, ab dem Jahr 2025 Gülle nur noch in neuen Fässern nach dem Schlitz-, Schleppschlauch- oder Schleppschuh-Verfahren ausbringen zu dürfen. Ihnen soll es dauerhaft gestattet sein, die bisherigen Verfahren bei der Gülleausbringung anzuwenden.“ Die Bauern sind der Meinung, dass die DÜV-Forderungen praxisfremd und für kleinere Betriebe einfach zu teuer oder gar ruinös sind.

Seit September vergangenen Jahres haben sich viele bäuerliche Organisationen der Petition angeschlossen, darunter auch eine, die sich „Schleppschuh – nein danke!“ nennt. Aber auch Bioland, Biokreis, Naturland, AbL und der CSU-Arbeitskreis Landwirtschaft Oberallgäu. Unterstützer kommen mittlerweile aus ganz Bayern und dem angrenzenden Baden-Württemberg, wo sich schon eine ähnliche Gruppierung gebildet hat. So sind inzwischen 7260 Unterschriften zusammengekommen. Diese addieren sich noch zu den 26 000 Unterschriften, die der Bauernverband schon „eingesammelt“ habe, sagte Schwabens BBV-Bezirkspräsident Alfred Enderle, der ebenfalls eine Verschärfung des Strukturwandels befürchtet, sollte der Gesetzesentwurf unkorrigiert durchgehen.
„Wir wollen den Schleppschuh nicht schlechtreden. Aber er funktioniert nicht im Berggebiet und wenn es nicht regnet“, sagte Rudolf Rauscher, Sprecher der Günzacher Landwirte. Denn bei Trockenheit würden Güllewürste aus den Schleppschuhen liegen bleiben und letztlich auf den Futtertrog gelangen. „Wir sind gerne bereit, von der Breitverteilung wegzukommen, wenn uns jemand eine vernünftige Alternative zeigt“, so Rauscher. Er und Enderle fordern daher weitere Gülleversuche am Kemptener Spitalhof. „Diese müssen aber fair verglichen werden unter Beteiligung von Praktikern“, pflichtete ihnen Aiwanger, selbst Landwirt, bei. Die Petition „unterstützen wir Freien Wähler“. Er hoffe, dass der Koalitionspartner mitziehe, denn Bayern habe durchaus die Möglichkeit, die EU-Vorgabe regional anzupassen.
Die Unterschrift in Händen rief Aiwanger ins Festzelt: „Ich werde die Petition wie eine Bombe hochgehen lassen. Sie wird nicht in der Schublade verschwinden!“ Cornelia Beißer