Waldschutz

Grüne dringen mit eigener Wald-Offensive nicht durch

eva-lettenbauer_B
Alexandra Königer Portrait
Alexandra Königer
am Donnerstag, 30.07.2020 - 13:35

Schlagabtausch: Wie gut die Hilfen für den Wald organisiert sind, beurteilen im Landtag die Regierungsparteien anders als Grüne und SPD.

Beim ersten digitalen Parteitag der bayerischen Grünen beschlossen die Delegierten kürzlich eine Offensive zur Zukunft des Waldes. Als Bundesland mit der bundesweit größten Waldfläche sei Bayern besonders stark betroffen von den Auswirkungen des Klimawandels. Statt zum „Opfer der Klimakatastrophe“ zu werden, solle der Wald laut der grünen Landesvorsitzenden Eva Lettenbauer „zum Rettungsanker für den Klimaschutz“ werden.

Mehr Geld und Personal

Neben dem Umbau der Wälder zu stabilen Mischwäldern und einer komplett ökologischen Bewirtschaftung im Staatsforst fordern die Grünen die Einstellung von mehr Förstern für mehr Beratung für alle Privatwaldbesitzer und ein „baumfreundliches und tiergerechtes Wildtiermanagement“ sowie mehr Schutzräume im Staatswald und einen dritten Nationalpark im Steigerwald. In seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause befasste sich auch der Agrarausschuss im Bayerischen Landtag mit dem Antragspaket der Grünen zur Forstpolitik.

Wenn es CSU und Freie Wähler (FW) ernst meinen mit dem klimagerechten Waldumbau, brauche es deutlich mehr Initiativen, Geld und Personal, begründeten die Grünen ihren Vorstoß. Sie scheiterten mit ihren Vorschlägen allerdings an der Mehrheit der Regierungskoalition. Die SPD hatten die Grünen im Landtag an ihrer Seite.

Ein Revierleiter berät rund 2000 Waldbesitzer

Unter anderem forderte die Ökopartei wegen des hohen Beratungsbedarfs für jedes der 47 bayerischen Forstämter in den kommenden vier Jahren einen zusätzlichen Revierleiter. „Derzeit muss ein Revierleiter über 2000 Waldbesitzer betreuen und darauf hinwirken, dass auf der Fläche was geschieht“, erklärte der forstpolitische Sprecher der Landtags-Grünen, Hans Urban. Zwar sei die Staatsregierung hier nicht untätig gewesen und habe zusätzliche Stellen geschaffen, aber das reiche nicht aus. „Täglich zehn Waldbesitzer unterstützen und beraten, das ist nicht machbar“, so Urban.

Zwar höre sich die Stellenmehrung „gut an“, befand der CSU-Abgeordnete und Mitglied des zuständigen Landtags-Ausschusses Thorsten Schwab, „aber die allein in diesem Antrag geforderten 282 neuen Stellen können wir nicht nebenbei im Landwirtschaftsausschuss beschließen“. Ohnehin sei alles, was in den Anträgen erwähnt werde, „in einer Form auf dem Weg“. Bis 2030 seien 200 neue Stellen geplant, im Doppelhaushalt stünden zudem 1,1 Mio. € für befristete Fachkräfte.

Die Grünen forderten außerdem jeweils eine Stelle zusätzlich in den Walderlebniszentren und an den Ämtern je eine Stelle für Öffentlichkeitsarbeit. Das Ziel: Der Bevölkerung die Nutzung im Wirtschaftswald nahebringen. „Es hagelt immer wieder Kritik an Maßnahmen, teilweise werden sie blockiert“, sagte Urban und forderte mehr Unterstützung für die Waldbesitzer. Für Thorsten Schwab ist dagegen die „flächendeckende Umsetzung waldpädagogischer Arbeit gewährleistet“. Allein 2019 hätten beispielsweise mehr als 115.000 Schüler an Veranstaltungen teilgenommen.

Wie viel Betreuung für die WBV und FBG?

Für die Beratung forstwirtschaftlicher Zusammenschlüsse (WBV, FBG) fordern die Grünen etwa doppelt so viele Koordinatorenstellen an den Forstämtern wie derzeit geplant sind. Laut Thorsten Schwab sind 25 dieser Stellen „im Aufbau“. Überhaupt lasse die Unterstützung der Zusammenschlüsse „eigentlich keine Wünsche offen“, meinte der CSU-Berichterstatter. Klar könne es immer mehr sein, aber insgesamt habe man in Bayern „ein gutes Paket für private Waldbesitzer auf den Weg gebracht“.

Ausgleich von Einkommensverlusten

Auch beim Vertragsnaturschutz im Wald sehen die Grünen Handlungsbedarf vor allem in der Ausgestaltung der Angebote: Die derzeit zur Verfügung stehenden Finanzmittel würden von den Waldbesitzern nicht in Gänze abgerufen. Der Vorschlag der Grünen, zur Entlastung des Holzmarkts den Nutzungsverzicht von Schwachholz im Wald mit 40 €/fm zu fördern, fiel ebenfalls durch. „Das käme einem Ausgleich von Einkommensverlusten gleich. Das geht haushaltsrechtlich nicht“, erklärte Schwab.

Und auch das Bauen mit Holz geht den Grünen zu langsam: Um den Schnittholzmarkt in Schwung zu bringen, sollen bei öffentlichen Bauten wo immer möglich Holz oder Holzhybride Verwendung finden, kommunale Bauten dementsprechend bezuschusst werden. Laut Thorsten Schwab sei da „schon viel auf den Weg gebracht“. Zuschüsse seien schon möglich.