Klimaschutz

Grünland: DBV fordert Extrabonus

Josef Koch
Josef Koch
am Dienstag, 04.05.2021 - 10:54

Mit seiner Agenda verlangt der Deutsche Bauernverband mehr Aufmerksamkeit und Förderung fürs Grünland.

Dauergrünland

Weil das Grünland bei den laufenden Agrarreformverhandlungen zu kurz zu kommen droht, fordert der Deutsche Bauernverband (DBV) in seiner Grünlandagenda eine deutliche Besserstellung des Grünlands. Grünland sei die Grundlage einer regional ausgerichteten und flächengebundenen Tierhaltung. Gleichzeitig sind Wiesen und Weiden wichtig für Umwelt, Biodiversität und Kohlenstoff-Bindung, begründet der DBV. Insgesamt hat der Verband sechs Ziele und 18 konkrete Maßnahmen und Forderungen aufgestellt.

Ganz oben auf der Agenda stehen drei Maßnahmen bei den künftigen Ökoregelungen. So fordert DBV-Vizepräsident Karsten Schmal einen Grünlandklimabonus, analog zum Waldklimabonus. Die Höhe des Bonus ließ er offen. Er soll aber möglichst für alle Betriebe mit Grünland zur Verfügung stehen. Zudem kann sich Schmal für bestimmte Flächen, wie vorgesehen, Altgrasstreifen als Maßnahme vorstellen. Auch für eine Extensivierung ist Schmal offen, jedoch nicht auf der gesamten Fläche, sondern nur auf geeigneten Teilflächen. „Sonst ist es für die Betriebe unwirtschaftlich an Öko-Regelungen teilzunehmen, weil der Verlust der künftigen Prämie von rund 120 €/ha zu groß wäre“, so der Vizepräsident.

Flexiblere Regeln beim Grünlandumbruch

Thumbnail

Als ungeeignet hält der DBV, eine Grünlandextensivierung anhand von vier Kennarten. Das hatte das Bundeskabinett in den Gesetzesentwürfen im April beschlossen. Laut DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken ist diese Maßnahme wegen der aufwändigen Vor-Ort-Kontrollen und der verzögerten Auszahlung der Prämie besser in Agrarumweltprogrammen als in den Öko-Regelungen einzuordnen. Auch eine vollständige Extensivierung der Grünlandflächen eines Betriebes passt nach Schmals Ansicht eher in eine Umweltprogramm. 

Beim Grünlandumbruch fordert DBV-Milchpräsident Schmal mehr Flexibilität, damit Landwirte aufgrund der 5-Jahresfrist nicht gezwungen seien, wertvolle Grasbestände umbrechen zu müssen, nur weil der Ackerstatus verloren geht. Hier sollten Ausnahmen möglich sein. Die vorgesehene Stichtagsregelung sei ein erster Ansatz, der aber noch nicht ausreiche, so der hessische Milchbauer Schmal. Eberhard Hartelt, DBV-Umweltbeauftragter und Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd, kann sich eine Stichtagsregelung vorstellen, nach der ab einem bestimmten Stichtag, der jeweils 5 Jahre zurückliegt, unabhängig vom der Nutzung immer der Ackerstatus erhalten bleibt.

Ausgleichszulage an Viehbesatz zu koppeln

Notwendig sind auch Anpassungen bei den Auflagen in den Agrarumweltprogrammen. So bereiten vielen Betrieben beispielsweise Vorgaben zur emissionsarmen Gülleausbringung mit aufwändiger Technik in hängigen Mittelgebirgsregionen erhebliche Probleme. „Standortgepasste und flexible Regelungen sind hier nötig, um die Flächen in Bewirtschaftung zu halten, so Hartelt. Mehr Flexibilität fordert Hartelt auch bei der Bekämpfung von Schadnagern, Giftpflanzen oder bei Gänsefraß. „In den unmittelbar benachbarten Niederlanden ist eine Bekämpfung der Gänse möglich, bei uns dagegen nicht“, bemängelt Hartelt. Auch beim Thema Wolf hält er dringend ein Bestandsmanagement für nötig.

Anpassungsbedarf sehen die beiden Bauernpräsidenten bei der Ausgleichszulage. Im Sinne des Grünlanderhalts müsste sie in allen Bundesländern gezahlt werden, so die Forderung. Bei Einhalten eines ausreichenden Viehbesatzes ist eine höhere Ausgleichszulage zu gewähren. Dadurch kann laut DBV die Tierhaltung auf diesen Grenzstandorten gesichert werden und das Grünland mit seinen vielfältigen Leistungen für die Region erhalten bleiben.

Aktive Bewirtschaftung nötig

„Für uns Landwirte ist das Grünland Wirtschafts- und Futtergrundlage, und damit ein wichtiger Bestandteil des bäuerlichen Einkommens. Mit unserer Agenda wollen wir das Angebot unterbreiten, in einen gesamtgesellschaftlichen Austausch für eine nachhaltige landwirtschaftliche Grünlandnutzung in Deutschland zu treten. Erst durch eine „Inwertsetzung“ wird Grünland erhalten und nur so können die vielfältigen Umweltleistungen des Grünlands gehoben werden“, nennt Schmal die Gründe für die DBV-Agenda.

Nach Auffassung von Hartelt müssen Naturschutzleistungen in Kooperation umgesetzt und honoriert werden. Gesetzliche Auflagen und Verbote gefährden den Erhalt des Grünlandes und seines Wertes für den Naturschutz und die Kulturlandschaft,“ befürchtet Hartelt.